Endet Baumstreit vor Gericht?

Eine Reihe aus Linden soll unter Denkmalschutz gestellt werden. Die Ablehnung der Stadt will das Amt nicht akzeptieren.

Wilkau-Haßlau.

Die Stadt Wilkau-Haßlau sieht sich durch das Landesamt für Denkmalpflege in einen Rechtsstreit verwickelt. Diese Nachricht offenbarte Bürgermeister Stefan Feustel (CDU) am Donnerstag den Mitgliedern des Technischen Ausschusses des Stadtrates. Hintergrund ist das Ansinnen der Denkmalschützer, die kleine Straße, die zum künftigen Jugend- und Freizeitzentrum führt, zur Allee zur erklären und den vorhandenen Baum- bestand gleichzeitig unter Denkmalschutz zu stellen.

Der ehrgeizige Plan fand allerdings weder in der Stadtverwaltung noch unter den Stadträten Anhänger. Die Schaffung der "Lindenallee" hatte der Technische Ausschuss im Mai daher bereits angelehnt - zumal bisher niemand in den Dresdner Amtsstuben habe erklären können, was denn die Linden plötzlich so erhaltenswert macht. Auch auf eine Nachfrage der "Freien Presse" wollten die Denkmalschützer weder die Anzahl noch das Alter der Bäume verraten.

Wie Stefan Feustel zur jüngsten Sitzung des Technischen Ausschusses sagte, will das Landesamt in Dresden die Ablehnung der Stadt jedoch nicht akzeptieren. "Das Amt wird ein entsprechendes Verfahren einleiten", sagte Feustel. Tatsächlich können Sachsens oberste Denkmalschützer ihren Plan auch ohne die Zustimmung der Kommune durchsetzen. "Im schlimmsten Fall wird das Verfahren vom Verwaltungs- gericht entschieden", sagte Feustel. Wenn am Ende des sogenannten Benehmungsverfahrens steht, dass die Lindenallee zwangsweise entsteht, kann die Stadt das Bauproblem nur noch juristisch lösen - mit der Gefahr vor Gericht zu verlieren.

Noch einmal brachte der Bürgermeister seinen Kompromissvorschlag vor. "Wir erklären uns bereit, die linke Seite zu pflegen und zu erhalten", sagte er. Das allerdings müsse ohne Zwang und freiwillig geschehen. Auf dieser Seite stehen tatsächlich sieben gut gewachsene Linden. Sie sollten bei der Neugestaltung des Außengeländes für das Jugend- und Freizeitzentrum eine Rolle spielen. Damit wäre es unter den Regeln des Denkmalschutzes allerdings vorbei. "Wir brauchen dann für jeden Ast, den wir abschneiden wollen, eine Genehmigung aus Dresden", sagte Feustel. Aber auch schon jetzt sind Schere und Säge absolut tabu. In öffentlicher Sitzung wies Feustel den Leiter des Bauhofes an, bis zur Klärung der Angelegenheit jegliche Arbeit an den Bäumen zu unterlassen. "Da wird nicht mal der kleinste Ast weggeschnitten", sagte er. "Außer natürlich bei Not- fällen", sagte Feustel.

An den Bäumen auf der anderen Straßenseite hat die Stadt kein Interesse. Zwischen allerlei verwilderten Büschen und Sträuchern steht zwar auch die eine oder andere Linde. Was die Baumreihe allerdings schützens- und erhaltenswert macht, konnten weder Bürgermeister noch Stadträte erkennen. Allerdings sollte auch diese Seite der Straße nach dem Umbau des alten Bahnhofes neugestaltet werden.

Das Landesamt für Denkmalpflege will sich wegen des laufenden Verfahrens nicht zur Sache äußern.

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1Kommentare
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  • 0
    0
    Tauchsieder
    18.08.2018

    - Was Bäume erhaltenswert machen - ?
    Und der ist Bürgermeister, Wahnsinn.



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