Fahrradfreundlichkeit: Zwickau fast auf dem letzten Platz

200 Menschen haben für den ADFC die Bedingungen für Radler in der Stadt bewertet - und ein vernichtendes Urteil gefällt.

Zwickau.

Bei der Öffnung von Einbahnstraßen für Radfahrer hat sich in der Stadt Zwickau durchaus etwas getan. So können Radler inzwischen auf dem Dr.-Friedrichs-Ring und auf der Kreisigstraße auf einer eigenen Spur entgegen der Fahrtrichtung in die Pedale treten. Für eine bessere Note im Fahrradklima-Test des Allgemeinen Deutschen Fahrradclubs (ADFC) 2018 reichte das nicht. Im Gegenteil. Wurde die Fahrradfreundlichkeit von den Teilnehmern der Umfrage im Jahr 2016 insgesamt mit der (Schul-)note 4,3 bewertet, so ist daraus jetzt eine 4,6 geworden. Der überwiegende Teil der Radfahrer fühlt sich auf den Straßen Zwickaus nicht sicher. 87 Prozent sehen sich sogar gefährdet.

Das fehlende Angebot von Leihfahrrädern steht ebenso in der Kritik wie lange Umwege an Baustellen und der Winterdienst auf Radwegen. Neun von zehn Befragten empfinden die Ampelschaltungen als fahrradunfreundlich, 84 Prozent haben regelmäßig Konflikte mit Autofahrern. Nach der Umfrage sagen nur fünf Prozent, dass man sicher und komfortabel im Mischverkehr mit Autos auf der Straße fahren kann, wie die am Dienstag veröffentlichten Ergebnisse zeigen. 92Prozent der Befragten würden ihr Kind mit dem Fahrrad nicht allein auf die Straße lassen. Etwas positiver wurde die Erreichbarkeit der Innenstadt bewertet und die Möglichkeit, Räder in Bussen und Straßenbahnen mitzunehmen.

Torsten Kleditzsch

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Insgesamt hatten sich 200 Zwickauer an der Umfrage beteiligt. Das sind 18 mehr als beim letzten Test. Sachsenweit bewerteten mehr als 10.000 Menschen die Fahrradfreundlichkeit von Kommunen. Unter den bundesweit 106 beteiligten Städten zwischen 50.000 und 100.000 Einwohnern landete Zwickau auf Platz 103. Konrad Krause, Geschäftsführer des ADFC Sachsen, sieht in dem schlechten Ergebnis "ein chronisches Versagen der Politik und der Verwaltung". Es mangele am Willen, die Situation der Radfahrer entscheidend zu verbessern.

Lutz Lötzsch, Inhaber des Geschäftes Fahrrad Lötzsch an der Fichtestraße im Stadtteil Planitz, kann die schlechte Platzierung von Zwickau gut nachvollziehen. "Es gibt hier viel zu wenig Radwege, und das ist sehr gefährlich", sagte der ehemalige Rennfahrer und viermalige Teilnehmer an der Friedensfahrt. Zwischen Radfahrern und Autos seien oftmals nur wenige Zentimeter Abstand. Für mehr Sicherheit seien häufig keine großen Investitionen nötig, sondern nur ein wenig Farbe, wie beispielsweise auf der Lengenfelder Straße. "Seit es die Radspur gibt, fühle ich mich dort sicher", sagte Lötzsch. Im Sommer fährt er oft mit dem Rad von seinem Wohnort Chemnitz zur Arbeit nach Zwickau. Dort könne sich Zwickau übrigens auch Verbesserungsmöglichkeiten abschauen: "Chemnitz hat das sichere Miteinander von Auto- und Radfahrern besser gelöst."

Die Stadtverwaltung kommentierte das Resultat zunächst nicht. "Wir müssen uns die Ergebnisse, die bis Dienstagmittag noch nicht im Netz einsehbar waren, erst einmal anschauen und sie auswerten", sagte Heike Reinke vom Pressebüro der Stadtverwaltung. Auch wegen Krankheit in der zuständigen Abteilung bitte man um Geduld bis Freitag. In Zwickau gibt es derzeit 27 Kilometer selbstständig geführte Radwege, zehn Kilometer davon entfallen auf die Muldepromenade. Dazu kommen 6,5 Kilometer Straßen mit Radfahrstreifen und fünf Kilometer mit Schutzstreifen. Außerdem gibt es 5,5 Kilometer mit getrennten Geh- und Radwegen. (mit na/ael)

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