Frühstück mit Musik

Grüner wird's nicht: In Zwickau duften jetzt noch die Lindenblüten und der falsche Jasmin. Auch so manche Gaumenfreude wächst an den Bäumen.

Zwickau.

Das Grün in der Stadt erfreut Augen und Nasen. Noch hat die Trockenheit nicht die Oberhand, sodass die Pflanzen in der Innenstadt, in den Parks, den Wäldern und den idyllischen Ecken der ländlicheren Fleckchen im vollen Saft stehen. Zumindest auf den ersten Blick.

Die Sonne hat schon die ersten Früchte reifen lassen. An ihrem tiefen Purpur erkennt man, dass die Früchte der Kupfer-Felsenbirne bereit für den Genuss sind. Man darf keine Birnen erwarten - die brauchen noch mehr Sonne und Zeit. Die Früchte dieses Kernobstgewächses sind kleine Beeren, die sich leicht von Baum oder Strauch pflücken lassen, wenn sie reif sind. Dieses Wildobst war einige Zeit in Vergessenheit geraten - inzwischen besinnen sich viele wieder darauf, wie die Früchte früher verwendet wurden. Beispielsweise galten sie getrocknet als Ersatz für Rosinen. Auch zur Herstellung von Konfitüren und Gelees sind sie gut geeignet, zumal sie reichlich Pektin enthalten, was sie gut gelieren lässt. Sie schmecken als Einzelfrucht ebenso gut auf dem Frühstücksbrötchen wie in der Mischung mit anderen Beeren oder mit Zimt, der das ihnen eigene Marzipanaroma unterstreicht. Es empfiehlt sich, die Beeren nach dem ersten Aufkochen durch ein Sieb zu streichen. Ähnlich wie Apfelkerne enthalten die Samen der Felsenbirne Glykoside, die zu Magenbeschwerden führen können, wenn man sie in großen Mengen zerkaut. Darüber hinaus enthalten die Beeren Eisen, Gerbstoffe, Kalium, Magnesium und Vitamin C. Man sagt ihnen nach, dem Herzen gut zu tun und den Schlaf zu fördern. Eine Heilpflanze ist die Felsenbirne nicht.


Das ist bei der Linde anders. Deren Blüten geben nicht nur den Nektar für einen beliebten, cremigen Honig. Als Tee werden die duftenden Blüten von jeher als Mittel gegen Erkältungen genutzt. Ungezählte Kinder wurden schon mit einer Tasse heißem Lindenblüten-Tee zum Schwitzen ins Bett gesteckt. Die schweißfördernde Wirkung ist aber nur die eine Seite. Die kugelförmigen Samen enthalten viele Schleimstoffe - das lindert trockenen Reizhusten. Wem es also derzeit immer noch schwerfallen sollte, ins Schwitzen zu geraten, der könnte sich jetzt ein Tässchen Lindentee gönnen - vielleicht zum Frühstück mit einem Brötchen mit Felsenbirnen-Gelee.

Wer lieber einen schwarzen Tee trinkt, der könnte sich eine besonders raffinierte Zutat zubereiten: Ein Gelee oder ein Sirup aus Rosenblüten - aufzukochen mit Wasser, Zucker und in dünne Scheiben geschnittenen Zitronen. Allerdings sind dabei drei Dinge zu beachten. Erstens dürfen die Blüten nicht gespritzt sein. Anders als bei robusten Früchten lässt sich das von den zarten Blättern nicht abwaschen. Zweitens geben nur wirklich duftende Rosen auch einen Geschmack ab. Drittens - und darüber freuen sich auch die anderen Zwickauer - sollte man die Blüten nicht von den öffentlichen Sträuchern pflücken. Denn in diesem Fall sind die Blüten kein optisches Beiwerk wie man die Früchte an den Obstbäumen verstehen kann. Die Rosen - auf der gleichnamigen Wiese in der Nordvorstadt oder in zahlreichen Parks und Beeten -sind ja genau deswegen gepflanzt worden, um mit ihrer Farbenpracht die Menschen zu erfreuen. Ein abgeernteter Strauch ist in diesem Fall wirklich zu grün.

Wenn Sie sich nun ein üppiges Sonntags-Frühstück mit Konfitüre, Tee und Sirup bereitet haben, wollen Sie vielleicht auf den Alltag pfeifen. Verständlich. Auch dafür wächst etwas in den Parkanlagen der Stadt: der falsche Jasmin. Derzeit sind die letzten, ebenfalls stark duftenden Blüten zu sehen. Die haben nichts mit den Jasminblüten zu tun, die in Japan in den Tee kommen. Bezeichnender ist sein deutscher Name: Pfeifenstrauch. Die Triebe sind hohl, sodass man daraus eine kleine Pfeife schnitzen kann. Allerdings ist die Rinde ganz leicht giftig - man darf hinein blasen, sollte aber nicht hinein beißen.

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