Ein kritischer Geist wird heute 80

Seit einem Vierteljahrhundert fotografiert Eberhard Wenke alle großen Bauvorhaben in Zwickau. Bekannt wurde er auch durch seine klare Meinung und seine Freundschaft zu Dietmar Vettermann.

Zwickau.

Groß, kräftig, weißhaarig, sonore Stimme - und meist mit Kamera unterwegs: Das ist Eberhard Wenke. Der bekennende Zwickauer feiert heute seinen 80. Geburtstag. Dabei ist er gar kein geborener Zwickauer. Er kam 1938 im schlesischen Bad Salzbrunn zur Welt und 1945 nach der Vertreibung aus dem heutigen Polen mit seiner Familie nach Zwickau. Fast sein gesamtes Arbeitsleben hat der Diplomingenieur für Bergbaukonstruktion in der "Hütte" in Cainsdorf, die zur Wismut gehörte, verbracht. Viele Jahre hat er dort im Bereich Investitionen gearbeitet, nach der Wende war er Personal- eiter. Seine Freizeit gehört seit jeher dem Fußball. "Da hat mich mein Vater angesteckt", erinnert er sich.

Neben dem Fußball hat der Jubilar noch eine weitere Leidenschaft: das Fotografieren. Viele Jahre hat sich das auf Familienfotos beschränkt. Seit 23 Jahren sind Eberhard und seine Kamera jedoch nahezu unzertrennlich geworden. Der Hobbyfotograf hält seitdem nicht nur das Zwickauer Stadtgeschehen im Bild fest, sondern beschäftigt sich im Besonderen mit den Großbaustellen in der Robert-Schumann-Stadt. Er dokumentiert die Abläufe auf dem Bau vom ersten Spatenstich bis zur feierlichen Einweihung des jeweiligen Bauwerkes. "In der Regel kommen dabei bis zu 1500 Fotos zusammen", sagte er. Seine Bilder von der Sanierung des Rathauses und des Kornhauses, vom Umbau des Westsachsenstadions, vom Neubau der Glück-Auf-Schwimmhalle und des Fußballstadions in Eckersbach sind inzwischen sogar als CD im Stadtarchiv für die Nachwelt erhalten. Im Bild festgehalten hat er auf diese Weise auch das ehemalige RAW-Gelände, den Bau des B-93-Tunnels sowie diverse Luftaufnahmen seiner Heimatstadt Zwickau. "Die schönsten und interessantesten Baustellen waren für mich die Schwimmhalle und natürlich als Fußballfan der Bau des Stadions", blickt Wenke zurück.

Auch die Baufirmen hatten ihn ins Herz geschlossen. Kein Wunder, dass bei der Funktionsprobe im neuen Fußballstadion als erste Anzeige überhaupt der Schriftzug "Halle Eberhard Wenke" aufleuchtete. Viele seiner Aufnahmen sind in Zeitungen, Zeitschriften und Büchern veröffentlicht worden. Dabei ist ihm die Erwähnung seines Namens in erster Linie so wichtig nicht. "Entscheidend ist, dass Zwickau in einer Form dargestellt wird, wie es das verdient", sagte er. Dabei sollte das Stadion sein letztes fotografisches Großprojekt sein. "Mit nunmehr 80Jahren ist es an der Zeit, diese Tätigkeit im Wesentlichen zu beenden", erklärte er.

Eberhard Wenke ist immer auch ein Mann der klaren Worte. Das haben viele Zwickauer, die irgendwo in Führungspositionen sitzen, schon zu spüren bekommen. Nicht jeder konnte gut damit umgehen. Einer allerdings, der das konnte, war der ehemalige Zwickauer Oberbürgermeister Dietmar Vettermann. Zu ihm verbindet Wenke eine langjährige Freundschaft. "Der Kontakt zu ihm ist mir besonders wichtig", sagte er. Seit Vettermann auf der dänischen Insel Aerö lebt, hat die Freundschaft keinen Schaden erlitten, eher im Gegenteil. "Mindestens einmal in der Woche schreiben wir uns E-Mails", sagte Wenke. "Eberhard und ich stammen aus der gleichen Kirchgemeinde", sagte Vettermann. Viele Jahre habe man sich jedoch nur auf dem Kirchplatz aus der Ferne gegrüßt. "Erst mit den zunehmenden politischen Auseinandersetzungen in der Stadt aber auch mit Dresden kamen wir in näheren Kontakt". Nicht selten sei Wenke nach Ratssitzungen regelrecht fassungslos zu Vettermann ans Präsidium gekommen, um sich seiner gewonnenen Eindrücke Luft zu machen. "Das ist genau der Punkt, den ich so an ihm schätze", sagte Vettermann. "Er ist an allem interessiert, sagt dazu ehrlich und oft völlig spontan seine Meinung." Wenke habe ihn ohne falsche Rücksichtnahme in den letzten Jahren seiner Amtszeit immer wieder kritisch beurteilt.

Auch wenn Eberhard Wenke künftig vielleicht seine Kamera nur noch im Urlaub einsetzt - Ruhestand oder gar Müßiggang sind für den Zwickauer Fremdwörter. "Langweilig wird es auch mit 80 Jahren in meinem Leben nicht werden", ist er sich sicher. Seiner großen Leidenschaft Fußball wird er auf jeden Fall treu bleiben. Voller Stolz blickt er auch auf seine Familie. "Ich habe zwei Kinder, vier Enkelkinder und inzwischen sogar zwei Urenkel", sagte er. Da werde er immer wieder gebraucht.

Für die Zukunft hat er nur einen Wunsch: Gesundheit. "Ich möchte mit meiner Frau Renate noch einige schöne Jahre erleben können." Dass er die Kamera tatsächlich nur noch im Urlaub und für den Familiennachwuchs einsetzen will - so richtig kann das niemand glauben. Schließlich wird es in Zwickau weitere Großprojekte geben, die im Bild festgehalten werden wollen.

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