Essen ist fertig ... fast

Grüner wird's nicht Die Sonne lässt das Obst gedeihen. Und nicht nur in privaten Gärten, sondern auch an vielen Straßen und Wegen.

Zwickau.

Schneppendorf kann einem in diesen Tagen vorkommen wie das Schlaraffenland. Denn wer dorthin möchte, muss sich durchfuttern. Oder besser: er könnte.

Die Mülsener Straße, die vom neugebauten Kreisverkehr an der B-93-Abfahrt Crossen nach Schneppendorf führt, ist eine appetitliche Streuobst-Allee. Zahllose Obstbäume spenden dort nicht nur Schatten. Die reifenden Früchte leuchten unter den grünen Blättern hervor: Es gibt zwei Sorten Äpfel, Birnen, Pflaumen - und es gab auch Kirschen. Doch deren Zeit ist vorbei. Sie hängen allenfalls noch getrocknet an den Zweigen. Die Äpfel hingegen beginnen schon, aus Stärke Zucker zu machen. Bald könnten sie geerntet werden. Das ist nicht nur erlaubt, sondern auch erwünscht.


Jedoch bittet das Garten- und Friedhofsamt um eine Gefälligkeit. Jeder, der für den heimischen Haushalt Vitaminnachschub holen möchte, sollte sich in der Behörde einen Pflückschein ausstellen lassen. Das ist schnell erledigt und kostet auch nichts - es ist eine Absicherung für beide Seiten. Der Pflücker hat etwas in der Hand, wenn er auf sein Tun angesprochen wird. Das Amt kann sich dann darauf verlassen, dass die Naturfreunde die Regeln verstanden haben - beispielsweise die, nicht an viel befahrenen Straßen auf Leitern zu klettern oder in fremden Gärten zu wildern. Sind die Regeln geklärt, steht einem gesunden Schmaus allenfalls noch die eigene Faulheit im Wege.

Was man mit dem Obst macht, bleibt jedem selbst überlassen. Und dessen Geschick natürlich. Man kann es auf althergebrachte Weise für den Winter einkochen, zu Mus oder Konfitüre verarbeiten, man kann Kuchen backen, Schnaps ansetzen oder einfach alles kleinschnippeln und frisch als Salat genießen.

Birnenkuchen mit Lavendel: Spätestens seit dem gleichnamigen Film ist das Rezept für solch einen Nachtisch auch in Sachsen gefragt. Übrigens bekommt man die Zutaten alle aus der näheren Umgebung: die Birnen beispielsweise aus Schneppendorf, und Lavendel wird bekanntlich im Tast-, Duft- und Erlebnisgarten am Hammerwald angebaut. Allerdings läuft dort schon seit einiger Zeit die diesjährige Ernte.

Gelbe Pflaumen leuchten bereits allerorten reif in den blauen Himmel - beispielsweise am Römerplatz. Die blauen Pflaumen an der Mülsener Straße hingegen brauchen noch ihre Zeit. Es sei denn, man möchte eine typisch georgische Sauce kochen: Dafür braucht man ausdrücklich saure, nicht ganz reife Pflaumen. Die werden mit Wasser weichgekocht und dann mit Koriander- und Fenchelsamen, mit Knoblauch, Korianderkraut, Dill und Minze püriert. Rosenpaprika sorgt für die Schärfe. Das passt gut zu Gegrilltem.

Apropos sauer: An der Hauptstraße oder am Johannisbad verstecken sich knallrote Kornelkirschen unter den Blättern der kleinen Bäume. Doch Vorsicht: Knallrot ist noch ein paar Tage oder gar Wochen von reif entfernt. Erst, wenn die kleinen Früchte tief dunkelrot sind, muss man beim Kosten nicht mehr das Gesicht verziehen. Dann bekommt man einen eigenwilligen, aber erfrischenden Geschmack und eine Extraladung Vitamin C. Außerdem gilt die Kirsche als Heiler für den Darm.

Pflückscheine kann man schriftlich oder per E-Mail im Gartenamt der Stadt beantragen. Sie sind kostenfrei und auf eine Straße oder ein Gebiet begrenzt. Es gibt sie nur für Obstgehölze auf städtischen Plätzen und Straßen. Sie gelten nur für eine Saison.

www.zwickau.de

Bewertung des Artikels: Noch keine Bewertungen abgegeben
0Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.



    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
    Mehr erfahren Sie hier...