Ex-Krankenstift bereitet Kopfzerbrechen

Während sich für das Schocken-Kaufhaus eine Lösung abzeichnet, rückt eine weitere Immobilie der Erben in den Blickpunkt.

Zwickau.

Bei der Rettung des ehemaligen Schocken-Kaufhauses an der Hauptstraße in Zwickau taucht ein Lichtschein am Horizont auf. "Wir waren der Lösung noch nie so nahe wie jetzt", zeigte sich Oberbürgermeisterin Pia Findeiß (SPD) zum Neujahrsempfang optimistisch. Im Grunde ist alles da: Investor, Nutzungsidee und sogar erste Fördermittel. Die einzige Einschränkung: Stadt und Investor sind auf den Willen der Schocken-Erben zum Verkauf angewiesen. Die Gespräche laufen, ein Ergebnis steht noch aus.

Doch wo Licht ist, ist bekanntlich auch Schatten. Das altehrwürdige Kaufhaus ist nicht die einzige in Schockenbesitz befindliche Immobilie im Stadtgebiet, die den Verantwortlichen im Rathaus Kopfzerbrechen bereitet. Seit 2014 bietet die Stadt die ehemalige Einkaufszentrale des Warenhauskonzerns an der Werdauer Straße/Ecke Stiftstraße, auch bekannt als "Quartier Königliches Krankenstift", zum Verkauf an. Bisher ohne Erfolg. Dabei hat es offenbar durchaus Interessenten gegeben. Während der weltgrößten Immobilienmesse "Expo Real" haben sich bereits im Jahr 2015 mindestens sieben Interessenten nach dem Gelände samt Immobilien erkundigt. Drei, so hieß es aus dem Büro für Wirtschaftsförderung, seien ernsthafte Interessenten gewesen. "Da die Stadt nicht Eigentümer der Immobilie ist, wurden die potenziellen Investoren an diese vermittelt", sagte Stadt-Pressesprecher Mathias Merz. Ergebnisse der Gespräche seien nicht bekannt. Damit bleibt auch unklar, warum die Gespräche nicht zum Erfolg führten. "Wenn ein Interessent letztlich nicht kaufen möchte, muss er uns das nicht begründen und tut das in der Regel auch nicht", sagte Merz. Allerdings sei es ein offenen Geheimnis, das der Denkmalschutz für den Komplex eher abschreckend wirke. Zum aktuellen Stand kann die Stadt nichts sagen. "Ob es derzeit einen ernsthaften Interessenten für den Kauf und die Entwicklung der Immobilie gibt, ist nicht bekannt", sagte Merz. Ein Vertreter der Erbengemeinschaft Schocken war für eine Nachfrage zum Stand der Dinge nicht erreichbar.

Unterdessen hält die Stadt daran fest, das Quartier weiterhin im Internet und bei Bedarf auch auf Messen anzubieten. Das liegt laut Mathias Merz trotz des privaten Eigentums im Interesse der Stadtbildverbesserung und der Stadtentwicklung. Dabei ist derzeit auch noch vollkommen offen, was aus dem Ensemble an einer der meistfrequentierten Straßenkreuzungen der Stadt einmal werden könnte. Vorstellbar wäre eine Nutzung als Wohn- und Geschäftshaus, Bürogebäude oder öffentliche Einrichtung. Ausgeschlossen sind dagegen Vergnügungsstätten oder eine Tankstelle.

Nicht nur in Zwickau, sondern auch in Crimmitschau wird um eine Schocken-Immobilie gerungen. Im Stadtrat wurden Pläne für die Nutzung des Kaufhauses vorgestellt. Investoren wollen darin Handel und Gastronomie sowie Büros und Loftwohnungen unterbringen. 5,2 Mil-lionen Euro würde der Umbau kosten. Oberbürgermeister André Rafael (CDU) sprach von einem guten Kontakt zu den Schocken-Erben. Eigentümer ist die Stadt allerdings auch noch nicht. (mit hof)


Königliches Krankenstift

Das ehemalige Krankenstift ist ein Gebäudekomplex mit mehreren Bauwerken, der sich ursprünglich von der Bahnhofstraße entlang der Stiftstraße bis zur heutigen Carolastraße erstreckte. Erhalten sind das Robert-Schumann-Konservatorium und die Markthalle.

Der als "Quartier Königliches Krankenstift" bekannte Teil wurde um 1845 und 1891 errichtet und bis Mitte der 20er-Jahre des 20. Jahrhunderts als Krankenhaus genutzt. Danach kaufte Salman Schocken das Areal und richtete dort die Einkaufszentrale des Warenhauskonzern ein. Nach der Wende erhielten dessen Erben die Grundstücke zurück. (nkd)

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