Einfach das Zweitbeste

Die Tina-Turner-Show hat wegen eines skurrilen Urteils bundesweit für Schlagzeilen gesorgt. Am Samstag ging in Zwickau alles reibungslos über die Bühne.

Zwickau.

Tribute-Shows, also Konzerte, bei denen eher unbekannte Künstler die größten Hits eines eher bekannten Künstlers spielen und dabei in dessen Rolle schlüpfen, gibt es zuhauf. Selten macht eine Tribute-Show aber Schlagzeilen wie die Tina-Turner-Show, die am Samstagabend in der Zwickauer Stadthalle gastierte. Nur wenige Tage vor dem Auftritt in Zwickau hatte der Veranstalter, eine Agentur aus dem niederbayerischen Passau, einen aufsehenerregenden Rechtsstreit mit niemand Geringerem als Tina Turner selbst verloren.

Die inzwischen 80-jährige Künstlerin hatte sich wegen Verwechslungsgefahr gegen die Plakate der Show verwahrt. Dort abgebildet ist die wahrscheinlich ungefähr 50 Jahre jüngere Turner-Darstellerin Coco Fletcher. Das Landgericht Köln bestätigte vor wenigen Tagen, dass sich die beiden Damen tatsächlich zum Verwechseln ähnlich sehen. Und weil beim Zuschauer nicht der Eindruck erweckt werden soll, dass die 80-jährige Rockröhre selbst auf der Bühne steht, untersagte das Gericht die Verwendung der Plakate.

Die Zwickauer Kultour Z., die die Stadthalle am Samstag zur Verfügung gestellt hat, verfolgte die ganze Vorgeschichte mit Interesse, auch wenn das Thema sie eigentlich nur am Rand berührt hat, sagt Marketingchefin Monique Riemenschneider. Noch bevor das Urteil gesprochen war, habe man in der Anwerbephase des Termins in Zwickau neue Plakate und anderes Werbematerial bekommen. Die ursprünglich gelieferten Plakate wurden daher schon im Vorgriff auf das Urteil ausgetauscht. Das sei auf Wunsch des Veranstalters geschehen, sagt Riemenschneider.

Der Show am Samstag hat das keinen Abbruch getan. Die professionelle Tina-Turner-Kopie ließ die Hits von einst wieder auferstehen. Rund 1800 Gäste erlebten eine Show, in der sie zurückversetzt wurden in die 80er-, 90er- und 2000er-Jahre. Ein Moderator brachte den Zuschauern das Leben der echten Tina Turner nahe. Auch ein Double von Tina Turners Ex-Mann Ike Turner war mit von der Partie.

Bei der Kultour Z. rechnet man damit, dass die richtige Tina Turner in Wahrheit durch die Show keinen Schaden erleidet, im Gegenteil. "Es ist davon auszugehen, dass die wahre Ikone des Rock vom monetären Erfolg der Show profitiert. Und das völlig zurecht", sagt Monique Riemenschneider. Gleichzeitig würde der Veranstalter von der medialen Berichterstattung um die gerichtliche Auseinandersetzung profitieren - damit sei die Show schließlich bundesweit in die Schlagzeilen gekommen. Und das Urteil wirke auf Außenstehende auch ziemlich skurril. "Es gibt demnach Gewinner auf beiden Seiten", sagt Riemenschneider.

Die Verantwortlichen in der Zwickauer Stadthalle freuen sich ohnehin vor allem über zufriedene Besucher. Äußerliche Ähnlichkeiten hin oder her, Hauptsache, die Unterhaltung stimmt. (mit rpk)


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