Firma auf Schachtgelände will wachsen

Der Reinsdorfer Betrieb Wolf baut Straßen und ist aktiv in der Forschung. Die Chefin führt das Unternehmen in dritter Generation - mit ihr an der Spitze wächst es weiter.

Reinsdorf.

Einstimmig hat sich der Reinsdorfer Gemeinderat kürzlich für den Abschluss eines städtebaulichen Vertrages zum Bebauungsplan "Östlich Schachtstraße" zwischen der Gemeinde und der Firma Wolf Straßen- und Tiefbau GmbH Reinsdorf ausgesprochen. Damit gaben die Abgeordneten grünes Licht für die Erweiterung des Unternehmens auf der Schachthalde. Bürgermeister Steffen Ludwig (parteilos) freut sich, dass so der Standort des Betriebes gesichert und die Industriebrache weiter genutzt werden kann.

"Wir brauchen mehr Platz für die Lagerung von Baumaterial und das Abstellen von Technik", begründet Geschäftsführerin Susann Urlaß-Wolf das Vorhaben. "Deshalb wollen wir von der Gemeinde das Land der ehemaligen Gartenanlage kaufen und in unser Firmengelände eingliedern. Damit können wir unsere Fläche auf reichlich zwei Hektar erweitern. Nur so ist es uns möglich, die Zukunft des Betriebes langfristig auf dem Terrain zu sichern, auf dem er sich bereits seit 60 Jahren befindet. "

Die zierliche Frau führt das Familienunternehmen in der dritten Generation. "Mein Opa, Werner Wolf, hat es 1955 gegründet. Seit 1958 ist es hier auf dem ehemaligen Schachtgelände ansässig", berichtet sie und erzählt, dass es für ihn gar nicht so einfach gewesen sei, sich mit der Firma zu DDR-Zeiten zu behaupten. "Doch mein Großvater, ein Vermessungsingenieur, war ein sehr innovativer Mensch", sagt die 42-Jährige, die sich im Gegensatz zu ihrer älteren Schwester bereits früh für den Familienbetrieb interessiert hat. "Für mich war schon als Kind klar, dass ich die Firma einmal übernehmen will", sagt Susann Urlaß-Wolf. Sie studierte Betriebswirtschaft und qualifizierte sich zur Straßenbaumeisterin. "Damals war ich die erste Frau in Sachsen. Und wahrscheinlich bin ich bis heute die einzige geblieben."

Nachdem ihr Vater, Helmut Wolf, das Unternehmen ab 1985 führte, wurde es 1990 aus einem Handwerksbetrieb in eine GmbH umgewandelt. Die Zahl der Mitarbeiter stieg von zehn auf knapp 50 Leute. Und seit 2001 ist mit Geschäftsführerin Susann Urlaß-Wolf eine Frau Chefin.

Die Firma ist bekannt in der Region, hat schon in vielen Orten Leitungen für Wasser und Abwasser sowie andere Medien verlegt, neue Straßen und Parkplätze gebaut und alte saniert. "Die Auftragslage ist gut", schätzt die Geschäftsführerin ein.

Doch ihr geht es nicht nur um ordentlichen Straßenbau, sondern wie ihrem Großvater auch um Innovation. Deshalb arbeiten die Reinsdorfer seit vielen Jahren mit der TU Dresden an der Verbesserung von Straßenbelägen. "So haben wir zusammen die Eigenschaften von herkömmlichem Asphalt mit der Beimischung von Gummi verbessert. Mit im Boot ist dabei die Mülsener Rohstoff- und Handelsgesellschaft. Sie stellt aus alten Lkw-Reifen Gummimehl her, das dem Asphalt beigemischt wird", berichtet Susann Urlaß-Wolf. Zurzeit forsche man mit der Technischen Universität an Glasfaser modifiziertem Asphalt. Dieser sei länger haltbar als herkömmlicher, obwohl er in einer geringeren Schichtdicke aufgetragen werde, was Material spart.

Ideenreichtum beweist der Straßen- und Tiefbaubetrieb nicht nur bei der Entwicklung neuer Straßenbeläge, sondern auch bei der Umnutzung der alten Schachtgebäude für die Firma. So befindet sich im ehemaligen Trafohaus nun ein Beratungsraum. Historische Isolatoren dienen darin als Deckendekoration. Und eine alte Lampe aus Bergbauzeiten wurde in die Beleuchtung des Zimmers integriert.

Während viele Eigentümer dafür sorgen, dass keine Schwalben an ihren neu gebauten oder sanierten Gebäuden nisten können, lässt hier ausgerechnet ein Wolf, wie die Firma verkürzt genannt wird, die Vögel ungestört gewähren. "Auch wenn sie Dreck machen, sie brauchen doch Brutmöglichkeiten. Und es sieht ja auch schön aus, wenn sie sich elegant durch die Lüfte schwingen", sagt die Firmen-Chefin.

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