Frischluftkur auf dem Pferdehof Unger

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Der Ortmannsdorfer Dieter Unger hat den Lockdown genutzt, um neue Ställe zu bauen. Jetzt wünscht er sich Urlaub. Doch dabei hat er seine ganz eigenen Vorstellungen.

Mülsen.

Dass man derzeit nicht in den Urlaub fahren kann, stört Dieter Unger überhaupt nicht. Auch die bis vor wenigen Tagen noch herrschende 15-Kilometer-Regel war dem Ortmannsdorfer schnuppe. Trotzdem wünscht er sich Urlaub. Allerdings hat das Wort für ihn eine andere Bedeutung als für herkömmliche Touristen. "Wenn ich auf meinem Kutschbock sitze, den Wagen voll- geladen, ist das für mich wie Urlaub." Doch Kutschfahrten sind bis auf wenige Ausnahmen derzeit nicht erlaubt. Reiterhofchef Dieter Unger hofft daher sehnlichst, dass sich das bald wieder ändert.

Kremser- und Kutschfahrten für Vereine, Firmen oder Jubilare sind ein Standbein des landwirtschaftlichen Familienbetriebs am äußeren Rand von Mülsen. Durch deren Wegfall rechnet Unger mit 15 Prozent Umsatzeinbußen. Eine einzige Familie hätte er zwar fahren dürfen. Doch auf die Idee, ein an sich geselliges Angebot ohne Freunde zu unternehmen, war offenbar niemand gekommen. Auf der faulen Haut gelegen hat der 63-Jährige in den vergangenen Monaten aber keineswegs, obwohl bei ihm als fünffachem Großvater und Gemeinderat von Mülsen (Impuls) mit Sicherheit keine Langeweile aufgekommen war. Der Landwirt hat die Zeit des Lockdowns genutzt, um neue Ställe zu bauen. An die 40 Pferde stehen auf seinem Hof, 20 gehören Privatleuten, die sich dem Trend zu mehr Natürlichkeit hingezogen fühlen. Mit seinem Sohn Marcel hat er vier offene Ställe gebaut, praktisch Ställe ohne Tür, mit großen Liegeflächen auf Stroh, aber auch Rückzugsboxen. Den Tieren scheint das zu gefallen. Nicht einmal bei den zweistelligen Minusgraden in diesem Winter haben sich Warm- oder Kaltblüter, Ponys oder Noriker in die Boxen verkrümelt. Die Tiere standen lieber an den gut gefüllten Heukörben an der wenn auch eisigen, doch frischen Luft. "Bei einem unserer Haflinger hingen zehn Zentimeter lange Eiszapfen am Fell, und der ist trotzdem nicht rein", erzählt Unger lachend.

Dank einer Art Passierschein vom Pferdesportverband durften die Besitzer der Pensionspferde jederzeit zu ihren Tieren. "Bewegen und arbeiten müssen sie mit ihren Tieren selbst, wir kümmern uns nur ums Füttern und Versorgen", erklärt der Reiterhofchef.

Unger hat den Hof, auf dem sein Vater seit 1991 Landwirtschaft betrieb, im Jahr 2000 mit Kühen, Pferden und 60 Hektar Land übernommen. Auf 20 Hektar baut er heute Getreide an, 40 sind Grünland zur Futtergewinnung. 12 Milchkühe stehen noch im Stall, Unger ist der einzige, der sie zweimal am Tag melkt. 200 bis 250 Liter Milch liefern die Kühe täglich. Bei den gefallenen Milchpreisen ist das eher ein Hobby als ein Standbein des Hofes, winkt Unger ab. Sein Fokus liegt auf der touristischen Schiene, den Kremserfahrten, bei denen er meist selbst auf dem Kutschbock sitzt und sich und die Gäste von seiner 15-jährigen Friedel und ihrer fünfjährigen Tochter Fayett ziehen lässt. Auf seinen bis zu dreistündigen Touren auf dem Erzgebirgskamm, auf Härtensdorfer, Zschockener und Niclaser Flur könne man manchmal bis nach Ronneburg oder zum Fichtelberg sehen. Und seine Gäste schätzten bisher immer eine Einkehr in die umliegenden Gasthöfe wie den Promnitzer, die Schmiede und den Amorsaal. "Bei uns ist es mindestens genauso schön wie in Bayern", versichert der urige Ortmannsdorfer, der in seinem Ortsteil schon als Original gilt.

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