FDP in Zwickau: Rede für die fünf Prozent

Parteichef Christian Lindner begeistert in Zwickau rhetorisch seine Zuhörer. Politisch positioniert sich die Partei als Stimme der Vernunft.

Zwickau.

Die Situation der sächsischen FDP konnte man auf zwei Bierbänken ablesen. Sie standen vor der Veranda eines schicken Cafés auf dem Zwickauer Kornmarkt, wo Parteichef Christian Lindner am Mittwochabend eine Rede hielt: Drei Namensschilder lagen auf der Garnitur, nämlich die der Bundestagsabgeordneten Christian Lindner, Torsten Herbst und Jürgen Martens. Namensschilder von Landtagsabgeordneten? Fehlanzeige seit der letzten Landtagswahl im Jahr 2014. Spitzenkandidaten des Wahlkreises? Gibt es zwar, jedoch ein Erststimmenerfolg scheint so unrealistisch, dass sich niemand die Mühe gemacht hat, ihre Namen auf ihre Schilder zu schreiben. Stattdessen steht da nur: "Reserviert."

Die Liberalen kämpfen um den Wiedereinzug in den Sächsischen Landtag und haben sich Schützenhilfe aus Berlin geholt. Wie jede Partei wünschen sie sich so viele Prozente wie möglich, nach aktuellen Umfragen stehen sie allerdings bei nur fünf Prozent, könnten den Einzug in den Landtag also auch noch verpassen. Circa 200 Menschen sind gekommen, um den Parteichef reden zu hören, das rhetorische Feuerwerk des Christian Lindners - und der liefert. "Vor zehn Jahren saß ich hier mit Guido Westerwelle", beginnt er seine Rede. "Seitdem hat sich die Welt verändert - und auch der Politikstil." Die FDP, sie wolle auch in Zukunft nachdenken, bevor sie handle. Das vermisse Lindner im politischen Deutschland, sagt er.


Die veränderte Welt, die Lindner sieht, ist die von Kevin Kühnert, der BMW verstaatlichen wolle. Die der Greta Thunberg, die einen "Klimaabsolutismus" predige und auch die einer Carola Rackete, die am liebsten die Grenzen für alle Menschen öffnen wolle. Kurzum: Dem Land fehlt es seiner Auffassung nach an politischen Sinn und Sachverstand.

Fünf Themenbereiche nimmt sich Lindner vor, um aufzuzeigen, dass liberale Positionen nötig seien. Wirtschaftliches Wachstum, Sicherheit, Migration, Bildung und Klima. Seine vorgetragenen Ansätze überraschen nicht: Wirtschaftswachstum durch Bürokratieabbau und Digitalisierung, Sicherheitspolitik mit Augenmaß. Bei der Migration möchte Lindner Fachkräfte ins Land locken und Menschen ohne Not und Qualifikation des Landes verweisen: Er sei für einen Wohlfahrtsstaat, der Toleranz und für Ordnung und Kontrolle zur selben Zeit. "Das ist die Politik der Mitte", so Lindner und markiert damit die politische Strategie der Partei. Wo links erfolgreich die Grünen Wähler fischen und rechts die AfD, da bleibt nur der Kampf um das Zentrum.

Bei der Bildung wünscht sich Lindner, dass "kein junger Mensch mehr die Schule ohne Abschluss verlässt" und plädiert für eine Exzellenzinitiative für die berufliche Bildung, ergänzend zur Förderung der Hochschulen. Zudem sollen alle Fachräume an Berufsschulen auf neuestes technisches Niveau gebracht werden.

Auch beim Thema Klimawandel bleibt die FDP sich treu. Verbote nützen nichts, sondern treiben Deutschland nur ins wirtschaftliche Aus. Was helfe es, durch "Askese" Klimaziele zu erreichen, dadurch wirtschaftlich im globalen Wettbewerb zurückzufallen? "Unsere globale Verantwortung ist es, die Spitzentechnologie zu entwickeln, die die Welt zur Bewältigung des Klimawandels braucht", sagt Lindner und erntet dafür mit den bislang größten Applaus des Publikums, das ihm insgesamt eine Stunde lang gebannt zugehört hat.

Fragt man die Zuhörer später, wie ihnen die Rede gefallen hat, sind viele von der Rhetorik des FDP-Chefs hingerissen. "Der kann toll reden", sagt eine ältere Frau. Doch nur wenige Besucher zeigen sich so richtig inhaltlich überzeugt von den politischen Positionen. Aber vielleicht sind es mehr als fünf Prozent.

Bewertung des Artikels: Ø 2 Sterne bei 1 Bewertung
0Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.



    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
    Mehr erfahren Sie hier...