Eine Liebesgeschichte wie "Krieg und Frieden"

Im Prozess um die Tötung einer Frau hat am Montag der Rechtsmediziner gesprochen.

Zwickau.

Einen Unfall schließt Hans-Peter Kinzl aus. Zumindest als Todesursache kommt ein simpler Fall nicht infrage: Das sagte am Montag der Rechtsmediziner, der am 5. Mai dieses Jahres den Leichnam einer 46 Jahre alten Frau untersuchte. Ihr Tod war morgens gegen halb 6 Uhr der Polizei gemeldet worden - von ihrem Freund, der mit ihr gemeinsam in der Sozialunterkunft "Regenbogenhaus" in Zwickau wohnte und der nun als Angeklagter vor Gericht sitzt.

Tot war die Frau an diesem Morgen schon seit ein paar Stunden. Der Fachmann gab den Todeszeitpunkt mit zwischen 19 und 23 Uhr an - eher später als früher. Todesursache war seiner Einschätzung nach Erwürgen. Er zählte eine Vielzahl an Verletzungen und Einblutungen am Hals auf, bis hinunter zur Luftröhre und zur Halswirbelsäule. Die Verletzungen waren seinen Worten nach so umfangreich, dass sie nicht bei einem einzigen Mal Würgen entstanden sein können. Auf Nachfrage des Verteidigers schloss er auch einen Unfall während des Liebesspiels aus: "Die Befunde haben mit erotisierender, fantasievoller Unterbrechung der Sauerstoffzufuhr nichts zu tun." Als unmöglich bezeichnete der Mediziner auch ein Szenario, nachdem ein Sturz auf eine Kante zum Tod geführt haben könnte.

Als die Frau noch lebte, zog sie sich zudem zahlreiche Verletzungen im Gesicht und am Kopf zu. Auch dabei sagte der Fachmann, dass ihr diese nicht mit einem Mal zugefügt worden sein können, da sie über den gesamten Kopf verteilt waren. Die Art der Verletzungen passe auf Faustschläge, nicht auf Schläge mit einem Stock oder einem Brett. Auch ein Sturz könne nicht alles erklären.

Ehe der Rechtsmediziner aussagte, wurden Mitbewohner und die Betreiberin des "Regenbogenhauses" angehört. Sie schilderten die Beziehung zwischen den beiden mit drastischen Worten - die reichten von "wie Hund und Katz'" über "Krieg und Frieden" bis hin zu "Hardcore". "Er hat sie als sein Eigentum betrachtet. Sie war unbelehrbar", sagte Betreiberin Kerstin Täuber. Eine ihr angebotene eigene Wohnung hat die Frau nicht angenommen. Stattdessen schlug und stritt sich das Paar, küsste sich und trank Alkohol in ungeheuren Mengen. Auch in ihrer Todesnacht war die Frau sturzbetrunken. Knapp 4 Promille hatte ihre Leiche im Blut. Beim mutmaßlichen Täter wurde morgens gegen 7 Uhr ein Blutalkoholwert von mehr als 2,5 Promille festgestellt. (sth)

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