Erneut konspiratives Neonazikonzert in Zwickau

Zwickau.

In einem einschlägigen Club an der Leipziger Straße 88 im Zwickauer Norden hat am Freitagabend erneut ein Neonazikonzert stattgefunden. Das Konzert wurde konspirativ organisiert. Die Behörden hatten bis zum Abend offenbar keine Kenntnis von der Veranstaltung. Ob es sich dabei auch um einen Auftritt der Hooligan-Band Kategorie C handelte, wie die Aktivisten von "Naziwatch Chemnitz" auf Twitter mitteilten, konnte die diensthabende Polizeiführerin der Polizeidirektion Zwickau in der Nacht nicht sagen. Dem Vernehmen nach spielten mehrere rechtsextreme Bands oder Liedermacher bei der mindestens zweieinhalbstündigen Veranstaltung. Wie viele Gäste zu dem Neonazikonzert kamen, war für die Polizei nicht auszumachen.

Die Polizeidirektion Zwickau hatte erst gegen 20 Uhr Kenntnis von dem Konzert. Als die teils aus größerer Entfernung zusammengezogenen 19 Polizeikräfte und zwei Mitarbeiter des Zwickauer Ordnungsamtes gegen 22.30 Uhr am Ort des Geschehens eintrafen, war das Konzert einer Mitteilung der Polizeidirektion zufolge "gerade beendet". Mehrere Personen hätten die Örtlichkeit verlassen. Von noch anwesenden Personen seien die Personalien festgestellt worden. Gegen die Verantwortlichen sei Anzeige wegen des Verdachts des Verstoßes gegen baurechtliche Bestimmungen erstattet worden. Das sei geschehen, weil Beamte inkognito außerhalb des Veranstaltungsortes "Aufklärung betrieben" hätten, hieß es.

Bereits im Juli hatte es in dem nur für Mitglieder zugänglichen Dartsclub an einem Wochenende gleich zwei Neonazikonzerte gegeben, die jeweils mit einem größeren Polizeiaufgebot begleitet worden waren. Am Rande einer dieser Veranstaltungen war es zu einer tätlichen Auseinandersetzung zwischen einem Besucher des rechtsextremen Konzertes und einem Anwohner gekommen. Damals konnten die Beamten der Zwickauer Polizeidirektion auf die Unterstützung von Kollegen der Bereitschaftspolizei zurückgreifen, die wegen der zeitgleich stattfindenden Simsontreffens ohnehin in der Stadt waren. Zudem war eines der Konzerte im Vorhinein ohne Nennung des Veranstaltungsortes in der Stadt angekündigt worden.

Ein Bündnis aus Anwohnern, der IHK, der Gewerkschaft IG Metall, der AOK und dem Theater Plauen-Zwickau und weiteren Akteuren hatte als Reaktion auf die beiden rechtsextremen Konzerte wenige Tage später im gegenüberliegenden Park etwa 300 Menschen zu einem Spontankonzert begrüßt. (kru)

 

Bewertung des Artikels: Ø 4.6 Sterne bei 7 Bewertungen
6Kommentare
Um zu kommentieren, müssen Sie angemeldet und Inhaber eines Abonnements sein.

  • 2
    2
    sonora
    10.11.2019

    Es gibt eine rechte Political Correctness, die aus ideologischen Gründen unliebsame Sachverhalte unter den Teppich kehren möchte.

  • 11
    5
    Inke
    10.11.2019

    @Lesemuffel: Wie gesagt, schauen Sie sich die Reportage an. Verharmlosung findet statt, wenn man diese Konzerte, welche dazu dienen Netzwerke und Kapital zu generieren sowie Anhänger scharf zu machen, versucht auf "Normalniveau" herunterzuspielen. Polizei und Staatsschutz sehen das zum Glück anders als Sie.

  • 6
    12
    Lesemuffel
    10.11.2019

    Distel, Inke der Verharmlosung haben Sie beide kein Argument dagegen gesetzt. Auch Stojka würde das wohl so sehen.

  • 15
    6
    Distelblüte
    10.11.2019

    @Lesemuffel: Karel Stojka, Häftling in #Auschwitz: "Nicht Hitler, Göring, Goebbels, Himmler oder wie die alle hießen, haben mich verschleppt und geschlagen. Nein, es war der Schuster, der Nachbar, der Milchmann, der eine Uniform bekommen hat (...) und dann waren sie die Herrenrasse."

  • 13
    5
    Inke
    10.11.2019

    Lesemuffel, vielleicht schauen Sie sich mal eine Reportage über derartige Veranstaltungen an:

    https://www.zdf.de/dokumentation/zdfinfo-doku/rechtsrock-in-deutschland-das-netzwerk-der-neo-nazis-102.html

    Auf diesen Veranstaltungen werden genau diese Menschen mit ihren Taten gefeiert, die Sie als echte Nazis bezeichnen. Wo ist da bitte der Unterschied? Der Weg zur Tat selbst?

  • 8
    28
    Lesemuffel
    09.11.2019

    Was mittlerweile hier alles als Nazi, Neonazi, Faschist bezeichnet wird, irritiert mein Bild von den Naziverbrechern in der Zeit von 33 - 45. Das können doch nicht die Nazis gewesen sein, die die Menschen ins KZ gepfercht haben, den Weltkrieg vom Zaun gebrochen haben, das schlimmste Menschheitsverbrechen organisiert haben... da soll ein Vergleich mit so einer Brüll-Band passen? Das ist Geschichtsklitterung, Verharmlosung der (echten) Nazis.



Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
Mehr erfahren Sie hier...