Einstiger Linksschütze will nun in den Hafen der Ehe einlaufen

Was macht eigentlich Christian Grosch? Der Eispirat von einst ist heute ganz entspannt als "Schwarzer Drache" unterwegs.

Crimmitschau/Erfurt.

In seiner letzten Saison als Eishockey-Spieler hat Christian Grosch auf ein ganz besonderes Ritual gesetzt. Der 37-jährige Stürmer des Oberligisten Black Dragons Erfurt genehmigte sich in den letzten Monaten vor jedem Spiel ein Gläschen Whisky. "Den Spaß habe ich mir in meiner Abschiedssaison gemeinsam mit Jan Zurek, der auch zu den erfahrenen Leuten gehört, erlaubt. Der Trainer und die älteren Jungs aus der Mannschaft waren informiert", sagt Christian Grosch. Der Schluck aus dem Whisky-Gläschen hat seinen Leistungen nicht geschadet: Der Linksschütze führte das Team als Kapitän und bester Scorer bis in die Pre-Play-offs der Eishockey-Oberliga (dritthöchste Spielklasse).

Im Frühjahr hat Christian Grosch, der auch drei Spielzeiten für den Eishockey-Zweitligisten Eispiraten Crimmitschau aktiv war, seine Schlittschuhe an den berühmten Nagel gehängt. Er beendete seine Laufbahn nach fast 1000 Partien als Profi. Der Grund: Christian Grosch übernimmt mit Beginn der Saison 2017/18 die Aufgabe als hauptamtlicher Nachwuchstrainer des EHC Erfurt. Der gebürtige Erfurter sollte seinen Heimatverein vor einem Jahr durch sein riesiges Eishockey-Netzwerk eigentlich nur bei der Suche nach einem Coach für die Talente unterstützen. Letztlich reifte bei Christian Grosch der Gedanke, dass er selbst die Trainer-Laufbahn einschlagen will. In den nächsten Wochen muss der Ex-Stürmer nun die Schulbank drücken und an den Lehrgängen für die C-Lizenz teilnehmen. Künftig betreut er die Knaben- und Kleinschülermannschaften.


Damit wird Christian Grosch - in der neuen Rolle als Trainer der Gästemannschaften - auch regelmäßig in das Crimmitschauer Kunsteisstadion zurückkehren. Dort erlebte der Angreifer eine "Sternstunde seiner Laufbahn". Am 22. März 2008 gelang ihm ein besonderes Kunststück: Grosch erzielte fünf Treffer in einer Partie. Damit schoss er die Westsachsen fast im Alleingang zum 7:3-Sieg im Play-off-Viertelfinale gegen die Kassel Huskies. Mehr als 5000 Zuschauer verfolgten damals die Grosch-Show. "Das war einmalig", sagt Grosch, der sich mit seinem Fünferpack einen besonderen Platz in der (langen) Eishockey-Chronik von Crimmitschau gesichert hat.

Mit einem Teil der Teamkollegen, die damals das Eispiraten-Trikot getragen haben, steht Christian Grosch bis heute in Kontakt. Einige frühere Mitspieler aus Crimmitschau kommen im Juni auch zur Hochzeit von Christian Grosch. Er will seiner langjährigen Freundin Kati das Ja-Wort geben. Dann reihen sich unter anderem Torhüter Sinisa Martinovic, Verteidiger Sebastian Klenner sowie die Stürmer Torsten Heine und Mirko Reinke mit ihren Familien in die Schar der Gratulanten ein. Auch Eispiraten-Mannschaftsleiter Klaus Schietzold ist eingeladen. "Wir waren in der Saison 2007/08 eine eingeschworene Mannschaft mit vielen coolen Typen. Auch die Frauen haben sich gut verstanden, Crimmitschau und Umgebung manchmal gerockt", nennt Christian Grosch einen Grund für das Erfolgsrezept. Damals gab es den Whisky übrigens erst nach den erfolgreichen Spielen.

Die aktive Laufbahn von Christian Grosch hatte in Erfurt begonnen und nun auch aufgehört. Dazwischen streifte er sich die Trikots von sieben verschiedenen Vereinen über. Duisburg, Regensburg, Weiden, Bietigheim-Bissingen, Crimmitschau, Weißwasser und Kaufbeuren waren die Stationen. Nur der Sprung in die erste Deutsche Eishockey Liga blieb dem Torjäger verwehrt. "Die drei Jahre in Crimmitschau waren die längste Zeit außerhalb meiner Heimat", sagt Grosch. Damals war René Rudorisch als Prokurist und als Geschäftsführer für das Profi-Team verantwortlich. Er erinnert sich gern an den Mann, der das Trikot mit der Nummer 9 trug: "Christian war und ist Sportsmann durch und durch. Unvergessen bleiben seine fünf Tore im Playoff-Spiel gegen Kassel vor heimischer Kulisse. Aber auch neben dem Eis und als Team-Leader war Christian immer eine große Stütze - verlässlich, loyal und immer auch für einen lustigen Spruch zu haben." (hof)

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