Ein Spulrad fürs Heimatmuseum

Nicht zum ersten Mal sind historische Gegenstände im Reinsdorfer Rathaus gelandet. Die neueste Errungenschaft beschäftigt auch die Ortchronistin.

Reinsdorf.

Brigitte Kunz ist sich so gut wie sicher: "Das ist ein altes Spulrad mit Handkurbel", sagt die ehemalige Lehrerin. Die Vielauerin muss es wissen, immerhin steht ein ähnliches Modell bei ihr auf dem Grundstück. "Das hat mir vor Längerem schon mein Sohn vermacht, der auf dem Boden seines erworbenen Hauses fündig geworden war", sagt Kunze, die nicht nur als Gemeinderätin (Linke) aktiv ist, sondern auch als Ortschronistin. Der Reinsdorfer Rathauschef Steffen Ludwig (parteilos) hatte sie kürzlich um ihren Rat gebeten, die jüngste Schenkung an die Kommune zu beurteilen.

"Es handelt sich um eine Spulrad, das die Webergeschichte der hiesigen Region durchaus gut verdeutlicht", ist Kunz überzeugt, die in den nächsten Tagen und Wochen dazu weiter in den Archiven forschen will. "Um einen Handwebstuhl zu betreiben, bedarf es zweierlei Fadenarten, dem Kettfaden und Schuss- faden. Der Schussfaden wiederum befindet sich auf einer Spule, die sich in einem Schiffchen befindet", so Rathausmitarbeiterin Christiane Gündel.

Somit sei das Spulrad vornehmlich ein technisches Hilfsmittel zum Auf- und Umspulen von Garn in der Hand- und Hausweberei. Deshalb habe es früher auch das Berufsbild des Spulers gegeben. "Denn nicht jeder Weber hatte damals genügend Zeit, diese Arbeiten selbst zu erledigen", fügt Gündel an. Dazu gehörte es, fein säuberlich den Faden auf die Spule zu wickeln. Aufgewickelt auf die hölzerne Walze entstand der sogenannte Kettenbaum, der dann in den Webstuhl eingelegt wurde.

In dem Zusammenhang erinnert sich Heimatforscherin Kunz an ein historisches Schriftstück. So hatte ein Inspektor nach seiner Inspektion in der Vielauer Schule vermerkt, dass die Kinder oft eingeschlafen seien, "weil sie bis in die Nacht hinein spulen mussten". Kunz will auf jeden Fall an dem Thema dranbleiben. "Vielleicht bekomme ich noch raus, wann genau dieser Inspektionsbericht verfasst wurde."

Bewertung des Artikels: Noch keine Bewertungen abgegeben
0Kommentare
Um zu kommentieren, müssen Sie angemeldet und Inhaber eines Abonnements sein.



    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
    Mehr erfahren Sie hier...