Ein Brautstrauß der Natur

Grüner wird's nicht Dabei grünt es nicht nur in der gesamten Stadt, es blüht auch an allen Ecken und Enden. So manch eine Blüte kann mehr als schön auszusehen.

Zwickau.

Der erste Blick enthüllt dem Betrachter längst nicht alles. Bei einem Spaziergang durch den Tast-, Duft- und Erlebnisgarten in Planitz beispielsweise könnte man meinen, einfach an eine schöne Blumenwiese geraten zu sein. Dabei befindet man sich mitten in einer Kräuterapotheke. Wenn man weiß, worauf man achten muss.

Bei den zartrosa blühenden Pflanzen, die viele andere Gräser überragen, ist der Name Programm. Oder besser: die Namen. Denn Saponaria officinalis ist sowohl als Seifenkraut als auch als Hustenwurzel bekannt. Kein Wunder, taugt es doch sowohl zur Behandlung von Bronchitits als auch von schmutziger Wäsche. In beiden Fällen wird die Wurzel verwendet, in beiden Fällen sind die darin enthaltenen Saponine die wirksamen Bestandteile. Allerdings: Während man vermutlich Wäsche nicht zu gründlich waschen kann, darf man vom Tee nicht allzu viel trinken, da die Wirkstoffe auch Erbrechen auslösen können.


Ganz anders punktet der Storchschnabel, der wegen seines langen Fruchtstandes so genannt wird. Die Pflanze der Gattung Geranium ist weitgehend anspruchslos, wächst schnell, blüht reichlich - und Nacktschnecken mögen sie nicht. Einige Arten wurden in antiken Zeiten als Heilpflanze verwendet. Inzwischen gilt sie hauptsächlich als Zierblüte. Es sei denn, man hat Ohrenschmerzen: Ein frisches Blatt ins Ohr gesteckt, soll den Schmerz lindern.

Das Echte Leinkraut, auch Kleines Löwenmaul genannt, ist ebenfalls eher dekorativ. Allerdings sind die Blüten essbar, und es heißt, in einigen Apotheken würde eine Salbe zur Linderung des Juckreizes von Hämorrhoiden hergestellt. Der Echte Dost mit seinen kugelförmig angeordneten Blüten ist da in den Küchen heimischer - vor allem unter seinem Namen Oregano. Das Kraut, das auch als wilder Majoran bezeichnet wird, gibt mediterranen Gerichten mit Eiern oder Tomaten die richtige Würze. Abgesehen davon hat die Pflanze auch im Aberglauben ihre Bedeutung. Sie sollte im Stande sein, vor dem Bösen zu schützen. Sie sollte helfen, Dämonen und den Teufel fernzuhalten. Möglicherweise ist genau das der Grund, warum blühender Oregano gern in Brautsträuße geflochten wurde.

Selbst Pflanzen, die man fast überall findet, sind einen zweiten Blick wert. Die Schafgarbe beispielsweise scheint nichts besonderes zu sein. Dabei werden ihr vielfältige Heilwirkungen nachgesagt - von A wie Augenringen über B wie Blutstillen bis W wie Wechseljahrsbeschwerden. Für die Chinesen war die Pflanzen der Gattung Achillea vor 3000 Jahren ein wichtiges Hilfsmittel, um ein Orakel zu erstellen. Dabei brauchte es allerdings nicht nur einen ersten und einen zweiten Blick, sondern auch eine Menge komplizierte Zählerei. Da ist es leichter, einfach einen Tee gegen Völlegefühl oder Blähungen zu brühen.

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