Ein Stück Paradies für die zweite Familie

Der Zwickauer Kinderhaus-Verein möchte für seine Wohngruppe in Planitz einen kleinen Garten samt Streichelgehege anlegen

Zwickau.

Celine streichelt die Klobürste. Die 16-Jährige grinst, und das Grinsen sagt so was wie: "Auweia". Klobürste - so hat sie eines der kleinen Meerschweinchen genannt, die im Stall vor der Grünen Villa leben, die Celine ihr zweites Zuhause nennt. Auweia - wenn das die anderen erfahren ...

Celine ist die Älteste von neun Kindern im Alter ab sieben Jahren, die in Planitz eine Wohngruppe bilden. Betreut wird die Einrichtung vom Kinderhausverein. Tobias Edler ist als Betreuer von Anfang an, seit 2002, dabei. Fünf Sozialpädagogen begleiten die Kinder durch ihren Alltag. "Mindestens einer von uns ist immer in der Gruppe, auch nachts", sagt Edler. Das Ziel: Die Mädchen und Jungen sollen nach Möglichkeit wieder in ihre Familien zurückkehren. Damit das gelingt, gibt es auch eine Familientherapeutin, die mit den Eltern arbeiten kann. Doch das ist kein Muss. Die Familienwohngruppe, so erklärt es Vereinsvorstand Hans-Jürgen Melle, hat nichts mit einer Inobhutnahme zu tun. "Wir haben hier keine Heimkinder. Die Eltern müssen beim Jugendamt einen Antrag auf Hilfe zur Erziehung stellen." Dann erst kann ein Kind in die Villa einziehen - und für eine Zeit bleiben, bis eine Rückkehr in die eigene Familie möglich geworden ist.

Celine hat die Besucher nicht von ungefähr zum Meerschweinchenstall geführt. Der steht hinter besagter Villa, die im Erdgeschoss eine Kindertagesstätte beherbergt, auf einem Stück brach liegendem Gelände. Das war bis vor Kurzem noch zugewuchert, jetzt ist es öde - aber es soll sich in einen Garten verwandeln. In ein kleines Idyll, das die Familienwohngruppe ganz für sich genießen kann. Celine steckt das Meerschweinchen, dessen weiß-schwarzes Fell in alle Richtungen absteht, wieder in seinen Stall. Klar sagt die 16-Jährige, es gibt Momente, da hätte sie schon gern einen Platz, an dem sie den Trubel der Gruppe hinter sich lassen kann.

Die Kinder haben mit ihren Betreuern schon Pläne gemacht, wie der Garten aussehen soll. Sie wünschen sich eine begehbare Spirale, die von Kräutern gesäumt wird. Sie wünschen sich auch eine Sitzecke zum Ausruhen und Träumen. Darüber hinaus soll sich der Stall für die Meerschweinchen in dieses Ensemble einfügen. Geht es nach den Kindern, verbringen Klobürste und Co. ihre künftigen Tage nicht mehr in einem einfachen Stall, sondern sie dürfen in einem schönen Streichelgehege umherhoppeln. Ein Sonnensegel soll dafür sorgen, dass es im Sommer weder den Kindern noch den Tieren zu heiß wird.

Den Plan gibt es also schon, und auch eine grobe Kostenschätzung kennt Hans-Jürgen Melle. "Ich denke, wir werden so 15.000 bis 20.000 Euro brauchen." Denn das Gelände, das ein Garten werden soll, liegt an einem Hang und ist nicht wirklich weitläufig - das macht die Planung und das Anlegen des Gartens nicht leichter. Der Kinderhaus-Verein kann das Geld nicht aus eigener Kraft aufbringen. Die Kinder hoffen deswegen auf Spenden, um ihren Traum vom Paradies wahrzumachen.

Wenn das Geld reicht, könnte man auch unterschiedliche Klangelemente in die Gestaltung einarbeiten, sagt Tobias Edler. Denn die Kinder mögen Musik. Kein Wunder: "Wir haben hier einige Instrumente und bieten ihnen an, sie zu lernen", so der Betreuer. Die meisten nutzen das Angebot. So ist beispielsweise einmal pro Woche eine Klavierlehrerin im Haus. Doch auch so bekommen die jungen Bewohner der Villa Möglichkeiten, sich zu entfalten. Das wissen sie zu schätzen, und in der Weihnachtszeit musizieren sie gemeinsam beim Advents-Kaffee, berichtet Celine. Sie nennt die Familienwohngruppe ihr zweites Zuhause. Sie hat Freunde und Geborgenheit gefunden. Aber für sie wie für alle anderen gilt: "Wir können den Kindern Mutter und Vater nicht ersetzen", sagt Betreuer Tobias Edler. Und so wird nach einer gewissen Zeit geprüft, ob die jungen Leute in ihre Familien zurückkehren können oder ob es besser ist, eine Pflegefamilie zu suchen. Es ist auch möglich, länger in der Villa zu bleiben - in dem grünen Haus, das bald ein Haus im Grünen sein soll.

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