Frieden nach einem langen Streit

Das Turnerheim in Cainsdorf wird saniert. Das hat der Rat beschlossen. Offen bleibt jedoch, wie weit die Sanierung reichen wird.

Zwickau.

Es ist das Wort, das zählt. Wegen des Unterschieds zwischen den Begriffen "Sanierung" und "Sanierungsabschnitt" sind die Zwickauer Stadträte am Donnerstag in Streit geraten und debattierten mehr als anderthalb Stunden mit scharfen Worten.

Stein des Anstoßes ist das marode Turnerheim in Cainsdorf. Aus dem will Ortsvorsteher Gerd Drechsler (CDU) schon seit Jahren ein Stadtteilzentrum für die Gemeindeverwaltung sowie ortsansässige und Planitzer Vereine machen. Zur Haushaltsdiskussion Ende 2017 fand sich nach langer Diskussion eine Mehrheit für das 1,2 Millionen Euro teure Vorhaben - damals bezeichnet als Rekonstruktion, Umbau und Sanierung. Nun sollte auf den grundsätzlichen Beschluss das konkrete Bauvorhaben folgen. Kosten: 1,33 Millionen Euro. Bezeichnung: 1. Sanierungsabschnitt. Statt des gesamten Gebäudeensembles werden das Kellergeschoss und ein Teil des Erdgeschosses ausgebaut.

Ein Teil des Rates fühlte sich von diesem Beschlussvorschlag über den Tisch gezogen. Denn wo es einen ersten Bauabschnitt gibt, braucht es mindestens noch einen zweiten. "Wenn wir einmal angefangen haben zu bauen, kann sich später keiner mehr dagegenstellen, dass weiter gebaut wird", warnte Sven Wöhl (Linke) vor einer Kostenexplosion - zumal die Stadt bei dem Bau ohne Fördermittel auskommen muss. Die Gegner des Vorhabens wollten wissen, wie viele Bauabschnitte noch folgen sollen - und das was kostet. Finanzbürgermeister Bernd Meyer (Linke) konnte das nicht beantworten. Auch der Ortsvorsteher ließ die Frage im Raum stehen. Er machte aber deutlich, dass er den sozialen Frieden in Gefahr sieht, wenn das Heim nicht saniert wird.

Jens Heinzig (SPD) merkte an, dass man angesichts solcher Pläne auch für Planitz und Eckersbach Ortschaftsräte gründen solle - damit auch die ein Zentrum bekommen. Was Norbert Gruß (CDU) mit der Bemerkung konterte, dass Planitz bereits den Oberplanitzer Markt habe und Eckersbach das Stadion. Der Ton wurde schärfer. Es stand der Vorwurf unvorhersehbarer Folgekosten gegen den Vorwurf, das den Cainsdorfern gegebene Versprechen brechen zu wollen.

Anders argumentierte Irina Teichert (Linke), ehemalige Ortsvorsteherin und Behindertenbeauftragte der Stadt. Sie monierte, dass die nun vorliegenden Pläne keinen barrierefreien Zugang zu allen Räumen gewähren - ein Grund für sie, das Vorhaben abzulehnen. Drechsler warf Teichert Eckdenken vor und hielt dagegen mit dem Hinweis, dass es in Cainsdorf keinen Behindertensport gibt und deswegen auch kein Rollstuhlfahrer in den Keller müsse. Außerdem sagte er mit Blick auf einen möglichen folgenden Bauabschnitt, dass im Obergeschoss maximal zwei Räume ausgebaut werden sollen - und dafür sei ein Fahrstuhl für 100.000 Euro übertrieben.

Eine gewisse Friedfertigkeit kam erst in die Debatte, als Baubürgermeisterin Kathrin Köhler (CDU) betonte, dass die angestrebte teilweise Sanierung so projektiert sei, dass sie in sich geschlossen ist und auch als eine dauerhafte Lösung verstanden werden könne. Demnach müsse es nicht zwangsläufig einen weiteren Bauabschnitt geben. Damit ließen sich die Gegner des Vorhabens besänftigen: Statt des ersten Sanierungsabschnittes beschließen die Räte nun pauschal die Maßnahme Turnerheim Cainsdorf für 1,33 Millionen Euro. Dafür fand sich dann eine deutliche Mehrheit. 41 Räte stimmten zu, sechs enthielten sich.

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