Ein Schultag zwischen Müll und Supermarktregalen

Wie umweltbewusst sind die Zwickauer? Jugendliche recherchieren für ein Umweltprojekt und machen dabei ungewöhnliche Erfahrungen.

Zwickau.

Es stinkt! Der Inhalt aus Abfallsäcken verwandelt den Sammelplatz auf dem Gelände des Entsorgungsunternehmen Veolia Umweltservice in einen Haufen Unrat. Im Hintergrund knallt es kurz - offenbar wurde in der Presse eine noch nicht vollständig geleerte Spraydose zerquetscht. Die Schülerinnen und Schüler der 9. Klasse des Käthe-Kollwitz-Gymnasiums Zwickau schauen und staunen. Veolia-Teamleiter Martin Weinert erläutert, es gibt keine Fragen, aber Erleichterung, als es weitergeht. Wenige Meter weiter, durch eine schmale Straße getrennt, werden Glasflaschen deponiert. Es ist ein buntes Durcheinander, doch eigentlich sollten hier braune und weiße getrennt voneinander liegen, am besten ohne Metall- oder Plasteverschlüsse. Leider sei es einigen Mitbürgern egal, in welchem Container sie ihre Flaschen entsorgen, sagt Teamleiter Weinert. Im Bereich daneben lagert Bauschutt. Auch er ist von sortenrein weit entfernt, stattdessen gemischt mit Keramikschutt und Plasteabfällen.

Für die Gymnasiasten ist das kein alltäglicher Schultag. Sie recherchieren für ihr Projekt "Umwelt macht Schule" und setzen sich dabei bewusst mit dem Thema Müll auseinander. Während sich am Montag ein Teil der Klasse bei Veolia umschaute, recherchierte eine zweite Gruppe beim Supermarkt Globus. Dort wollen die Jugendlichen unter anderem herausfinden, wie der Handel mit Plastikmüll umgeht und welche Möglichkeiten der Müllvermeidung es dort gibt. Ihre Recherchen erscheinen in Kürze in der "Freien Presse".


"Umwelt macht Schule" wurde vom Bundesumweltministerium initiiert. An dem Gemeinschaftsprojekt sind bundesweit zehn Tageszeitungen beteiligt - und aus deren Verbreitungsgebieten jeweils drei Schulen. Neben dem Käthe-Kollwitz-Gymnasium Zwickau nehmen auch weiterführende Schulen aus Chemnitz und Plauen teil.

Ziel von Veolia ist es, dass so viel wie möglich Abfall wiederverwendet werden kann. Auf dem Land scheint das Umweltbewusstsein ausgeprägter. Viele Hausbesitzer entsorgen Biomüll auf ihrem Kompost und trennen Abfall generell strenger als in der Stadt. Dort verleiten die Gemeinschaftstonnen in großen Wohnblöcken oftmals dazu, in die Tonne zu entsorgen, die gerade mal am nächsten ist. "In den großen Wohngebieten sind in der Gelben Tonne rund 25 Prozent Fehlwürfe, und es werden jährlich mehr", sagte Mandy Kuhl von der Abteilung Abfallwirtschaft im Landratsamt. Neben toten Tieren oder benutzten Windeln würden dabei unter anderem auch Spritzen oder sogar benutzte Katheterbeutel entsorgt. Dabei gelten für die Entsorgung medizinischer Abfälle strengere Vorschriften als für Haushaltsverpackungen.

Für die Jugendlichen verstärkt sich heute die Gewissheit, dass Umweltschutz mehr ist als die Teilnahme an der Schülerdemo "Fridays for Future" - nämlich selbst dazu beizutragen.

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