"Einige Vereine sind recht kreativ"

Henry Meckl, Vorsitzender des Kleingarten-Kreisverbandes Zwickau Land, zur Entwicklung in den vergangenen zehn Jahren

Zwickau.

Auf verschiedene Arten versuchen die Kleingartenvereine im Zwickauer Land, den Leerstand einzudämmen. Uta Pasler sprach mit Henry Meckl, dem 61-jährigen Vorsitzenden des Kreisverbandes, der von einer erschreckend hohen Leerstandszahl spricht.

Freie Presse: Herr Meckl, wie viele Vereine mit welcher Gesamtfläche zählt der Kreisverband derzeit?

Henry Meckl: Wir haben derzeit 54 Vereine im Altkreis Zwickau und zwölf im Stadtgebiet mit insgesamt 2248 Mitgliedern, die rund 125 Hektar Land bewirtschaften. Vor zehn Jahrenwaren es noch 73 Vereine und rund 135 Hektar. Einige wollten nicht mehr unter unser Dach, andere haben sich aufgelöst.

Und wie hat sich die Mitgliederzahl in dem Jahrzehnt entwickelt?

Wir haben rund 700 verloren.

Wie hoch ist derzeit der Leerstand?

Aktuell liegt er bei rund 16 Prozent, das ist durchaus erschreckend. Damit liegen wir über dem Sachsendurchschnitt, der etwa bei 13 Prozent liegt. Aber zum Frühjahr und Sommer hin ist da meist noch Bewegung drin. Unser Handicap ist, ein ländlicher Verband zu sein. Einige Anlagen haben an Attraktivität verloren. Heute gehören fließendes Wasser und ein Parkplatz oder eine Bushaltestelle, also eine funktionierende Infrastruktur, beinahe zum Standard. Manche haben noch immer einen eigenen Brunnen, aus dem man schöpfen muss.

Wie steuern Sie dagegen?

Wir haben 64 Gärten, die anderweitig bewirtschaftet werden: zumeist geförderte Projekte der Kinder- und Jugendarbeit, aber auch Tafelgärten. Einige Vereine sind zudem recht kreativ: In Zschocken gibt es "Naschgärten", in Lichtentanne einen "Garten der Begegnung", in Vielau haben die Kleingärtner mit Eltern der benachbarten Schule Hochbeete angelegt, in Mülsen St. Niclas gibt es einen "Hain der Zukunft". Es gibt verschiedene Initiativen, die die Attraktivität einer Anlage erhöhen: Spielplätze, Gartenheime, Barrierefreiheit, Feste, um bekannt zu werden. Wir wissen, dass sich die Menschen vor allem für einen Kleingarten interessieren, wenn zur Familie Kinder zählen, die dann Tomaten selbst vom Strauch zupfen und Erdbeeren selbst pflücken möchten. Wir wissen, dass Kleingärtner den Erholungswert mehr und mehr schätzen. Obst und Gemüse anzubauen, sollte Spaß machen.

Einige Kommunen suchen händeringend Bauland. Stehen deshalb Vereine mit hohem Leerstand auf der Kippe? Sind vielleicht sogar schon welche aufgelöst worden?

Dass Kommunen Gespräche mit den Gartensparten führen, wie es etwa in Mülsen der Fall war, ist legitim. Und dass nicht mehr lebensfähige Vereine sich auflösen, ist ja auch in Ordnung. Aber unseres Wissens nach gibt es da keinen Druck. Wir raten Vereinen, dafür Sorge zu tragen, dass ihre Anlagen als Daueranlagen in den Flächennutzungsplänen der Kommunen festgeschrieben werden. Kleingartenentwicklungskonzeptionen in den Kommunen sind zudem ideale Instrumente, um dauerhafte Regelungen zu treffen. Reinsdorf beispielsweise ist da vorbildlich, auch Hartenstein, das eine Vereinbarung mit den Kleingärtnern getroffen hat. Aber das Bundeskleingartengesetz bietet auch so schon sehr hohen Schutz.

In Jena gibt es Wartelisten für Kleingärten. Wie sieht das im Kreisverband aus?

Eigentlich kann jeder, der Interesse hat, einen Kleingarten bekommen. Auf unserer Homepage haben wir eine Auswahl.

Wie hoch ist das Durchschnittsalter der Kleingärtner?

Das ist dank junger Familien gesunken: Unsere Mitglieder sind im Durchschnitt 59 Jahre alt.

Wäre es nicht an der Zeit, dass im vor zehn Jahren fusionierten Landkreis Zwickau auch die Kreisverbände der Kleingärtner fusionieren?

Aus den fünf Kreisorganisationen sind nach der Fusion von Werdau und Glauchau vier geworden. Wir beobachten deren Zusammenwachsen, sehen aber auch, dass die anderen Verbände jeweils eigene Strukturen haben. Ein Zusammengehen wird keine einsame Entscheidung eines Vorstands sein, wir sehen die Notwendigkeit derzeit allerdings nicht. Wir, unsere Fachberater und Wertermittler arbeiten mit dem Zwickauer Stadtverband der Kleingärtner zusammen, organisieren gemeinsam Informationsveranstaltungen zum Obstbaumschnitt oder Rechtsschulungen. Da zeigen sich Synergien.


Praktische Vorführung

Um Obstbaumschnitt mit praktischer Vorführung geht es bei einer Infoveranstaltung am Samstag, 23. Februar, zu der der Zwickauer Stadtverband der Kleingärtner und der Kreisverband Zwickau-Land alle Fachberater und weitere Interessierte einladen. Die Veranstaltung findet jeweils ab 10 Uhr in zwei Gartenanlagen statt: Im Kleingartenverein "Maxhütte" an der Reichenbacher Straße (stadtauswärts rechts) referiert Frieder Schubert, im Kleingartenverein "Eckersbacher Höhe" an der Scheffelstraße/Eckersbacher Höhe referiert Fachberater Wolfgang Schwarz.

Der 1990 gegründete Kreisverband Zwickau-Land hat seinen Sitz in der Scheringer Straße 1 in Zwickau. (upa)

www.kreisverbandzwickauland.de

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