Elektro-Auto ID.3: Der Hoffnungsträger

Im Zwickauer Werk wurde am Montag die Serienproduktion der neuen E-Auto-Generation von Volkswagen gestartet. Im Moment werden nur wenige ID 3 am Tag montiert, doch im nächsten Jahr sollen die Stückzahlen deutlich steigen. Kanzlerin Merkel kam zum Festakt.

Zwickau.

Es geht relativ ruhig zu in Halle fünf auf dem Werksgelände. Nur an jedem siebten Träger hängt eine Karosserie am Transportsystem, mit dem Hülle bewegt wird. Die Produktion des ID 3 ist angelaufen, aber von den geplanten Stückzahlen ist Volkswagen noch weit entfernt. "Das Equipment muss erst eingefahren werden. Wir müssen die Anlagen optimieren und mögliche kleine Fehler beseitigen. Die Mitarbeiter brauchen zudem Zeit, um sich auf die Taktzeiten einzustellen", erläutert Holger Hollmann, Leiter der Montagehalle fünf. Hier befindet sich sozusagen das Herzstück der neuen E-Auto-Fertigung, werden die lackierten Karosserien mit allen anderen Teilen wie Fahrwerk, Kabelbäumen, Elektromotor und Inneneinrichtung verbunden, am Ende rollt ein fahrbereiter ID 3 vom Band.

Mit dem ID geht das erste Modell der neuen E-Auto-Generation von VW in die Serienfertigung. Das Werk in Zwickau wird schrittweise umgebaut - auf 100 Prozent Elektroantrieb. Die Montagehalle fünf soll, wie Hollmann sagt, peu à peu hochgefahren werden. Derzeit rollen im Einschichtbetrieb sechs E-Autos pro Tag vom Band. Bis Jahresende sollen daraus 50 bis 55 werden. 2020 kommen Schicht zwei und drei hinzu, und ab der zweiten Jahreshälfte sollen pro Schicht und Tag 270 Autos gefertigt werden. In Halle sechs, der zweiten Montagehalle im Werk, wird noch der konventionelle Golf montiert, im Sommer soll auch diese Halle umgerüstet werden.

Nicht alles läuft nun bei der Montage anders als vorher. Nach wie vor gibt es etwa eine "Hochzeit". Davon spricht man, wenn Karosserie und Fahrwerk verbunden werden. Beim ID 3 läuft diese aber künftig komplett automatisiert ab - bislang ist noch ein Mitarbeiter mit dem Verschrauben der Federbeine beschäftigt. Überhaupt ist die E-Auto-Fertigung höher automatisiert. In der Halle fünf liegt laut Hollmann der Automatisierungsgrad bei 28 Prozent, zuvor waren es 17 Prozent. Ein Beispiel: Die Hinterachse wird nicht mehr Hand "eingelegt", wie Hollmann erklärt, das erledigen Roboter. In einer zweiten Welle ab 2021 soll der Anteil nochmals erhöht werden - in Richtung 30 bis 35 Prozent. Im Karosseriebau laufen sogar gut 80 Prozent der Arbeiten automatisiert ab. Neu konzipiert werden musste in der Montage das Transportsystem. Weil durch die Batterie E-Autos schwerer sind als konventionelle, werden sie aus Gründen der Hallentragfähigkeit nach der "Hochzeit" nicht mehr hängend transportiert, sondern über ein Band am Boden.

Volkswagen startet in Zwickau Serienproduktion des ID.3

Der weltweit größte Automobilkonzern hat am Montag die Serienproduktion seines ersten rein elektrischen Fahrzeugs in Zwickau begonnen. Mit dem neuen Modell ID.3 will Volkswagen den Wandel zur Elektromobilität schaffen. "Mit dem ID.3 holen wir die Elektromobilität aus der Nische", sagte VW-Vorstandschef Herbert Diess bei der offiziellen Inbetriebnahme der Produktionslinie. Bis 2028 will VW konzernweit rund 22 Millionen Elektrofahrzeuge verkaufen und dem E-Auto zum Durchbruch verhelfen. "Es muss uns gelingen, Deutschland zum Leitmarkt für E-Mobilität zu entwickeln", sagte Diess.

Der Standort Zwickau spielt dabei eine Schlüsselrolle. Mit Investitionen in Höhe von 1,2 Milliarden Euro wird die Fabrik komplett auf die Elektromobilität umgerüstet. Bereits 2020 sollen rund 100.000 E-Autos produziert werden. Ab 2021 können dann jährlich 330.000 elektrische Fahrzeuge vom Band laufen. Im Sommer 2020 soll der Verkauf des ID.3 gleichzeitig in 28 europäischen Ländern starten. "Zwickau ist der traditionsreichste Standort in der Automobilindustrie. Und mit dem heutigen Tag ist er auch der zukunftsfähigste", versprach Diess den rund 8000 Beschäftigten im Zwickauer Volkswagenwerk.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) kündigte bei dem Festakt an, dass sich die Bundesregierung verstärkt für den Ausbau der Ladeinfrastruktur einsetzen werde. Bis 2025 sollen nach ihren Worten rund 3,5 Milliarden Euro in das Netz von Ladesäulen investiert werden. Um die Klimaziele 2030 zu erreichen, müssten sieben bis zehn Millionen E-Autos auf deutschen Straßen fahren. Die Kanzlerin kündigte eine nationale Leitstelle für Elektromobilität an, die den Aufbau der Infrastruktur koordinieren soll. "Zwickau ist ein wichtiger Eckpfeiler für die Zukunft der deutschen Automobilindustrie", erklärte Merkel.

Am Montagabend kommt im Kanzleramt in Berlin ein "Autogipfel" zusammen, bei dem Politiker, Vertreter der Autoindustrie und Gewerkschafter einen konkreten Plan diskutieren wollen, um den Ausbau des Ladenetzes für Elektroautos zu beschleunigen. Zudem soll die Kaufprämie für Elektroautos soll auf bis zu 6000 Euro angehoben und bis Ende 2025 verlängert werden. Das geht aus einer Vorlage für das Spitzentreffen hervor.

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