"Eine Hälfte wird im Raum sein, die andere online zugeschaltet"

Prorektor Wolfgang Golubski über Veränderungen für Zwickauer Studenten im kommenden Wintersemester

Zwickau.

Professor Wolfgang Golubski (59) lehrt seit 2004 an der Westsächsischen Hochschule Zwickau (WHZ). Seit 2019 ist er als Prorektor Bildung unter anderem für die Planung der Lehre zuständig. Michael Stellner hat sich mit ihm über die Gestaltung des kommenden Semsters unterhalten.

Freie Presse: Herr Professor Golubski, Sie planen wegen der Coronapakrise ab dem 1. September ein hybrides Semester. Was verstehen Sie denn darunter?

Wolfgang Golubski: Wir werden unter Beachtung der Abstandsregeln eine Mischung in der Lehre anbieten. Veranstaltungen werden teilweise unter persönlicher Anwesenheit, teilweise im digitalen Raum stattfinden. Dafür gibt es unterschiedliche konkrete Lösungen.

Zum Beispiel?

Ich selbst plane zum Beispiel eine 50:50 Vorlesung, bei der je die Hälfte der Teilnehmer im Raum anwesend sein wird, während die andere Hälfte online zugeschaltet ist. In der Folgewoche wird dann gewechselt.

Sie könnten doch auch die Vorlesung komplett digital halten?

Ja, aber gerade für Erstsemester ist es besonders wichtig, dass sie sich persönlich kennenlernen, dass sie Kontakte knüpfen können. Auf rein digitalem Weg wäre das deutlich schwieriger. Zumindest ist das momentan der Stand der aktuellen Planung. Wir wissen auch, dass sich auch schnell wieder etwas ändern kann.

Ist das nun eine Vorgabe oder ist es jedem Ihrer Kollegen freigestellt, wie er die Lehre ausgestaltet?

Es gibt keine direkten Vorgaben. Auch das hybride Modell wird sich nicht in jeder Lehrveranstaltung durchführen lassen. Man muss stets die konkrete Lehrveranstaltung betrachten und jeweils die Frage beantworten, wie sie sich sinnvoll ausgestalten lässt. Laborpraktika zum Beispiel sollen vor Ort stattfinden.

Auch die Hochschule muss Abstandsregeln einhalten. Droht in den Räumen Platzmangel?

Richtig, die Räume sind ja für eine gewisse Anzahl an Personen ausgelegt. Durch den einzuhaltenden Abstand können die Plätze knapp werden. Wir haben an der Hochschule ja auch andere Voraussetzungen als beispielsweise Schulen. . Die Studierenden lernen in größeren Gruppen, deren Zusammensetzung sich auch häufig ändert. Wir haben in den meisten Räumen feste Bestuhlung, das heißt, Stühle und Bänke sind fest verschraubt und können nicht einfach verrückt werden, um mehr Abstand zu schaffen. Das macht die Planung schwierig.

Besteht die Gefahr, dass dadurch Studenten nicht in bestimmte Kurse kommen?

Wir erwarten da eigentlich keine Einschränkungen. Schließlich planen wir Lösungen, bei denen die Teilnahme auch online möglich sein wird.

Sie haben jetzt ein halbes Jahr lang Erfahrungen mit coronabedingten Einschränkungen gemacht. Haben Sie irgendwo noch große Probleme festgestellt?

Wir haben innerhalb einer sehr kurzen Zeit die Umstellung von Präsenz aufs Digitale meistern müssen. Da gab es für Lehrende wie für Studierende wenig Vorbereitungszeit. Es war sehr herausfordernd, nicht nur was die technische Infrastruktur betrifft, sondern auch geeignete Lehrmethoden zu finden, die für das jeweilige Fach am besten geeignet sind.

Schulen haben in der Krise gemerkt, wie sehr die digitale Ausstattung zu wünschen übrig lässt. Wie ging es der WHZ?

Das war auch für uns eine Herausforderung. Wir mussten die entsprechende Software teils erst anschaffen. Wir mussten in sehr kurzer Zeit entsprechende Server aufsetzen, sodass Videochatformate funktionieren konnten und für alle zur Verfügung standen. Mit den Erfahrungen des Sommersemesters und der zur Verfügung stehenden Vorbereitungszeit, werden wir alles dafür tun, damit das Wintersemester erfolgreich laufen wird.

Aber ohne große gemeinsame Immatrikulationsfeier, oder?

Es wird wie in den anderen Jahren eine Immatrikulationsfeier geben, aber sie wird entsprechend der Umstände in Form einer feierlichen Begrüßung im Digitalen stattfinden. Wir sind aber überzeugt, dass das ein adäquater Ersatz ist. ael


Anmeldungen noch möglich

Das Wintersemester beginnt am 1. September, Lehrveranstaltungen fangen am 5. Oktober an. Derzeit gibt es rund 3600 Studenten. Studieninteressierte können sich noch bis 31. August bewerben. (ael)www.fh-zwickau.de/bewerbung

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