Experte: Zwickau kein Wolfsland

Wolfstag im Tierpark Hirschfeld: Rund 70 Besucher waren am Morgen bei der Fütterung dabei und erfuhren von einer menschengemachten Tragödie.

Hirschfeld.

Freia schnuppert. Das Frühstück trägt Fell. Der Hinterlauf eines jungen Hirsches, ein Leckerbissen. Noch zögert die Wölfin. Anders ihr Mitbewohner. Er beißt zu und schleppt den Hinterlauf an einen sicheren Ort. Es ist Joe, er ist der dominante des Wolfpaares im Tierpark Hirschfeld, der am Samstag zum Wolfstag geladen hatte. Rund 70 Gäste wohnten schon am Morgen der Fütterung bei. Freia und Joe sind die einzigen derzeit in Westsachsen sesshaften Wölfe.

Laut Bundesdokumentations- und Beratungsstelle zum Thema Wolf gibt es derzeit in Sachsen 17 Rudel und vier Paare. In elf Territorien, meist in Ostsachsen, wurden Welpen nachgewiesen. Laut Stephan Kaasche vom sächsischen Wolfs-Kontaktbüro ist die Region Zwickau zu dicht besiedelt, als dass sich der Wolf ansiedeln würde. Das heiße aber nicht, dass er es auch in Zukunft nicht tut. Was schon jetzt passieren kann, ist, dass Wölfe durch die Region ziehen. So wie die Wölfin, die 2014 nahe Wilkau-Haßlau gesehen wurde. An einem Maschendrahtzaun fand man Fellreste, mit denen der Nachweis gelang, dass es eine Wölfin war. Sie wurde auf dem Truppenübungsplatz im Thüringischen Ohrdruf sesshaft, wo sie noch heute lebt, so Kaasche. Nach "Freie Presse"-Berichten wurde im Frühjahr 2018 auf der A 72 nahe Niederfrohna ein Tier überfahren. Experten zufolge soll es sich "aller Wahrscheinlichkeit nach" um einen Wolf gehandelt haben.

Laut Michael Hopf, in der Naturschutzbehörde des Landkreises Zwickau zuständig für Wölfe, gibt es jährlich vier bis sechs Sichtungen im Landkreis, doch fehlte es oft an Beweisen. Zudem gibt es durchschnittlich drei gerissene Schafe im Jahr, wo der Verdacht besteht, dass ein Wolf zugebissen hat. Das Amt die Tiere sezieren und genetische Untersuchungen durchführen. "Die Schafe wurden definitiv nicht von Wölfen gerissen", so Hopf.

Freia und Joes Nachtisch trägt weißes Fell -ein Kaninchen. Sie fressen die Tiere mit Haut und Haar. Im Mai werden beide Wölfe elf Jahre alt, ein stolzes Alter, erklärt Tierparkchefin Ramona Demmler und ergänzt: "Sie sind gut drauf, das Fell glänzt." Das sei auch dem guten Futter geschuldet.

Das erste Frühstück, das die Bewohner im Wolfsgehege am Samstag bekamen, war bis Dienstag auch noch lebendig. Am Wochenende davor kamen 4000 Besucher, berichtet Demmler - der Ansturm nach der Winterpause. Danach gibt es fast jedes Jahr ein bis zwei tote Tiere, weil Besucher glauben, dass die Tiere Pfefferkuchen oder alte Vorräte mögen. Im Magen des toten jungen Hirsches wurde Brot entdeckt. "Brot ist mit das schlimmste für sämtliche Wiederkäuer", so Demmler.


Wissenswertes über Wölfe

505 Tiere in 103 Arten, nicht dazu gezählt sind Fische, leben derzeit im Tierpark Hirschfeld, in dem im Vorjahr 114.390 zahlende Besucher gezählt wurden. Die beiden Wölfe Freia und Joe wurden beide in Tierparks geboren, sie werden bald elf Jahre alt - ein stattliches Alter für Wölfe.

Nur vier Mitarbeiter dürfen die Wölfe füttern, sie wurden dafür besonders geschult, erklärt Tierparkleiterin Ramona Demmler. Frisches Fleisch essen die Wölfe besonders gern. sie verspeisen es mit Federn, Fell und Klauen sowie Innereien. Das sei wichtig für die Tiere, sagt Demmler. Zum Frischfleisch gehören auch Tiere aus dem Park, die nicht verkauft werden konnten, aber aus dem Bestand müssen, um Inzucht zu vermeiden: Schafe, Ziegen, Kaninchen Meerschweinchen, Küken, fast nie Schweinefleisch. Sie werden allerdings nur tot verfüttert.

Was tun, wenn man einem Wolf im Wald begegnet? Wolfsexperte Stephan Kaasche rät zu Ruhe und Respekt. Wer sich traut, sollte ein Foto oder Video machen und das dem Landratsamt zur Verfügung stellen. Keinesfalls sollte man dem Tier hinterhergehen oder gar -rennen.

Wird ein durchziehender Wolf gesehen, sollte man seine Hunde nicht mehr frei laufen lassen. "Gerade wenn es sich um eine Wölfin zur Paarungszeit handelt, könnte sie sich einen Haushund anlachen", so Kaasche. (upa)

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