Fünf Monde und eine Saturnrakete

Die partielle Mondfinsternis hat am Dienstag rund 50 Besucher in die Schulsternwarte Zwickau gelockt. Dort konnten sie einen Blick nach oben werfen -und zurück in der Zeit.

Zwickau.

Können Sie sich noch an den 100-Meter-Lauf in der Schule erinnern - an die Länge der Strecke? Nehmen Sie die und laufen Sie noch zehn Meter weiter: So lang ist die Saturn-V-Rakete, die die ersten Menschen auf den Mond gebracht hat. Die zweiten und alle anderen auch - aber über die redet gerade keiner.

Abgesehen von Monika Müller. Die Chefin der Schulsternwarte und passionierte Astronomin redet sich in Schwung, als sie über die Raumfahrt im Allgemeinen und die Apollo-11-Mission im Besonderen berichtet. Angefangen von Dädalus und seinem tief gefallenen Sohn Ikarus über den weitsichtigen Jules Verne bis hin zu Wernher von Braun, der die bisher leistungsstärkste Rakete mitbaute, berichtet sie über ein Ereignis, das vor genau 50 Jahren die Welt in Atem hielt -und das die ehemalige Lehrerin noch immer sichtlich begeistert: die erste Landung eines Menschen auf dem Mond.


Für einige der Kinder, die am Dienstagabend dem Vortrag lauschen, ist das nur eine Überbrückung, bis es endlich dunkel genug ist und der Mond hoch genug am Himmel steht. Denn der Himmelskörper möchte sich zum Jubiläum auch noch ins rechte Licht rücken. Dafür macht er das Gegenteil: Der Mond versteckt sich zumindest teilweise im Erdschatten, was ihm eine schöne gold-rote Farbe verleiht und im Fachausdruck einfach partielle Mondfinsternis heißt. Das gar nicht so seltene Ereignis ist der eigentliche Grund, warum etwa 50 Menschen an diesem Abend durch die dunkler werdende Gartenanlage am Kreuzberg in Oberplanitz zur Sternwarte schlendern. Doch ehe der Vollmond sich teilweise zeigt, muss er erst einmal über den Horizont klettern und dann noch über den Hügel, an dem die Sternwarte liegt.

Freund Jupiter ist da schneller. Der Planet leuchtet schon am Himmel, da ist dieser noch blau. Wer möchte, kann auf ein Podest steigen und den Gasriesen durchs Teleskop betrachten. Oder er folgt Monika Müller in die Einrichtung. Als die Chefin ihren Vortrag über die Leistungen der Raumfahrt beendet hat, ist es spät genug. Endlich. Die Kinder stürmen hinaus, die Erwachsenen folgen - und alle staunen sie: Eine Mondsichel steht am Himmel, getaucht in rötliches Licht. Irgendwo im Dunklen erklärt jemand, wie viele Sterne man mit bloßem Auge an einem klaren Nachthimmel sehen kann: rund 5000 sollen es sein. Womit die alte Frage von Pfarrer Wilhelm Hey auch beantwortet ist.

Aber über Planitz sind in diesem Moment nicht in Ansätzen so viele Sterne zu sehen. Zwei tun sich besonders hervor - doch bei näherem Hinsehen entpuppen sie sich als Planeten. Am Teleskop bildet sich schnell eine Schlange. Das blickt inzwischen in Richtung Saturn. Deutlich ist ein dicker Ring zu sehen. Dass das in Wirklichkeit viele einzelne Ringe sind, sieht man nur mit noch stärkeren Linsen. Am Dobson-Teleskop - einer einfacher gebauten Variante eines Spiegelteleskops - schaut man nun dem Jupiter auf dem Streifen, die seine Oberfläche zieren. Und man sieht die vier großen Monde, die ihn begleiten. Ob sie jemals menschlichen Besuch bekommen ... wer weiß.


Weiter geht es im September

Wenn die Tage wieder kürzer werden, beginnt in der Schulsternwarte Zwickau wieder die Beobachtungssaison. Am 6. September, am 11. Oktober, am 8. November und am 6. Dezember öffnet die Einrichtung mit beginnender Dunkelheit für Besucher. Wenn keine Wolken den Blick nicht verstellen, stehen die Teleskope, Fernrohre und das neu angeschaffte Himmelsfernglas für tiefere Einblicke ins Weltall bereit.

Eine kleine Scheibe, die vor der Sonne vorbeizieht, weckt am 11. November das Interesse der Astronomie-Fans. Für den Nachmittag ist ein Transit des Planeten Merkur vorhergesagt. Die Mitte des Transits ist für 16.20 Uhr berechnet. Die Einrichtung öffnet bereits 13.30 Uhr. Dann gibt es auch Wissenswertes über den Planeten zu erfahren sowie über die Arbeit des Fördervereins. (sth)

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