Europa fördert ein Umdenken - Westsachsen profitiert davon

Mit Inducult 2.0 ist jetzt ein Projekt zu Ende gegangen, von dem die Westsachsen nicht allzu viel gemerkt haben. Doch die Macher hinterlassen ihre Spuren.

Zwickau.

Carsten Debes ist stolz auf das Geleistete: "Im Gegensatz zu anderen Projekten haben wir sehr viele Ergebnisse", sagte der Koordinator des Projektes Inducult 2.0 aus dem Landratsamt. Am Donnerstag wurde die auf drei Jahre angesetzte Initiative mit einer Tagung im Zwickauer August-Horch-Museum beendet.

Zehn Partner aus acht europäischen Regionen und dazu zwei wissenschaftliche Institutionen waren an dem Projekt beteiligt. Für insgesamt 3 Millionen Euro - davon erhielt Westsachsen 620.000 Euro - suchten die Akteure nach Wegen, die Industriekultur in Regionen abseits der Großstädte mit Leben zu füllen und als einen Standortfaktor zu nutzen. Zeugen der Industriegeschichte gibt es in Westsachsen genug, und das in jeglichem Erhaltungszustand. Doch Carsten Debes sagte am Donnerstag, dass es nicht darum ging, konkrete Brachen mit Leben zu erfüllen. "Der Fokus lag auf den Akteuren."


Judith Eittinger vom Kulturraum Vogtland-Zwickau ergänzte: "Es ging nicht um das Sichtbare, sondern darum, Denkweisen zu ändern." So habe man, um aus der Industriekultur der Region im besten Sinne Kapital zu schlagen, Kontakte hergestellt: zwischen Touristikern und der Industrie- und Handelskammer, auch mit Industrieunternehmen der Region sowie mit der Westsächsischen Hochschule Zwickau, die Blicke in die Zukunft öffne.

Bei aller Theorie und Arbeit im Hintergrund können die Akteure dennoch das eine oder andere Greifbare vorweisen. Das Graffito am Viererschacht-Turm zwischen Zwickau und Mülsen ist das Augenfälligste. Im Verein Tourismusregion Zwickau entstand eine Faltkarte, die Stätten der Industriekultur aufführt. Sie ist so gestaltet, dass mithilfe eines Smartphones Teile der Karte zum Leben erweckt werden können - diese leiten Interessierte dann weiter zu den Internetangeboten der jeweiligen Einrichtung. Publiziert wurde darüber hinaus eine Broschüre, die Geschichten von Unternehmen aus dem Landkreis zusammengetragen hat - auf mitreißende Weise erzählt, lernt der Leser etwas darüber, wie in einer alten Werdauer Werkstatt noch immer begehrtes Holzspielzeug entsteht. Oder wie die Angestellten eines Hohenstein-Ernstthaler Schraubenherstellers kurz nach der Jahrtausendwende ihre Firma retteten und sie mit neuem Leben füllten.

Westsachsen war eingebettet in die Arbeit anderer Regionen - unter anderem der Steiermark. In diesem Gebiet wurde vor 1300 Jahren mit dem Eisenerz-Bergbau begonnen. Nun sagte Gerfried Tiffner, habe man begonnen, über Industriekultur neu nachzudenken, um sie für die junge Generation zugänglich zu machen. Das gelang etwa mithilfe von Apps oder Virtual-Reality-Angeboten. Es gelang so gut, dass die Österreicher einen Antrag stellten, ihr steirisches Brauchtum als immaterielles Kulturerbe der Unesco schützen zu lassen. Mit Erfolg.

Inducult 2.0 lief drei Jahre und läuft im Mai endgültig aus. Was bleibt, sind die Ideen - und der Wille zum Weiter- und Umdenken. Das versichert Judith Eittinger. Sie möchte mit dem Kulturraum 2020 zum Jahr der Industriekultur in die Fußstapfen von Inducult treten und aus den gelegten Samen neue Blüten züchten. Dazu wird es unter anderem einen Fotowettbewerb geben, der die Teilnehmer dazu anreizt, sich ihre eigenen Gedanken über die industrielle Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft der Region zu machen - und darüber, wie es sich in solch einer Region lebt.

www.landkreis-zwickau.de/ projekt-inducult2-0

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