Ein emotionaler Abschied

Der Choreograf und Ballettmeister Thomas Hartmann, der vor zehn Jahren nach Zwickau kam, geht in den Ruhestand. Das Publikum der Theaterreihe "tanz+" war tief berührt.

Zwickau.

Fast 50 Jahre hat Thomas Hartmann als Meistertänzer, Choreograf und Pädagoge die Ballettwelt mitgestaltet. Als er am Montagabend in den Ruhestand verabschiedet wurde, sagte der 66-Jährige: "Ich spüre, dass ich von vielen Leuten geliebt und geschätzt werde, und das ist ein sehr gutes Gefühl."

Der Abend im Zwickauer Malsaal wurde von Hartmanns Wegbegleitern gestaltet. Eine von ihnen war Elena Tumanova, die zusammen mit Maki Taketa selbst im Juni 2017 in einer "tanz +"-Veranstaltung verabschiedet wurde. Am Montag eröffnete der Publikumsliebling von 2016 den Abend zusammen mit Sebastian Uske - er war 2015 Publikumsliebling. Sie tanzten eine Choreografie von Thomas Hartmann, die er für die Operette "Die Csárdásfürstin" im Jahr 2013 geschaffen hatte. Elena Tumanova und Sebastian Uske schufen damit gleich zu Beginn einen der emotionalsten Momente des Abends. Das gelang ihnen auch mit Ausschnitten aus dem Ballett "Frühlings Erwachen", das von Hartmann 2015 gemeinsam mit dem früheren Ballettdirektor Torsten Händler choreografiert wurde. Mit Händler kam Hartmann 2009 nach Zwickau, und er arbeitete bis Händlers Weggang 2015 mit ihm zusammen. So war es auch für Torsten Händler eine Ehrensache, sich trotz Glatteises aus Leipzig zur Hartmanns Verabschiedung nach Zwickau aufzumachen. Doch die reservierten Plätze für ihn und seine Frau blieben im sonst bis zum letzten Platz gefüllten Malsaal trotzdem zunächst leer.

Ballettdirektorin Annett Göhre, die den Abend moderierte, war gerade dabei zu verkünden, dass an dieser Stelle eigentlich geplant war, Torsten Händler anzukündigen, der aber immer noch auf der Autobahn im Stau stecke, als ein Ruf kam: "Er ist da!" Sofort winkte Göhre ihren Vorgänger auf die Bühne. "Wir kennen uns wirklich schon sehr lange, ich habe Thomas noch als Student in vielen seiner Paraderollen an der Komischen Oper in Berlin erlebt", sagte Händler. Und er verriet, dass der Entschluss, gemeinsam nach Zwickau zu gehen, bei der Zusammenarbeit in Innsbruck getroffen wurde. In den gemeinsamen Jahren in Zwickau erlebte Händler ihn nicht nur als fantastischen Tanztrainer und Ballettmeister, sondern auch als einen sehr aufgeschlossenen Choreografen. "Die Gespräche mit dir haben mich immer weiter gebracht", sagte Händler, an Thomas Hartmann gewandt. Für Nachfolgerin Annett Göhre waren es lediglich zwei gemeinsame Arbeitsjahre mit Hartmann. "Die kamen mir aber viel länger vor, weil sie so intensiv waren und ich in dieser Zeit so viel von dir gelernt habe, wofür ich dir unendlich dankbar bin", sagte Göhre. Sie beschrieb Hartmann, der die "tanz+"-Reihe ins Leben rief, als "immer ehrlich, loyal, wohlwollend kritisch und offen". "Du hast gesagt, wer nicht offen für Neues ist, ist am Theater falsch". Dafür, dass Hartmann die neue Ballettchefin mit offenen Armen in Empfang nahm und ihr viel Organisatorisches abnahm, zeigte sie sich sehr dankbar.

Auch Generalintendant Roland May würdigte Thomas Hartmann bei der Verabschiedung als "großen Künstler". "Du hast Theatergeschichte mitgeschrieben", sagte May über den Künstler, der seine Ausbildung an der Palucca-Hochschule für Tanz in Dresden absolviert hatte. An der Sächsischen Staatsoper war er von 1970 bis 1993 als Tänzer, Choreograf, Ballettmeister und schließlich als Ballettdirektor tätig. Er tanzte dort fast alle großen Rollen in den Choreografien bekannter Meister. Hartmann war auch in Australien ein gefeierter Star. Seit 1993 arbeitete er als Choreograf freiberuflich. "So ein Zauberer soll ich gewesen sein?", sagte Hartmann und fügte dann an: "Es ist zu viel des Guten an diesem Abend über mich gesagt worden."

Die Ballettdirektorin verriet schließlich den Besuchern der Abschiedsveranstaltung, dass es gar nicht so einfach war, diesen Abend vorzubereiten, "weil Thomas Hartmann auch heute noch bestens über das Geschehen am Theater informiert ist". Das bestätigte auch Ekaterina Tumanova, die nach ihrer Tanzkarriere als Ballettmeisterin am Theater Plauen-Zwickau agiert: "Wir wollten ihn doch mit einigen Gästen und Programmpunkten wirklich überraschen." Dafür studierten auch die Neuen am Theater Hartmanns Choreografien ein, mit denen der weitere Abend gestaltet wurde. Als fröhlichen Rausschmeißer bot das Ballettensemble eine augenzwinkernd-beschwingte Choreografie aus dem Musical "Ein Käfig voller Narren", das am 25. Mai in Zwickau Premiere feiern wird.

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