Ein Publikum im Rettungsboot aus Tönen

Zum dritten Planitzer Schlossakkord bot Alexa Feser ihren Zuhörern einen perfekten Abend. Eigentlich störte nur eines.

Zwickau.

Es war mehr als glückliche Fügung, dass als Star beim dritten Planitzer Schlossakkord im Hof des Clara-Wieck-Gymnasiums am Samstagabend mit der Deutschpop-Poetin Alexa Feser eine Künstlerin auf der Bühne stand, die mitten im großen Durchbruch steckt: "Ich beobachte Alexa Feser seit Jahren. Sie stand schon auf meiner Vorschlagsliste für den Schlossakkord, ehe wir mit dem Verein ,Liederbuch' die erste Veranstaltung gemacht haben", sagt Monique Riemenschneider, Marketing-Chefin der Kultour Z. "Und dann musste das noch mit dem Termin klappen." Das war im zweiten Anlauf der Fall.

Seit 2015 also steht Alexa Feser auf der Wunschliste der Kultour Z. Da nahm die gebürtige Wiesbadenerin mit  "Glück" und "Das Gold von morgen" vom 2014 erschienenen Debütalbum am deutschen Vorentscheid zum Eurovision Song Contest 2015 in Wien teil und schaffte es bis in Runde 2. Das Gros ihres Zwickauer Programms machten Titel ihres 2017 erschienenen, bis auf Platz 3 der deutschen Charts gelangten, aktuellen Albums "Zwischen den Sekunden" aus - mit Texten ohne Fremdschämpotenzial, die die studierte Musikwissenschaftlerin als feinsinnige, sensible Beobachterin ihres Alltags und ihrer Mitmenschen ausweisen. Mit ihrer drei Mann starken Band geht sie auf der kleinen Bühne sofort in die Vollen und nimmt ihr rund 600-köpfiges Publikum von 27 bis 72 unterm blauen Planitzer Himmel vom ersten Takt an mit. Zugleich setzt sie mit dem  sehr vielseitig arrangierten, textlich bildreichen ("mein Rettungsboot aus Tönen") Titel "Medizin" ein Leitmotto des Abends: Das Lied handelt von der Heilkraft der Musik, wobei das Wort "Musik"darin  gar nicht vorkommt. Mentale Selbstheilung ist ebenso das Thema von "Paradies im Kopf", das auf die heutige Wirklichkeit eingeht: "Wie soll ein gläserner Mensch in  einer gläsernen Welt sich vor den andern verbergen? Es reicht ein einziges Wort, und dieser gläserne Mensch wird in Sekunden zu Scherben."

Nachdenklich, weise, spontan wirken die Moderationen der Sängerin zwischen den Titeln, die oft etwas Hymnisches haben: "Straßenkind", "Wunderfinder", "Leben". Feierlich, aber entspannt ist die Stimmung. Teils fast zu entspannt: Wer der Sängerin ungestört lauschen will, findet fast nirgends auf dem Schlosshof ein Plätzchen, an dem nicht über die Musik hinweg angeregt und deutlich hörbar geplaudert wird. Das ändert sich immerhin, als Alexa Feser eines ihrer wichtigsten Lieder, "Das Gold von morgen", in einer tiefen Krise entstanden und zugleich der Ausweg daraus gewesen, auf einem Barhocker inmitten des Publikums anstimmt. Das versammelt sich um sie wie um ein Lagerfeuer. Nach rund 100 Minuten Konzert verabschiedet sie sich mit mehreren Zugaben von den rundum zufriedenen Zuhörern - teils auch persönlich: Bis alle Autogramm- und Selfie-Wünsche erfüllt sind, vergehen weitere 50 Minuten.

Bewertung des Artikels: Noch keine Bewertungen abgegeben
0Kommentare
Um zu kommentieren, müssen Sie angemeldet und Inhaber eines Abonnements sein.



    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
    Mehr erfahren Sie hier...