Fest macht Appetit auf die Natur

In Planitz blüht der Lavendel. Davon haben sich am Sonntag zahlreiche Gartenbesucher inspirieren lassen.

Zwickau.

Wie ein Meer aus violetten Wogen begrüßt das Lavendelfeld im Tast-, Duft- und Erlebnisgarten seine Besucher. Die tauchen auch sofort ein in diese Pracht: mit den Augen und mit der Nase. Die meisten nehmen sich am Sonntag Zeit, den Anblick des blühenden Krautes zu genießen.

Das Lavendelblütenfest ist längst eine feste Größe im Terminkalender des Vereins, der den Garten neben der Lukaswerkstatt im Zwickauer Stadtteil Oberplanitz betreut. Es ist auch ein fester Termin für viele Besucher - und eine gute Gelegenheit, die weitläufige Gartenanlage zu besuchen. Nur ein Teil davon hat sich für den Festtrubel herausgeputzt. Der Rest ist natürlich schön geblieben. Händler, Musiker und Vereinsmitglieder liefern vielfältige Ideen, wie man seine Zeit gestalten kann. Nicht weniges davon hat - natürlich - mit der Natur im Allgemeinen und dem Lavendel im Besonderen zu tun. Ein paar Beispiele:


Eine Zierde: Blüten schwimmen auf dem Wasser. Als Barbara Möckel umrührt, wirbelt sie träge Flocken mit auf. Dieses Gemisch aus Papierresten und Blüten schöpft sie auf ein Sieb im Rahmen, deckt es ab, presst mit einem Nudelholz Wasser heraus, hängt es auf: So einfach kann man selbst Papier machen. Die Zwickauerin steht an diesem Nachmittag bereit, um die Festgäste zum Selbstversuch einzuladen. Wem das samt Trocknung zu lange dauert, der kann an ihrem Stand vom Briefpapier über kleine Taschen bis hin zum Lampenschirm ein Werk der Schöpferin erwerben. Mit oder ohne Lavendelblüten. Für die Zwickauerin ist die Beschäftigung mit Papier mehr als ein Hobby: "Ich liebe das einfach. Es gibt so viele Möglichkeiten der Gestaltung." Die Besucher sehen es und bleiben staunend stehen.

Eine Wohltat: In den Sträußen, die am Stand der Organisatoren verkauft werden, steckt viel Arbeit. "Das Trocknen und Binden hat einige Wochen gedauert", sagt Katharina Pätz. Dafür finden die duftenden Sträuße guten Absatz. Wenn das Fest vorüber ist, wird der restliche Lavendel geerntet und getrocknet. "Aus den Blüten kann man Tee machen oder sie in Kissen einnähen." Diese wiederum kommen in den Kleiderschrank - Motten mögen den Duft nicht. Man kann solch ein Kissen auch auf das eigene Kopfkissen legen. "Damit kann man besser schlafen", verspricht Katharina Pätz.

Ein Genuss: Lavendelsirup als das gewisse Etwas im Sekt - was ausgefallen klingt, ist eigentlich nur die Weiterentwicklung dessen, was vor Jahrzehnten noch gang und gäbe war, um Lebensmittel haltbar zu machen. Sirup, Fruchtaufstriche und anderes: "Wir bringen das Wissen unserer Ahnen ins Glas", sagt Heike Schremmer, die mit Steffi Strobelt in Reinsdorf "Wilde Spezereyen" herstellt. Zum Fest im Duftgarten gibt es beispielsweise auch Lavendel-Salz. "Das schmeckt sehr gut zu Fisch oder mediterranen Gerichten", empfiehlt Steffi Schremmer. Sie hat das Kraut für die Küche entdeckt und gibt ihre Leidenschaft weiter. Sie warnt aber auch: "Lavendel muss man gut dosieren. Sonst kann es leicht nach Badewanne schmecken."

Ein Experiment - vielleicht: Die Sache mit dem Badewannengeschmack schreckt wohl auch Petra Weidner. Lavendel - diese Zutat sei ihr noch nicht in den Sinn gekommen, gibt die Frau aus Nossen zu. Sie verkauft auf dem Fest Obstwein. Keinen selbst gezogenen Heidelbeerwein, aber durchaus Produkte aus heimischen Früchten, die sie mit wenig Zucker in großen Ballons ansetzt. "Das Besondere ist, dass wir keine Sulfite benutzen und auch keine Klärungshilfen", sagt sie und erklärt, dass normalerweise Gelatine dazu dient, Trübstoffe aus dem Wein zu filtern. Damit ist er dann aber nicht mehr vegan. Damit trifft sie den Geschmack der Festbesucher. Nur einen Lavendelwein, den hat sie nicht im Angebot. Dabei, sagt sie, sei das Kraut vielleicht als geschmackliche Ergänzung zu einer Frucht denkbar. "Damit habe ich aber noch nicht experimentiert."

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