Ein Frage von wenigen Minuten

Hat eine 34 Jahre alte Frau aus Frust über die Kündigung ihrer Wohnung den Dachstuhl des Hauses in Brand gesetzt? Die Angeklagte bestreitet die Tat auch im Berufungsprozess.

Zwickau.

"Es hat intensiv gebrannt", so brachte der Brandsachverständige des Landeskriminalamtes das Feuer auf dem Dachboden eines Mehrfamilienhauses in der Lindenstraße im Wildenfelser Ortsteil Wiesenburg am 28. Juni 2018 auf den Punkt. Mit 20.000 Euro war der Sachschaden angegeben worden. Besonders schlimm: Bei Brandausbruch befanden sich Personen im Haus. Die Polizei stellte bald Brandstiftung fest.

Dafür war im Februar am Amtsgericht eine 34 Jahre alte Bewohnerin zu zwei Jahren und sechs Monaten Haft verurteilt worden. Die Mutter dreier Kinder hatte in der ersten Instanz bis zuletzt vehement bestritten die Weihnachtsdekoration in ihrer eigenen Bodenkammer angezündet zu haben. Doch ihren Ausführungen wollte das Schöffengericht nicht glauben. Die Angeklagte legte Berufung gegen das Urteil ein. Jetzt wird der Fall am Landgericht noch einmal aufgerollt. Das Szenario ist in etwa gleich. "Ich bin erst am Haus angekommen, als es schon brannte", wiederholte sie ihre Aussage vom Februar. Dabei geht es für die Angeklagte und deren Anwalt Hans-Ulrich Biernert im wahrsten Sinne des Wortes um Minuten. Die junge Frau hatte, wie in der ersten Instanz ausgesagt, zur fraglichen Zeit mit ihrem Auto auf dem Weg von Lauter-Bernsbach zur Kindertagesstätte in Wiesenburg und erst danach zum bereits brennenden Wohnhaus gekommen zu sein. 15.45 Uhr soll es da etwa gewesen sein. Den Ausbruch des Brandes hatte der Sachverständige auf etwa 15.20 Uhr festgelegt. Die Versuche des Verteidigers, dem Brandfachmann eine Aussage über einen früheren Brandbeginn zu entlocken, schlugen fehl. Das hätte seine Mandantin deutlich entlastet. Eine Zeugin will sie schon deutlich früher, als von ihr angegeben, gesehen haben und zwar im Haus. Zudem hatte am Amtsgericht ihr Alibi gewackelt, nachdem zumindest der Verdacht aufkam, dass sie deutlich früher in Lauter-Bernsbach abgefahren sein könnte. Dabei hätte die 34-Jährige einen Tag nach dem Brand ihre Wohnung räumen müssen. Der Vermieter hatte ihr gekündigt. "Wegen Mietschulden und dem Umstand, dass ich immer wieder Mängel in der Wohnung kritisiert habe", lautet ihre Version. Der Vermieter wird am nächsten Verhandlungstag aussagen. Dann werden auch ihre ehemaligen Mitbewohner geladen. Die Brandermittler schlossen am Donnerstag aus, dass das Feuer durch ein defektes Elektrokabel, eine Zigarettenkippe oder die aufgefundenen Teelichte ausgelöst worden war. Das Verfahren wird am 20. August fortgesetzt.

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