Ein Ort sucht einen Katzenhasser

Im kleinen Culitzsch geht die Angst um. In weniger als vier Jahren sind 17 Tiere verschwunden und zwei verletzt worden.

Culitzsch.

Sie hießen Rambo, Emil und Sid, und ihr Revier war das Oberdorf im Wilkau-Haßlauer Ortsteil Culitzsch. Doch die Katzen, die als Freigänger gehalten wurden, sind spurlos verschwunden. Sie teilen damit das Schicksal von insgesamt 17 Samtpfoten, die seit Ende 2014 den heimischen Futternapf verließen und nie wieder dorthin zurückkehrten. Ihr Schicksal ist bis heute ungeklärt. Tatsächlich könnten es noch mehr Opfer sein. Zwei Katzen schleppten sich nach längerer Abwesenheit mit schweren Verletzungen am Rückgrat nach Hause. Sie mussten eingeschläfert werden.

Das letzte Opfer hatte Sigrid Wagner zu beklagen. Seit Juli fehlt von ihrem Liebling, den sie als in freier Wildbahn geborene Babykatze bei sich aufgenommen und großgezogen hat, jede Spur "Ich kam aus dem Urlaub zurück, und die Katze war nicht mehr da", sagte sie. Ein paar Tage habe sie gewartet, doch ihr Fundus kam nicht mehr zurück. Er war die vierte Katze, die ihr in wenigen Monaten abhanden kam. Sie weiß, dass Katzen ganz gern mal untertauchen und da bleiben, wo es leckeres Futter gibt. Aber Culitzsch ist ein Dorf. "Irgendjemand hätte mich informiert, wo meine Katze gerade ist", sagte Sigrid Wagner. Als sie sich auf die Suche machte und dabei an den Türen der etwa 20 Häuser im Oberdorf klingelte, erfuhr sie Schlimmes. "Offenbar verschwinden hier seit Jahren Katzen", sagte sie. Nachbarn schildern auch gegenüber der "Freien Presse" merkwürdige Ereignisse.

Tiere, die seit sieben Jahren und länger ohne Probleme in einem Haushalt gelebt hatten, waren plötzlich weg. Erklären können sich die Anwohner das nicht. Da stelle sich schon eine Frage: Gibt es in dem kleinen Ort einen Katzenhasser, der auf die Tiere losgeht? Und wenn ja, warum? Und was macht er mit den Tieren?

Misstrauisch wurden die Anwohner vor allem, weil die Katzen so völlig spurlos verschwanden. "Normalerweise kommen sie nach Hause, wenn sie Hunger haben", weiß Wagner. Das ist ausgeblieben. Wären sie auf der Straße überfahren worden und gestorben, hätte man sie dort gefunden. Verletzte Katzen schleppen sich in der Regel irgendwie nach Hause. Tierarzt Frank Müller bestätigt, dass verletzte Katzen in der Regel versuchen, sich nach Hause zu retten. Doch es waren nur zwei Tiere, denen offenbar die Flucht gelungen war, nachdem sie möglicherweise mit einem Knüppel geschlagen wurden. "Wir wissen nicht, was aus unseren Tieren wurde", sagte Sigrid Wagner. Auch Ortsvorsteher Andreas Schwalbe weiß keinen Rat. "Es ist natürlich so, dass Katzen auch mal verschwinden", sagte er. Die Häufung macht auch ihn stutzig. "Aber es gibt keinen Beweis gegen irgendjemanden", sagte er. Sonst hätte er sich um die Angelegenheit bereits gekümmert.

Sigrid Wagner überlegt, ob sie sich wieder eine Katze anschaffen soll. Nachbarn sind bereits auf einen Hund umgestiegen. Andere wiederum bangen jeden Tag, dass ihr Liebling nach Hause zurückkommt. Sollte es tatsächlich einen Katzenhasser geben, haben sie an ihn nur einen Appell: Das Töten von Katzen muss aufhören.

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