Das Gelände am Ortsausgang von Silberstraße ist eine Mischung aus Abenteuerspielplatz und Naturerlebnis – das auch für künftige Generationen von Kindern erhalten werden soll.
Celina Kracmar sitzt am Tisch und blättert lächelnd in einem kleinen Fotoalbum. Auf einem der Bilder: ein Mädchen mit bemaltem Gesicht, Schmuck im Haar, auf dem Foto daneben steht sie mit Pfeil und Bogen, stolz und glücklich zugleich. „Da muss ich immer schmunzeln“, sagt die 24-Jährige. „Ich habe mich als Kind so gern als Indianer verkleidet. Weil mich das Thema schon immer interessiert hat.“
Beim Betrachten der Bilder werden Erinnerungen wach – an einen Tag, der sich tief ins Gedächtnis eingebrannt hat. Es war der Schuljahresabschluss 2011. Celina erinnert sich, dass ihre Hort-Erzieherin stets versuchte, „so viele coole Sachen wie möglich reinzupacken“. Einer dieser Ausflüge führte die gesamte Hortgruppe ins Indianercamp „Silverstreet“ nach Wilkau-Haßlau. „Wir waren einen ganzen Tag dort. Und für mich war das einfach perfekt.“
Goldwaschen und Bogenschießen
Gleich zu Beginn ging es ins große Tipi. Dort wurden die Kinder begrüßt, dann durfte sich jeder einen indianischen Namen aussuchen. „Ich habe damals sehr gern die Serie ,Yakari‘ geschaut. Da gab es ein Indianermädchen namens Regenbogen – so wollte ich dann auch heißen.“
Celina blättert weiter. Auf den nächsten Fotos: Kinder beim Goldwaschen. „Das war für uns das absolute Highlight.“ In kleinen Schalen wurden Halbedelsteine aus dem Sand gewaschen, wie im Wilden Westen. Die Fundstücke kamen in selbst gestaltete Leinenbeutel, und man durfte den Schatz mit nach Hause nehmen. „Ich glaube, ich habe diesen Beutel noch irgendwo in einer Kiste. Das war mir damals ganz viel wert.“
Auch das Bogenschießen ist ihr bis heute präsent. „Das war das erste Mal für mich. Ich habe mich wie ein richtiger Indianer gefühlt – mit Kostüm und Schminke.“ Dazwischen Lagerfeuer, Geschichten im Zelt, gemeinsames Spielen, Lachen, Staunen. Für Celina war es mehr als nur ein Ausflug. „Der komplette Tag war ein richtiger Traum für mich als Kind.“
Déjà-vu-Erlebnis nach 14 Jahren
Viele Jahre später kam es nun zur Wiederbegegnung mit diesem Ort. Celina arbeitet inzwischen beim Sprach-, Bildungs- und Beratungszentrum und ist Betreuerin im betreuten Jugendwohnen auf dem Sandberg in Wilkau-Haßlau. Bei einer Rundfahrt für neue Mitarbeiter führte der Weg auch ins Indianercamp. Ein Déjà-vu-Erlebnis. „Das war richtig nostalgisch. Ich wusste noch genau, wie wir damals reingekommen sind, wie die Begrüßung im Zelt war. Und irgendwie hat sich gar nicht so viel verändert.“
Das Indianercamp „Silverstreet“ gibt es seit über 20 Jahren. Auf einer ehemaligen Streuobstwiese ist ein besonderer Ort entstanden – mit Tipis, Lagerfeuerstelle, Gelegenheiten zum Spielen, für Naturerfahrungen und Sinneswahrnehmungen in der Gemeinschaft. Manche Kinder, die hierherkommen, leben in schwierigen Familienverhältnissen oder haben belastende Erlebnisse hinter sich. Im Camp können sie zur Ruhe kommen, sich ausprobieren, dazugehören – und einfach Kind sein.
Doch die Zeit hat Spuren hinterlassen. Spielgeräte sind beschädigt oder veraltet, Sicherheits- und Inklusionsanforderungen haben sich verändert. Der Spielplatz im Indianercamp muss dringend saniert und ergänzt werden. Rund 13.000 Euro werden dafür benötigt.
Auf Spendengelder angewiesen
„Ohne Spendengelder ist das nicht aufrechtzuerhalten“, sagt Reyk Colditz vom SBBZ. „Hier sind über mehr als zwei Jahrzehnte Werte geschaffen worden. Es wäre schade, wenn man das alles zurückbauen müsste.“ Celina nickt. „Ich weiß aus eigener Erfahrung, wie schön es in diesem Indianercamp ist“, sagt sie. „Wenn Kinder das irgendwann nicht mehr erleben könnten, wäre das wirklich traurig.“ (tc)
So können Sie helfen: Mit der „Leser helfen“-Aktion will die „Freie Presse“ dazu beitragen, das Indianercamp „Silverstreet“ zu erhalten. Jede Unterstützung hilft, damit Kinder sich im Freizeitzentrum weiter ausprobieren, lachen und wachsen können.






