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Ernten für Tiere in Hochleistungs-Form

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Ein Langenchursdorfer Landwirtschaftsbetrieb holt Wintergerste in unreifem Zustand vom Feld und häckselt sie auch noch komplett. Was wird damit bezweckt?

Langenchursdorf/Lobsdorf.

Die Milchkühe der Agrargenossenschaft Langenchursdorf können sich demnächst als Feinschmecker betätigen. Denn die Tiere bekommen ein besonderes Futter, das es längst nicht für alle ihrer Artgenossen gibt.

Dafür setzt der Landwirtschaftsbetrieb auf ein besonderes Verfahren, das bei der Getreideernte in der Nähe von Lobsdorf am Wochenende bei Betrachtern durchaus für einiges Erstaunen gesorgt haben könnte. Denn die Wintergerste wurde nicht nur im unreifen Zustand geerntet, sondern auch komplett gehäckselt und nicht wie üblich gedroschen. "Es handelt sich um die Ganzpflanzensilage", erklärt Rainer Stauch, Vorstandsvorsitzender des Agrargenossenschaft Langenchursdorf.

Das so entstehende Futter gilt als besonders wertvoll und ist Teil des Futtermixes, den einige Landwirte bei den sogenannten Hochleistungsmilchkühen verfüttern. Laut Rainer Stauch gehen bisher nicht viele Betriebe diesen Weg, vor allem weil es auch logistisch mit allen Prozessen zusammenpassen muss. Unter anderem ist nach Angaben von Rainer Stauch das Zeitfenster für die Ernte relativ eng. Die Wintergerste, die auf den Feldern stehen geblieben ist und auch auf Flächen vieler anderer Betriebe wächst, befindet sich jetzt im letzten Stadium vor der klassischen Getreideernte. "Mitte Juli dürfte die Ernte beginnen. Dieses Jahr sind wir etwas später dran", sagt der Vorstandsvorsitzende.

Das kühle Frühjahr habe nicht nur das Wachstum verzögert, sondern den Landwirten auch einigen Stress bereitet. Unter anderem konnten die Kartoffeln erst sehr spät gelegt werden. Die letzten kamen erst Anfang Juni in den Boden, nachdem zuvor der 21. Mai 2013 der späteste Legetermin war. Normalerweise können diese Arbeiten schon im April erfolgen. Doch wie so oft hat die Natur seitdem einiges ausgeglichen. "Die Kartoffeln beginnen zu blühen und mit Wasser sind wir dieses Jahr bislang gut gesegnet. Derzeit gibt es eigentlich keinen Grund zu klagen", sagt Stauch.

Für die Erntezeit hofft er nun auf etwas stabilere und trockenere Witterungsabschnitte, nachdem der Mai und der Juni aus Stauchs Sicht in der Region eher überdurchschnittliche Regenmengen brachten. Unweit der Wintergerste- und Kartoffelfelder nordöstlich von Lobsdorf wächst am Kuhschnappler Berg auch eine Pflanze, die wohl nicht jeder sofort erkennen dürfte. Die Lupine gedeiht dort und soll nach der Blüte nun zur Viehfutter heranwachsen. "Sie hat einen hohen Eiweißgehalt", erklärt Stauch. Deshalb sei die Pflanze, die als Hülsenfrucht zudem als Bodenverbesserer gilt, ein weiterer Bestandteil im regional angebauten Futtermix.

Sogar Soja bauen hiesige Betriebe mittlerweile selbst an, um nicht auf Importe aus Südamerika angewiesen zu sein, wo auch für den Tierfutteranbau riesige Regenwaldflächen gerodet werden. Saatgut- vermehrung wird laut Stauch mit Soja in der Region ebenfalls betrieben.

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