Es geht um Träume und deren Verwirklichung

Das Tanzstück "Die Möwe Jonathan" hat am 22. November in Zwickau Premiere. Mit einer Matinee wurde darauf eingestimmt.

Zwickau.

Wenn er sagt, "Möwen sind nicht nett", berufe er sich auf eigene Erfahrungen. Das sagte der Holländer Ben Voorhaar, den die Zwickauer Ballettchefin Annett Göhre für die Ausstattung ihres Tanzstückes "Die Möwe Jonathan" beauftragt hatte, zur Matinee am Sonntag. "Wer weiß, was sie über uns sagen", meinte Göhre, die Voorhaars Beobachtung dennoch bekräftigte. Shahnee Page, eine der Balletttänzerinnen der Zwickauer Kompanie, hatte während der Arbeit an dem Stück über die Möwen recherchiert und herausgefunden, dass sie ganz erbarmungslos mit denen seien, die nicht zu ihnen gehören. So ergeht es im Tanzstück auch der Möwe Jonathan, die die Freiheit des Fliegens und das Unbekannte liebt. So trainiert Jonathan flugakrobatische Kunststückchen und Geschwindigkeit auf Perfektion und er überflügelt seine Mit-Möwen. Sie fliegen, um zu leben - Jonathan aber lebt, um zu fliegen. Die anderen verstehen seinen Traum vom perfekten Fliegen nicht. Das führt dazu, dass Jonathan von seinen Artgenossen gemobbt und schließlich verbannt wird. Doch auf einmal tut sich für Jonathan der Himmel auf - und da ist er unter den Gleichgesinnten.

Verkörpert wird Jonathan von der Französin Justine Rouquart. "Denn es geht gar nicht darum, ob Jonathan männlich oder weiblich ist. Es geht um die Träume und ihre Verwirklichung. Und um das Lernen aus Niederlagen", sagte Annett Göhre. Um das Fliegen zu zeigen, bedient sie sich in ihrem Stück nicht nur der Technik der Tänzer mit Sprüngen, sondern verwendet auch Yoga-Tücher. "Es sieht zwar alles sehr einfach aus, ist aber sehr anstrengend. Wir sind durch die Arbeit mit Tüchern alle von ganz schlimmen Muskelkater geplagt", verriet die Choreografin.

Die Farbe Weiß spielt in der Ausstattung eine große Rolle, vor allem bei den Tüchern. "Weil man Weiß sehr schön in verschiedenen Farben beleuchten kann", sagte der Bühnen- und Kostümbildner. Die von ihm kreierten abstrakt gemusterten Kostüme sind in der Möwen-Welt nur schwarz-weiß, als "Menschen" ziehen die Tänzerinnen und Tänzer eine Jeans-Weste drüber.

Während zur Matinee am Sonntag die gesamte Tanzkompanie die Ausschnitte noch ohne Kostüme präsentierte, wurde sie dabei bereits von den beiden Musikerinnen live begleitet. Die Flötistin Anne Langhoff erklärte und zeigte den Zuschauern auch, wie sie das "Zwitschern" der Möwen in der Komposition von Steve Reich auf drei verschiedenen Flöten spielt. "Zuvor hatte ich das Stück zehnmal aufs Band aufgenommen, und das elfte wird eben live gespielt", sagte die Musikerin. "Wir haben die enorme Schwierigkeit der Aufgabe allesamt total unterschätzt und freuen uns, dass sie dennoch so gut gelungen ist", sagte die Choreografin. Verarbeitet wird Musik aus mehreren Epochen, die für Flöte und Harfe (Marija-Anja Hübenthal) arrangiert wurde. Die Premiere findet am 22.November ab 19.30 Uhr im Malsaal in Zwickau statt. Um 19 Uhr beginnt die Einführung in das Stück.

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