Ein Heimbetreiber, der die Stadt prägt

Die Geschichte der gemeinnützigen Senioren- und Seniorenpflegeheimgesellschaft ist auch eine Geschichte über manch schlaflose Nacht.

Schloss Osterstein wurde 2008 als Seniorenwohnanlage eingeweiht.
Jens Geigenmüller - Geschäftsführer

Von Uta Pasler

Ein Vierteljahrhundert ist es her, dass sich die Stadt Zwickau dazu entschied, ihre Seniorenheime auszugliedern. Bei einer Festveranstaltung im Schloss Osterstein ließ Jens Geigenmüller, seit drei Jahren Geschäftsführer der gemeinnützigen Gesellschaft, am Dienstag die 25 Jahre Revue passieren. Er erinnerte an die Aufbruchstimmung in den ersten Jahren, aber auch an immense Risiken und die Ängste der Mitarbeiter und Bewohner. "Eine Pflegeversicherung gab es damals noch nicht." Der Sanierungsbedarf in den Häusern war enorm. Doch die Entscheidung zur Ausgründung sei richtig gewesen. Vieles ging damals urplötzlich schneller, die Wege, an Fördermittel zu gelangen, waren kürzer.

Viele Baumaßnahmen verliefen parallel und verlangten Bewohnern und Mitarbeitern allerhand ab, sagte Geigenmüller und zog den Hut vor den Mitarbeitern seines Unternehmens, die trotz Baustellen immer für die Bewohner da waren. Kopfzerbrechen bereitete ihm der Abschluss des Haustarifvertrages im Jahr 2015, der eine deutliche Gehaltserhöhung für alle nach sich zog. Laut Prokurist Torsten Dittberner verdient eine 15 Jahre beschäftigte Altenpflegefachkraft in dem städtischen Unternehmen bei einer 38-Stunden-Woche wenigstens 2700 Euro brutto. Ein Fehler war es offenbar nicht. Die meisten Bewohner seien da mitgegangen. Und zumindest bis vor fünf Jahren habe es nie Sorge wegen Fachkräftemangels gegeben.

Dank des guten Rufes der Gesellschaft ist es in diesem Jahr sogar gelungen, so viele Azubis wie noch nie einzustellen: zwölf neue. Insgesamt sind es 27, zwei davon kommen aus Vietnam, eine aus Rumänien und eine aus Sri Lanka.

Aufsichtsratsvorsitzende und Baubürgermeisterin Kathrin Köhler (CDU) erinnerte daran, dass nicht nur das Unternehmen Geburtstag hat. Denn es gibt auch mehr als 50 Mitarbeiter, die ihr 25. Dienstjubiläum begehen.

Mit der Bürokratie bei den Vorhaben der Vergangenheit gingen die Beteiligten unterschiedlich um. Während sich Zwickaus Oberbürgermeisterin Pia Findeiß (SPD) erinnerte, dass sie fuchsteufelswild wurde, als im damaligen Regierungspräsidium gefordert wurde, dass die Stadt für die Seniorenheimgesellschaft als Mieter im Schloss Osterstein bürgen müsse, erklärte Geschäftsführer Jens Geigenmüller schmunzelnd, dass er sogar ein Baumbuch führe. "Wir haben 506 Bäume, fast 100 mehr als Mitarbeiter. Wir sind also auch als Ökosystem wichtig für die Stadt." Und Prokurist Dittberner verriet, wie er gemeinsam mit dem langjährigen Geschäftsführer Uwe Köhler einen Tag vor Weihnachten nach Dresden gereist war und bis 17 Uhr um Fördermittel feilschte. "Die wollten endlich los. Wir haben 1,2 Millionen Euro zusätzlich herausschlagen können."

Am Donnerstag gibt es ein Heimbewohnerfest zum Jubiläum, am Freitag feiern dann die Mitarbeiter das erste Vierteljahrhundert der gGmbH.

Das Unternehmen

Am 1. September 1993 wurden die Feierabend- und Pflegeheime in Zwickau unter das Dach der Senioren- und Seniorenpflegeheim gGmbH gebracht. "Viele gingen damals bei dem kleinen g für gemeinnützig von einem Schreibfehler aus", erklärte Geschäftsführer Geigenmüller. Eine Ausgründung im gemeinnützigen Bereich war damals eine Innovation.

Die Behindertenwohnheime auf der Werdauer, Gutwasser- und Auerbacher Straße kamen 1998 zur Gesellschaft, doch erst 2002 wurden diese neu errichtet.

Die Umgestaltungen der Häuser "Planitz" und "Stadtblick" galten sachsenweit als Sanierungsbeispiele für Plattenbauten. 32 Millionen D-Mark kostete das die Gesellschaft. Der Neubau des Hauses "Schlobigpark" (2000) und die Sanierung des "Muldenblicks" (2001) folgten. 2002 wurde das Pflegeleitzentrum für Wachkomapatienten eröffnet.

Mit Schloss Osterstein tauchte ein neues Projekt auf. "Die Begeisterung hielt sich in Grenzen", erklärte Geigenmüller. Die Risiken seien enorm gewesen. 2008 wurde die Seniorenwohnanlage feierlich eingeweiht.

2015 kaufte die Gesellschaft für 13Millionen Euro die Häuser "Schlobigpark" und "Muldenblick" dem Investor ab und ist somit nur noch im Schloss Mieter.

Die Beschäftigtenzahl lag 1993 bei 255 Mitarbeitern, es gab 633 Plätze. Heute hat die Firma, deren Gesellschafter Stadt Zwickau (sieben Prozent) und Heinrich-Braun-Klinikum (69 Prozent) sind, 720 Plätze in ihren Heimen und beschäftigt 420 Mitarbeiter. 24 Prozent der Geschäftsanteile hält die Gesellschaft selbst.

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