Ein wichtiger Schritt auf dem Weg in die Freiheit

Die Gründung der Friedensbibliothek Zwickau war ein Meilenstein. Sie lebt heute im Martin-Luther-King-Zentrum weiter.

Zwickau.

Vor fast genau 30 Jahren, am 1. September 1988, nahm die Zwickauer Friedensbibliothek ihre Arbeit auf. Das Gründungsdatum für die Einweihungsfeier wurde bewusst gewählt, denn am 1. September 1939 begann mit dem Überfall Nazi-Deutschlands auf Polen der Zweite Weltkrieg.

Erwin Killat gehörte seinerzeit zu den Initiatoren der Einrichtung. "Die ersten Treffen von anfänglich etwa 20 Leuten gab es bereits ein Jahr zuvor in den Gemeinderäumen der Katharinenkirche, die sich damals noch am Dr.-Friedrichs-Ring befanden", erinnert sich der 85-Jährige. Dort wurden auch die Strukturen der Friedensbibliothek mit ihren drei Grundpfeilern für die Arbeitsgruppen Frieden, Gerechtigkeit und die Bewahrung der Schöpfung festgelegt. "Nun konnte man in der damaligen DDR nicht einfach so eine Institution als eigenständige Einrichtung gründen. Deshalb erfolgte das damals unter dem juristischen Dach der Kirche. Unsere Schirmherren waren die Innere Mission und Superintendent Günter Mieth."

Dahinter verbarg sich Methode. Denn die Bücher und Schriften gehörten ganz amtlich zur kirchlichen Ephoralbibliothek. Auf der anderen Seite arbeitete die Friedensbibliothek als eine von mehreren Gruppen unter dem Dach der Inneren Mission. Mit der offiziellen Eröffnung der Friedensbibliothek in einem Gebäude an der Reichenbacher Straße/Ecke Ossietzkystraße wurde zugleich allen Argumenten entgegengetreten, dass dort etwas aus dem Untergrund heraus passierte.

Trotzdem gingen in der Bibliothek von Anfang an Mitarbeiter der Staatssicherheit ein und aus - sie hatten ihre Augen und Ohren überall. "Wir waren uns natürlich schon damals bewusst, ständig überwacht zu werden. Die später mögliche Einsichtnahme in die Stasi-Akten hat das bestätigt. Man hat sehr genau Buch geführt, wer wann die Bibliothek aufgesucht hat", so Erwin Killat.

Viele Aktivisten aus der Friedensbibliothek hatten maßgeblichen Anteil an der friedlichen Revolution und der Gründung des Neuen Forums in Zwickau. Nach der Wende änderte sich jedoch das Profil der Einrichtung. "Unsere Aufgabe sahen wir von da an mehr in der Information und Beratung. Etwa bei der Gründung von Vereinen und Vereinigungen. Aber wir haben auch viel Gespräche mit Leuten geführt, die zu DDR-Zeiten aus politischen Gründen inhaftiert waren." Die eigentliche Bibliotheksarbeit trat damals schon weit in den Hintergrund. Denn Bücher und andere Informationsquellen aus dem Westen waren für die Zwickauer plötzlich fast problemlos zugänglich. "Damit war unsere Aufgabe erfüllt, und der Verein wurde 1994 aufgelöst. Gemäß unserer Satzung ging der gesamte Bestand der Friedensbibliothek in den Besitz des Martin-Luther-King-Zentrums über", sagt Killat. Sein Resümee: Die Friedensbibliothek war ein wichtiger und öffentlicher Konzentrationspunkt für Zwickauer, die sich für politische Veränderung in ihrer Stadt eingesetzt haben.

Bewertung des Artikels: Noch keine Bewertungen abgegeben
0Kommentare
Um zu kommentieren, müssen Sie angemeldet und Inhaber eines Abonnements sein.



    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
    Mehr erfahren Sie hier...