Ein Bad zwischen Eichen und Linden

Grüner wird's nicht In Zwickau grünt und blüht es in allen Ecken und an allen Enden. Besonders beeindruckend sind die teils alten Bäume im Planitzer Schlosspark.

Zwickau.

Shinrin Yoku ist das neue Zauberwort für gestresste Städter, die zeitgemäße Erholung suchen. Shinrin Yoku kommt aus dem Japanischen und bedeutet Waldbaden oder Im-Wald-Sein. Es ist ein Trend, der es bis nach Europa geschafft hat. Seit einiger Zeit werden für das richtige Waldbaden Kurse angeboten.

Früher, als Japan nahezu unerreichbar weit weg war, nannte man so etwas Licht- und Luftbaden oder schlicht: Erholung in der Natur. Dazu war auch kein Kurs nötig: Muße reichte völlig aus. Doch egal ob Shinrin Yoku oder eine Erholung im Grünen - der Schlosspark in Planitz taugt für beides. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts wurde der heute 7,3 Hektar große Schlosspark angelegt. Carl Eduard A. Petzold gestaltete ihn als einen englischen Landschaftsgarten, als Gegenentwurf zum formal strengen Barockgarten, als ein begehbares Landschaftsgemälde. So kann man die Anlage noch heute sehen. Sie ist wie ein farbenfrohes Gemälde, das im Jahresverlauf seinen Charakter wechselt. Denn in den Park wurden vor mehr als 100 Jahren Bäume gepflanzt, die durch farbige Blätter zu beeindrucken wissen. Die Palette beginnt beim zarten, hellen Grün der Linden und führt über dunkle Grüntöne und helles Rot bis hin zum Tiefrot der Blutbuchen.


Außerdem wechseln einige Baumarten ihre Blattfarben im Laufe des Jahres. Zu beobachten ist das beispielsweise bei den Stieleichen. Diese Bäume können ein halbes bis ein ganzes Jahrtausend alt werden. Im Laufe der Jahrhunderte wandelt sich das Äußere des Stammes von einer grauen, glatten Rinde hin zu einer schwarz-braunen, rissigen Borke. Im Laufe eines Jahres wandelt sich die Farbe der Blätter von einem Hellgrün zu einem Dunkelgrün, das auf der Blattunterseite noch immer heller ist als auf der Oberseite. Im Herbst verfärben sich die Blätter gelb, orange oder ockerfarben.

Mit roten Blüten machen Nussbäume auf sich aufmerksam, etwa Juglans cinerea - bekannt als Butternuss oder Graue Walnuss. Hingegen fallen die Blüten der Linden vor allem durch ihren typischen Duft auf. Ein besonders schönes Exemplar steht einzeln auf einer Wiese oberhalb des Teehauses. Es ist eine Krim-Linde - vermutlich ein Hybride aus Winter- und Schwarzmeer-Linde, die für Linden recht spät blüht, nämlich erst im Juni oder Juli. Dafür aber liefern die gelben, stark duftenden Blüten einen sehr zuckerreichen Nektar, auf den die Bienen förmlich fliegen.

Doch zurück zum Waldbaden: Ziel der Übung ist, sich vom Alltag zu erholen. Das erreichen die Waldbader, indem die Natur mit allen Sinnen genießen. Also wenn Sie das nächste Mal den Schlosspark besuchen, schauen Sie sich die Bäume genau an, erfreuen Sie sich an der Farbenpracht, schnuppern Sie an den Blüten. Und hören Sie auf das Blätterrauschen. Ganz einfach, oder?

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