Ex-Stadtrat verrät seine heimliche Leidenschaft

Schuld sind immer die anderen - im Grünen Bürgerbüro kann man über Reime von Wolfgang Rau schmunzeln und nach-denken.

Zwickau.

Der Betriebswirt und Ingenieurökonom ist als Umwelt- und Nahverkehrsexperte in Zwickau bekannt, verdiente sein Geld als Arbeitsamtsmitarbeiter und Programmierer und war rund als 20 Jahre Mitglied im Stadtrat. Was der 63-jährige Single, der heute Geschäftsführer der Fraktion von Grüne, SPD und Tierschutzpartei ist, an seinen freien Abenden so treibt, verrät eine Ausstellung im Grünen Bürgerbüro in Zwickau, die am Donnerstag eröffnet wurde: Wolfgang Rau reimt.

"Reimsplitter" heißt die Ausstellung, zu der ihn Büroleiterin Heike Escher Rau überredet hatte. Rund 20seiner humorvollen, aber auch nachdenklichen Gedichte hängen an den Wänden, optisch aufgewertet durch Fotos von Annelie Wagner.

Raus Leidenschaft für Worte führt in seine Jugend zurück. Als einstiger Leiter des Singeklubs der Ingenieurhochschule bekam er zu DDR-Zeiten gelegentlich eins aufs Dach für seine wenig kommunismuskonformen Lieder. Er wurde Mitglied im Neuen Forum, bezeichnet sich selbst als Beute-Grünen, für die er in den Stadtrat einzog. In den 1990er-Jahren hatte er unter Oberbürgermeister Dietmar Vettermann sogar mal eine Haushaltsrede in Reimform gehalten. "Es fällt mir nicht schwer, die Ideen kommen einfach so", sagt Rau, der trotz seiner Sehschwäche an einem ganz normalen Rechner dichtet. Ein Beispiel aus dem Unterricht Deutsch als Fremdsprache? Des Dichters Deklination von "Schuld sein": "Ich bin nicht schuld, du bist schuld, Er/sie/es ist schuld. Wir sind nicht schuld, ihr sei schuld, sie sind schuld."

Rau spielt mit der Sprache (Rau steckt in Frau), er reimt über die Handygeneration und die Hasser im Netz. Wie Heinz Erhardts legendäre "Made" scheidet auch bei ihm ein Plagegeist abrupt aus dem Leben, ein Floh ...

Ein Ausreißer unter den humorigen Reimen: das Stück "Wenn wir uns begegnen". Es ist ein Liebesgedicht. An wen? Rau lacht. "Ich verrate nur, dass es für eine Elke ist."

Für die Bewegung "Pulse of Europe" (Puls Europas) dichtete er die Europa-Hymne "Freude schöner Götterfunken" um. Raus Ende: "Freude ist die schärfste Waffe gegen Hass und dumpfen Geist. Darum wo du kannst da schaffe Freude, die der Dichter preist."

Die Ausstellung ist bis 9. März dienstags und donnerstags von 14 bis 19 Uhr und mittwochs von 10 bis 16 Uhr im Grünen Bürgerbüro in der Inneren Schneeberger Straße 16 in Zwickau zu sehen.


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