Für die Volksmusik auf Achse

Da ist Musik drin Westsachsen, wie es singt und klingt. Heute: Stephan Malzdorf, der nach mehreren Rückschlägen wieder froh nach vorn schaut.

Zwickau.

Als eine Zugabe zum Leben - so sieht seit dem 20. Juni 2017 Stephan Malzdorf jeden Tag seines Lebens. An diesem besagten Tag stürzte der Sänger und frühere Moderator in einem Fahrradladen so unglücklich, dass er sich dabei den sechsten Halswirbel brach. "Dieser Tag hätte der letzte meines Lebens sein können. Es passierte wenige Tage nachdem bekannt wurde, dass Sänger Gunter Gabriel an seinem 75.Geburtstag in seinem Haus von der Treppe stürzte. Seit einem Jahr singt er nun mit den Engeln. Ich darf aber noch weiter hier singen", sagt Malzdorf, der im Januar nach vier Jahren den Vorsitz beim Erzgebirgszweigverein Zwickau aufgab.

"Dass Gunter Gabriel elf Tage nach seinem Sturz starb, erfuhr ich erst viel später. Meine Frau wollte nicht, dass ich das weiß, denn ich lag gerade erst zwei Tage im Krankenhaus. Und es war überhaupt noch nicht sicher, was mit mir wird und ob ich je wieder laufen werde", sagt der zweifache Vater und vierfache Großvater, der 1972 der Liebe wegen nach Zwickau gezogen war.

"Jetzt habe einen 20 Zentimeter langen Metallstab und zehn große Schrauben in meinem Rückgrat, aber ich lebe und kann laufen. Bei Konzerten kommt als Zugabe immer das Beste, worauf sich das Publikum manchmal die ganze Zeit über freut. Ich habe durch den Sturz zwar manches an Lebensqualität eingebüßt, ich fühle mich zurzeit noch nicht in der Lage zu singen, aber ich durfte am 9. April meinen 70. Geburtstag erleben. Und das Schönste: Ich kann und darf weiter als Musikjournalist arbeiten. Das ist für mich ein Stück gelebter Menschlichkeit in unserer vom Jugendwahn geprägten Welt", sagt der 1948 im erzgebirgischen Beierfeld geborene Diplom-Opernsolist und Gesangspädagoge, der seit 2002 die Welt der Volksmusik im Bild und Wort festhält.

"Ich habe mir vor einem Jahr im Krankenhaus gesagt: Wenn du gesund bist, musst du etwas Außergewöhnliches unternehmen." Das hat er auch gemacht. Der Zwickauer organisierte im Südtiroler Villanders ein privates Gipfeltreffen der Grand-Prix-Sieger, des Grand-Prix der Volksmusik, der von 1986 bis 2010 jährlich stattfand. Vor drei Wochen, am 9. Juli, traf Malzdorf in Villanders, im Berglandhotel "Untertheimerhof" mehrere Künstler. Darunter war der Südtiroler Rudy Giovannini, der seit Jahren sein Geburtstag mit einem Konzert in der "Neuen Welt" in Zwickau feiert, der 2006 als Sänger im Duett mit der Sängerin Belsy und 2010 als Komponist des von ihr gesungenen Liedes den Grand-Prix gewann. Auch die Ladiner, Grand-Prix-Sieger 2004 mit "Beuge dich vor grauem Haar", sowie der Kastelruther-Spatzen-Frontmann Norbert Rier, der 1990 für Deutschland mit Lied "Tränen passen nicht zur dir" siegte, gehörten zu dem Treffen. "Er kam mit seinem Sohn Alexander, der ihn nach seiner Herz-OP im Vorjahr bei der Weihnachtstournee vertrat. Als Musikjournalist lebe ich von den Sympathien der Künstler. Dass Norbert sich im Sommer von seiner Arbeit auf der Alm wegreißen konnte, um meiner Einladung zu folgen, das rechne ich ihm hoch an. Alle Künstler waren froh, ohne Stress miteinander plaudern zu können. Eine Neuauflage 2019 am gleichen Ort wird wohl unausweichlich kommen", so der Zwickauer, dessen Laufbahn im Alter von zehn Jahren im Dresdner Kreuzchor begann.

Das Studium der klassischen und Unterhaltungsmusik hat Malzdorf in Leipzig absolviert. Sachsenweit bekannt machte den Erzgebirger nicht sein Gesang und CDs, sondern die 635 Sendungen der "Volkstümlichen Hitparade" im MDR 1 Radio Sachsen, die er von 1992 bis 2004 moderierte. Zuvor unterrichtete er acht Jahre am Robert-Schumann-Konservatorium als Gesanglehrer für Klassik und Schlager. Außerdem war er als Moderator in 15 verschiedenen Fernsehsendungen zu sehen.

2007 musste er am linken Stimmband operiert werden - ein Jahr vor seinem 60. Geburtstag. Mit viel Training stellte er seinen Bariton wieder her. "Ich bin ja nicht nur Sänger, sondern auch Stimmpädagoge, deswegen weiß ich, dass ich bald wieder singen kann."


Sieben Fragen an Stephan Malzdorf

Können Sie Noten lesen?

Noch vor dem Abc lehrte mich Kantor Schäfer aus Schwarzenberg als Vorbereitung zum Dresdner Kreuzchor, vom Blatt zu singen.

Was war Ihr schlimmstes Konzert?

1975 zur Eröffnung der Sommerfilmtage auf der Freilichtbühne am Küchwald in Chemnitz: Begleitet von einer Band älterer Musiker sang ich drei volkstümliche Schlager, untermalt vom ohrenbetäubenden Pfeifkonzert der meist jungen Filmenthusiasten.

Welchen Musiker würden Sie gern wiederbeleben?

Udo Jürgens und Peter Alexander.

Wie lange hält bei Ihnen ein Ohrwurm?

So lange, bis ein anderer Hit ihn verdrängt.

Welches Instrument ist das schwierigste?

Jedes Instrument und auch das Singen sind am schwierigsten, will man es exzellent und ausdrucksstark beherrschen.

Welches Lied würden Sie verbieten?

Jede Art von Songs hat ihre Berechtigung, wenn sie ehrlich und niveauvoll präsentiert wird.

Singen Sie in der Badewanne?

Das tue ich meiner Wanne nicht an.

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