Einstige Schüler schwärmen von "schönster Schule von Zwickau"

Die Pestalozzischule feiert ihr 90-jähriges Bestehen. Zum Festakt am Mittwochabend in der Aula der Bildungseinrichtung kamen 250 Gäste.

Zwickau.

Der Zufall wollte es, dass Johannes Grünewald, langjähriger Sportlehrer an der Zwickauer Pestalozzischule, zum Festakt anlässlich des 90-jährigen Bestehens der Bildungseinrichtung gerade noch 90 Lenze zählte. Am heutigen Donnerstag feiert er seinen 91. Geburtstag. "Ich freue mich, dass es mir vergönnt ist, an dieser Veranstaltung teilzunehmen. Immerhin war ich von 1958 an insgesamt 34 Jahre hier als Lehrer tätig", sagte der Senior, der inzwischen in Bad Klosterlausnitz wohnt und extra aus Anlass des Festaktes nach Zwickau gekommen war. "Ich erhalte regelmäßig Einladungen zu Klassentreffen. Bedingt durch mein fortgeschrittenes Alter muss ich aber meist absagen. Das tut mir immer leid, denn ich war mit Leib und Seele Sportlehrer und habe meinen Beruf geliebt."

Den ersten Kontakt zur "Pesta" hatte Johannes Grünewald bereits im Alter von sechs Jahren - seinerzeit als Steppke, der zum Kinderturnen dorthin ging. Wären der Zweite Weltkrieg und die anschließende russische Kriegsgefangenschaft nicht gewesen, hätte er der Schule durchgehend die Treue halten können. Am Mittwochabend freute er sich, am Rande der Gala auch auf den einen oder anderen seiner ehemaligen Schüler zu treffen. Zum Beispiel Birgit Müller. Die 70-Jährige drückte von 1956 bis 1966 die Schulbank in der "Pesta". Schon damals war sie von der Einrichtung begeistert. "Es war eine sehr moderne Schule. Besonders in Erinnerung geblieben ist mir unser Deutschlehrer, Herr Andrä. Er hat uns über die verschiedensten Eselsbrücken derart viel beigebracht, dass ich mich bis heute standhaft weigere, die neuen Rechtschreibregeln anzuwenden", gab sie schmunzelnd zu verstehen.

Das Schuljubiläum und den Tag der offenen Tür am heutigen Donnerstag nutzen Müller und ihre verbliebenen Mitschüler von einst dazu, gleich noch ein Klassentreffen durchzuführen. Nicht nur Birgit Müller und später auch ihre beiden Geschwister lernten an der Pestalozzischule. Auch ihre Mutter Ruth Götz war dort schon Schülerin. Die 95-Jährige durfte für sich in Anspruch nehmen, die älteste Schülerin zu sein, die zur Festgala in die Aula der Schule gekommen war. Trotz ihres Alters konnte sie sich noch detailliert an viele Dinge aus ihrer Schulzeit erinnern, hat sogar zwei Beiträge für die Schulchronik verfasst, die Anfang Dezember in gedruckter Form vorliegen soll.

"Ich wurde zwar erst 1931 eingeschult, war aber als kleines Mädchen mit dabei, als die Schule 1929 eingeweiht wurde. Mein Vater war SPD-Stadtverordneter und beim Festakt zugegen. Danach habe ich mit meiner Mutter an einem Rundgang durch diese herrlich eingerichtete Schule teilgenommen. Das war für mich als Kind ein faszinierendes Erlebnis", erinnert sie sich. Nur zwei Jahre später drückte sie dort die Schulbank. Die Begeisterung für die "Pesta" hat sich Ruth Götz bis heute erhalten. "Wir waren stolz, diese Schule besuchen zu dürfen. Groß, modern, einfach die schönste Schule von Zwickau." Und auch bei der 91-Jährigen hat sich die Erinnerung an eine ihrer Lehrerinnen fest ins Gedächtnis eingeprägt. "Fräulein Langer, damals 27 Jahre alt, war unsere Lehrerin und die einzige weibliche Lehrkraft an der Schule. Wir nannten sie Schneewittchen, weil sie wohlproportioniert war, schwarzes Haar und leicht rote Wangen hatte." Mit einem schelmischen Lächeln fügte Ruth Götz hinzu, dass sie und wohl alle ihrer 37 Mitschüler damals froh darüber waren, dass eine junge Lehrerin und nicht ein alter Herr vor der Klasse stand.

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