Erster Eindruck bleibt trostlos

Die Umgestaltung des wenig einladenden Bahnhofsvorplatzes steht wieder auf der Kippe. Die Räte stört, dass die Straßenbahntrasse gleich mitgeplant wird.

Zwickau.

Selbst nach optimistischen Schätzungen wird die Umgestaltung des trostlosen Vorplatzes am Zwickauer Hauptbahnhof frühestens im Jahr 2023 beginnen. Nach der jüngsten Sitzung des Bauausschusses des Stadtrates wackelt selbst dieser Termin. Die Ausschussmitglieder lehnten eine Entscheidung zur Vergabe der Vorplanungen ab und wollen später noch einmal darüber beraten, wenn ihnen weitere Informationen zum gesamten Projekt vorliegen.

Einig sind sich die Räte, dass der Zustand des Platzes dringend verbessert werden muss. Darüber werde schon seit zehn Jahren und länger gesprochen. Strittig ist der Umfang der Arbeiten. Nach dem Auftrag der Stadt soll der Planer auch die Innenstadttangente und den Neubau der Straßenbahntrasse über die Kopernikusstraße in die Überlegungen einbeziehen und dafür 272.000 Euro bekommen. Dieses Auftragspaket ist einigen Räten zu groß. "Warum müssen wir denn jetzt den Neubau der Straßenbahn planen, wenn wir noch nicht einmal wissen, ob der jemals kommt?", fragte Herbert Reischl (Die Linke). Man rede über Dinge, die noch nicht in Sack und Tüten seien, sagte er und meinte vor allem den Poker um das Grundstück des ehemaligen Hotels Wagner. Das zum Bau der Trasse zwingend benötigte Areal befindet sich im Privatbesitz und ist zu einem Spekulationsobjekt geworden. Die Stadt kann Flächen aber nur zum Verkehrswert kaufen, wie Baubürgermeisterin Kathrin Köhler (CDU) sagte.

Verhandelt wird derzeit offenbar nicht mehr. Die Planungen, so betonte der Leiter des Tiefbauamtes, Thomas Pühn, seien auch wichtig, um Druck auf den Eigentümer zu machen. Für ein Besitzeinweisungsverfahren, quasi einen Zwangsverkauf, müssen konkrete Pläne für den Bau vorliegen. Das sieht auch Köhler so. "Wir brauchen die Vorplanungen, um das Grundstück überhaupt kaufen zu können." Für CDU-Fraktionschef Thomas Beierlein sind die Vorplanungen ebenfalls "nicht für die Katz". Sie würden die bestehenden Möglichkeiten aufzeigen. Für ihn führt kein Weg an der "großen Lösung" vorbei. "Entweder alles oder nichts", sagte er.

"Warum machen wir nicht das, was umsetzbar ist?", wollte Sven Itzek (AfD) wissen. Er hält die Straßenbahnpläne für Utopie und machte sich dafür stark, jetzt nur den Bahnhofsvorplatz zu sanieren. Auch Bernd Rudolph (Die Linke) hat Bedenken. "Wir geben Geld für eine Vorplanung aus, die auch eine Kostenschätzung enthält", sagte er. Er glaube aber nicht, dass die Zahlen 2023 noch aktuell sind. Pühn versuchte die Diskussion abzukühlen: "Das Planungsverfahren hat mehrere Stufen", sagte er. Der Rat könne nach jeder Stufe das Verfahren stoppen. Auf Antrag von Jens Heinzig (SPD) verständigten sich die Räte schließlich auf eine zweite Lesung. Wann die stattfindet, ist derzeit noch unklar.

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6Kommentare
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    Zeitungss
    10.11.2018

    @GERO: Über das Thema Straßenbahn brauchen wir uns nicht zu unterhalten, sind wir sicher einer Meinung. Was Baurecht betrifft, kenne ich aus dem privaten Bereich mit seinen Nebenwirkungen und verstehe auch den Aufwand für die Planung. In der Zeit für die heutige Planung wurden in der Vergangenheit ganze Stadtteile neu errichtet, mit weniger Technik und Personal für besagte Planung.
    Die Angst der Syrer ist weniger von Bedeutung, ich habe sie weder gerufen noch eingeladen und wenn ich mich ins Ausland begebe baut man auch die Infrastruktur nicht um, hat demnach mit dem eigentlichen Thema nichts zu tun.
    Vergessen wir lieber die Lobbyisten nicht, man braucht Straßen, der Busunternehmer Aufträge und der größte Steuerzahler der Stadt braucht Absatz aber auf keinen Fall eine Straßenbahn, welche ohne Probleme elektrisch fährt. Fragen Sie doch einmal die provinziale Sozi-Leiterin ob sie eine eigene Meinung dazu hat oder eher die Gedanken der Lobbyisten für "zweckmäßiger" hält, was ich derzeit vermute. Warum sollten gerade in Zwickau die Uhren anders gehen ????

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    GERRO
    10.11.2018

    @Zeitungss … 2018 wurde für die Straßenbahnanbindung im Zusammenhang mit dem Bauvorhaben BV/076/2018 Bauen bereits die Gleisanbindung zur Werdauer Straße (Weiche) mit realisiert. Recht haben Sie natürlich, ich habe das nicht kontrolliert, das war eine Aussage von Herrn Pühn.

    Schauen Sie sich das werktägliche Verkehrschaos auf der Crimmitschauer Straße an, 3 Straßenkreuzungen auf 100 m, mit 2 Straßenbahnquerungen und vor allem Syrer, die sicher aus Angst, nicht durch den Tunnel laufen, queren die 4-spurige Fahrbahn. Dieses Chaos kann nur beseitigt werden, wenn die Zentralhaltestelle verschwindet und zwischen den Kreuzungen Reichenbacher und Werdauer Straße ein ungehinderter Verkehrsfluss entsteht.

    Dazu muss der Bahnhofsvorplatz gründlich beplant werden, Sie scheinen sich im öffentlichen Planungs- und Baurecht nicht sonderlich gut auszukennen, der schlimme Zustand des Bahnhofsvorplatzes müsste Sie aber schon anheben.

    Und die Straßenbahn gehört als umweltfreundliches Verkehrsmittel weiter auf den Bahnhofsvorplatz!

    Frau Oberbürgermeisterin legt natürlich gegen diese Entscheidung kein Veto ein, erneut Totalversagen der provinzialen Sozi-Leiterin der Wirtschaftsförderung!

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    Zeitungss
    09.11.2018

    @GERO: Wo wurden 2018 bereits Gleise verlegt ??? Wenn das so sein sollte, zweifle ich an meiner Wahrnehmung. In Zwickau ist der größte Steuerzahler VW und da verlegt man doch keine Gleise, sondern schafft Platz auf den vorhandenen Straßen.
    Auf dem jetzigen Grundstück vom Hotel Wagner könnte auch ein neues Autohaus entstehen, denn VW stellt bekanntlich um und die Ware muss auch an den Mann gebracht werden, die Frau natürlich auch, bevor sich wieder jemand daran stößt.
    Ich fürchte allerdings, dass die Planung teurer wird wie der eigentliche Bau selbst, ein deutsches Markenzeichen und die eigentlichen Baukosten stehen in den Sternen, wie immer. Der Billigste darf und was dabei herauskommt, hat inzwischen jeder Bürger begriffen.

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    GERRO
    08.11.2018

    Linke wie der Dorfpolizist Rudolph und Wöhl, AFD Immobilien Itzek, SPD Lehrer Heinzig blockieren die Umgestaltung des Bahnhofsvorplatzes. Das ist unerträglich! Bei der nächsten Wahl im Mai 2019 gehören die abgestraft und aus dem Rat entfernt. Schauen Sie lieber auf den Haushaltposten 65.000.000,00 € Personalkosten!

    Die sollten mal Ihre Beschlüsse von 2018 lesen, da wurde bereits Straßenbahngleise neu verlegt, um die Bahn zum Bahnhofsvorplatz von der Werdauer Straße aus, anzubinden. Und kaufen kann man das Grundstück Wagner jetzt so günstig wie nie! Sicherlich spekulieren einige Immobilienvertreter auf höhere Preise.

    Merken die denn nicht, dass auf dem Bahnhofsvorplatz Straßenbahngleise liegen und die Straßenbahn seit 100 Jahren Reisende zum Bahnhof bringt? Im Stadtrat Zwickau sind eben zu viele Provinzler, die da nicht hingehören.

    Wer 50.000.000,00 € Gewerbesteuer von VW-Mosel kassiert, diese Stadt kann auch den Bahnhofsvorplatz mit Straßenbahn mit null Diesel-Gestank planen. Dazu gehört auch eine gesetzmäßige Planung mit 272.000,00 € Kosten!

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    Zeitungss
    08.11.2018

    Zwickau und die Zukunft, ein echter Problemfall. Der Bürger soll auf Batteriebetrieb umrüsten und die Stadtväter möchten gerne das Nahverkehrsmittel Straßenbahn auf den Mond verbannen. Man pflegt damit eine lange Tradition, Anschluss zum Hbf, wer sich noch erinnert. Wer vor Jahren den Bahnanschluss bis in die Stadt favorisiert hat und das noch mit unterschiedlichen Spurweiten, muss man Weitsicht zusprechen, aus heutiger Sicht fragen sich die Zuständigen, was hat der Erfinder nur für Drogen genommen. Buslobbyisten gibt es in Zwickau und Umgebung sicherlich nicht, also nur Gedankengänge der Stadtväter. Mosel war auch einmal mit einem Straßenbahnanschluss im Gespräch, allerdings fährt man dort Auto, was auch der Straßenausbau bestätigt. Zwickauer, ein Tipp, besorgt euch einen vernünftigen Stadtrat, welcher gelegentlich auch einmal nach vorn sieht.
    Glück auf, oder wie sagt man bei euch ??

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    branderweg
    08.11.2018

    Wenn man den Ausführungen der Stadtverordneten folgt, kann man sich des Eindrucks nicht erwehren, dass ein generelles Planungsverständnis unter den Bürgervertretern fehlt: denn nur eine gemeinsame Betrachtung aller Sachverhalte um die Innenstadttangente (Verkehr, Grundstückserwerb, Kosten, langfristige Ziele, Stadtbild, Grünprägung etc.) kann zur Vorlage plausibler Varianten führen, die anschließend zur Auswahl der geeigneten Gesamtlösung und daraufhin zu einer logischen Abschnittsbildung, Rang- und Reihenfolge von Bau- sowie späteren Folgemaßnahmen führt. Und dass zum Schluss alles "passt", denn manchmal dauert es eben auch 5 bis 10 Jahre und länger, bis der letzte Stein verbaut ist. Wer bei der Planung und dem Aufzeigen von echten Planvarianten spart, kann beim Bauen erst recht nicht nennenswert sparen.
    Was man aus dem Artikel weiterhin heraushören kann ist eine unverminderte Skepsis hinsichtlich der Notwendigkeit der Straßenbahnspange sowie die Präferenz einer schnellen und großzügigen (Auto-) Verkehrslösung. Dazu: die Notwendigkeit prozessaufschiebender und -verteuernder Grundstückskäufe erschließt sich mir nicht. Für eine stadträumlich integrierte Trasse ist Platz genug da um das alte Hotel Wagner, wenn man sich von einer überkommenen Städtebauideologie verabschiedet, die nicht integrieren will, sondern nur Durchschneidungen gewachsener Strukturen kennt. Und da wo wirklich ein "Durchbruch" nötig ist (Bahnunterführung), erkennt jeder, dass dort auf Grund fehlender planerischer Voraussicht - siehe oben - behindernde Fakten mit dem erfolgten Brückenbau geschaffen wurden.
    Und wo bleibt eigentlich die Diskussion um Nutzung und Stadtbild links und rechts der künftigen Innenstadttangente. Will die Stadt wieder ein oder mehrere Hotels, Gewerbe, Wohnen oder ja was eigentlich entlang der Straße. Was sagt eigentlich das Stadtplanungsamt? So viele Fragen, die leider auch zu wenig von den örtlichen Medien zur Diskussion gestellt werden - bislang.



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