Ein Hirte verabschiedet sich

Nach 40 Jahren zieht sich Pfarrer Wolfgang Eichhorn aus dem aktiven Dienst zurück. Superintendent, Kirchenvorstand, Gemeinde und Ehrengäste bereiteten dem 65-Jährigen in der voll besetzten Moritzkirche ein herzliches Lebewohl.

Zwickau.

Mit einem lachenden und einem weinenden Auge geht Wolfgang Eichhorn, Pfarramtsleiterdes Evangelisch-Lutherischen Kirchspieles Zwickau Nord, in den Ruhestand. Gemeinsame Gottesdienste, Arbeit in Gruppen und Kreisen sowie Angebote für Kinder und Jugendliche in den Gemeinden Moritz, Johannis, Mosel, Crossen und Luther tragen zum Zusammenwachsen der rund 3700Mitglieder bei. Und machen es schwer, einfach "tschüss" zu sagen. Bei einem Festgottesdienst am Sonntagnachmittag ist Eichhorn in der voll besetzten Moritzkirche verabschiedet worden.

Für Menschen da zu sein, zuzuhören, zu trösten, den Blick auf die schönen Seiten des Lebens zu lenken - darauf kam und kommt es dem Theologen an: zunächst als Diakon im Kirchspiel Streumen, nach Ordination in Glauchau-Gesau und schließlich in der Gemeinde in Zwickau. Die Arbeit - von der Kindstaufe über Konfirmation und Trauung bis zur Trauerfeier - ist vielseitig, fordernd. Immer wieder begegnet er großartigen Menschen, wie er der "Freien Presse" sagt. Der Bibelvers "Liebe deinen Nächsten wie dich selbst" gilt bei jeder Begegnung, wie verschieden die "Schäfchen" auch sein mögen, so Eichhorn. Als Gefängnis-Seelsorger arbeitete er 15Jahre mit seinem katholischen Kollegen Rudi Welscher von der Gemeinde "St. Nepomuk" zusammen. Gemeinsam feierten sie Gottesdienste in der Justizvollzugsanstalt Zwickau - einmalig in Deutschland. Wer die christliche Botschaft mit dem Herzen denkt und in die heutige Zeit übersetzt, erfährt unzählige schöne Momente. Besonders in Erinnerung bleiben Eichhorn das bewegende Jahr 1989 und die Arbeit mit ausländischen Gruppen. Dankbar ist der Pfarrer für die Unterstützung seiner Ehefrau Christine, für die Begleitung durch Freunde und Mitarbeiter, für das Engagement aus Wirtschaft und Politik, das die Sanierung der Moritz-, Luther- und Johanniskirche ermöglichte.

Zum 31. Oktober entlässt Superintendent Harald Pepel den Pfarrer in den Ruhestand. Das Oberhaupt des Evangelisch-Lutherischen Kirchenbezirks Zwickau wünschte am Sonntag Glück und Segen für die neue Zeit. 40Jahre im Dienst der Landeskirche seien nicht nur ein großer Abschnitt des Lebensweges, man lasse auch ein Stück seines Herzens zurück. Wolfgang Eichhorn wird Zwickau treu bleiben, die hier gastierenden Schausteller- und Zirkusleute möchte er weiter seelsorgerisch begleiten. "Auch wenn sich Strukturen, Rahmenbedingungen ändern: Der Herr bleibt unser Hirte", ist er zuversichtlich - ein christlicher Psalm, der ihn schon in früher Kindheit prägte und faszinierte, weil seine Großmutter ihn oft zitierte, ohne dass er ihn zunächst so richtig verstand.

Wolfgang Eichhorns Stelle wird im Zuge der Reform der Kirchenstruktur nicht wieder besetzt.

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