Ersatzteile aus dem Drucker

Ein Studium in Zwickau hinterlässt Spuren: Aus dem Gelernten und der Liebe zum Automobil ist eine ganz neue Geschäftsidee entstanden.

Zwickau.

Wenn im liebevoll restaurierten Oldtimer etwas kaputt geht, dann steht der Besitzer nicht selten vor einer kniffligen oder teuren Aufgabe. Denn die Beschaffung originaler Kleinteile wird von Jahr zu Jahr schwieriger. Man könnte neue Teile kaufen aus Ländern, die diese wieder produzieren - oder man lässt sie sich maßanfertigen. In Sachsen.

Hinter der Idee, Ersatzteile für Oldtimer per 3-D-Druck passgenau herzustellen, stehen drei junge Männer, die sich in Leipzig gerade ein Unternehmen aufbauen. Einer von ihnen - Eric Böhner - hat sich sein Rüstzeug dafür an der Westsächsischen Hochschule in Zwickau geholt. Oder holt es sich noch: Der 27-Jährige studiert Wirtschaftsingenieurwesen und arbeitet noch an seinem Diplom. Dass sich der Leipziger für Zwickau entschieden hat, lag auch daran, dass es hier die Möglichkeit gibt, sein Studium im Fach Kfz-Technik zu vertiefen. Die Liebe zum Automobil ist halt fast überall zu spüren.


Die Liebe zum alten Auto aber ist nochmal etwas anderes. Denn dabei geht es eigentlich nicht um neue Technik. Doch genau die machen sich die drei Jungunternehmer zunutze. Teile wie Zierleisten, Zahn- räder, Dichtungen oder Fensterkurbeln können mittels 3-D-Druck hergestellt werden. "Dabei ist das ein Begriff, der eine ganze Reihe von Technologien in sich vereint", sagt Eric Böhner. So werden Kunststoffteile anders hergestellt als Metall- teile. Allen gemeinsam aber ist, dass sie sich gut in Kleinserien drucken lassen - das hält die Kosten ebenso überschaubar wie die Lieferwege.

Der größte Aufwand steckt nicht im Drucken, sagt Eric Böhner. "Wir haben lange an unserer Webseite gearbeitet, damit sie so leicht verständlich wie möglich wird." Es gibt dort ein Formular, in dem man genau eintragen kann, welches Teil benötigt wird. Ist es schon in der Datenbank erfasst, geht es schnell. Noch unbekannte Teile aber müssen vermessen oder eingescannt werden. "Aktuell versuchen wir, einen Kotflügel zu digitalisieren", sagt Böhner. Das sind viel gefragte Teile, weil sie zum Rosten neigen.

Die jungen Männer haben sich zum Ziel gesetzt, dass es reicht, wenn Kunden ihnen ein Handyfoto schicken, um zu einem ersten Kostenüberschlag zu kommen. Dazu bedarf es aber noch einiges an Programmierarbeit. Das Drucken selbst übernehmen dann andere Firmen - solche, die über die speziellen Anlagen verfügen. Denn die sind sehr teuer in der Anschaffung, und die drei Freunde führen das Unternehmen quasi in ihrer Freizeit. Auch Eric Böhner arbeitet nicht nur an seiner Diplomarbeit, sondern noch in einem Ingenieurbüro. "Wir wollen mit unserem Unternehmen auch nicht in erster Linie reich werden." Hauptsache, das Autofahrerherz lacht.

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