Für immer jung: Vier Musiker feiern Neil Youngs Geburtstag

Da ist Musik drin - Westsachsen, wie es singt und klingt. Heute: die Siegel-Band aus Lichtenstein.

Lichtenstein/Mülsen.

"Forever Young" ist der Titel eines Abends am 3. November, den es so noch nie im legendären Mülsener Amorsaal gab. Es geht nicht nur um Musik, die "für immer jung" hält, sondern um ein Festival, das einen der größten Folkmusiker aller Zeiten ehrt: den sozial und politisch engagierten und überaus schöpferischen kanadischen Sänger Neil Young, der am 12. November 73 Jahre alt wird. Die Idee für diese besondere Geburtstagsparty hatte die Siegel-Band aus Lichtenstein.

Seit Jahren schon schart die Band im November eine treue Neil-Young-Fangemeinde um sich. Für gewöhnlich steigt die musikalische Feier im Gasthof "Zur Krone" im Lichtensteiner Ortsteil Heinrichsort. Doch der platzte beim letzten Mal beinahe aus allen Nähten. Fans aus Hohndorf reisen mittlerweile in Bussen an. Daher klopften die Musiker in diesem Jahr im Mülsener Amorsaal an. Und sie trafen bei den Gastwirten Kerstin Döhn und Steffen Friedrich auf offene Türen.

Die Siegel-Band, das sind Lukas Rietzsch (24, Schlagzeug), Ralf Gründig (39, Piano, Gitarre, Gesang), Olaf Jandeisek (52, Bass, Gesang) und Bandleader Steffen Siegel (50, Gitarre, Mundharmonika, Gesang).

Siegel, gebürtiger Lichtensteiner, der im Nachbarort Hohndorf aufwuchs, hat nun Menschen an seiner Seite, die den großen Young ebenso verehren wie er. "Er ist ein Melodienerfinder und großartiger Komponist, er hat immer eine Aussage in seinen Texten und ist politisch engagiert", sagt Siegel, der selbst zahlreiche Songs geschrieben hat, aber immer wieder gern sein großes Vorbild interpretiert.

Erst mit 14 Jahren lernte Steffen Siegel Gitarrespielen. Noch zu DDR-Zeiten absolvierte er ein vierjähriges Gesangsstudium am Zwickauer Robert-Schumann-Konservatorium. "Ich durfte mich danach Berufsmusiker der DDR nennen und 40 Ostmark die Stunde verdienen", sagt Siegel heute lachend. Von 1987 bis 1991 spielte er bei der Lichtensteiner Folkband Pusteblume. 1992 gründete er seine eigene Band - mit eigenen Kompositionen und Texten, mal gefühlvolle Akustikgitarre, mal E-Gitarrenwucht in bester Crazy-Horse-Manier.

Seine Brötchen verdiente der gelernte Stahlbauschlosser allerdings jenseits der Bühne: als Schlosser, Schweißer, Kraftfahrer, als selbstständiger Ton- und Lichttechniker, Drucker. Heute ist er Produktionsleiter und Einkäufer in einer Elektronikentwicklungsfirma.

Als seine heute 17-jährige Tochter Lena (Schwester Nelly ist 11 Jahre) geboren wurde, legte er eine Gitarrenpause ein - zehn lange Jahre. Seit 2011 ist er aber wieder im Rockgeschäft. Um sich herum nun Musiker, die eigene Banderfahrungen mitbringen. Ralf Gründig war bei Dragonfly, Grenzenlos und Rockzeit. Zu deren Repertoire gehörten eher Lieder für die Generation ab 40. "Ich wollte immer Young spielen, habe die passenden Musiker aber nie gefunden", sagt Gründig. Olaf Jandeisek, Young-Fan seit Schulzeiten, spielte bei Huckepack, Country Union, Arizona und Rezeptfrei. Der Jüngste, Lukas Rietzsch, der am Schumannkonservatorium Schlagzeug lernte, wurde von seinem Vater mit dem Young-Virus infiziert.

Young ist für Bandleader Siegel musikalisches und moralisches Vorbild. Unter den Liedern, die er selbst geschrieben hat, sind nicht nur solche zum Feiern oder Kaputtlachen, Schunkeln und Abrocken, es sind auch sozialkritische darunter: von "König Eisenherz", der seine Frau schlägt, von der "Not auf der Welt und dem Hunger". Nach 18 Jahren kam im Vorjahr eine neue CD heraus mit dem Titel "De Novo", zu Deutsch: Von Neuem. Auch hier kritische Töne: "Immer mehr haben immer weniger, und immer weniger haben mehr ..." heißt es in "Das kann ja wohl nicht wahr sein". Beim Neil-Young-Abend am 3. November im Amorsaal bleiben die eigenen Titel zu Hause. Wer die hören möchte, sollte sich den 26. und 29. Dezember vormerken. Da ist die Siegel-Band im Ebersbrunner "Löwen" beziehungsweise im Lichtensteiner "Weiberzorn" zu hören.

Forever-Young-Festival am Samstag, 3. November im Amorsaal Mülsen, Beginn 19 Uhr. Mit dabei: Siegel-Band mit ihrer "Broken-Arrow-Show" und Steffen Siegel solo, Bozz Rock Band aus Sömmerda/Thüringen, Young Friends & Harvest Hands aus Torgau. Kartenvorverkauf (15 Euro) bis 31. Oktober: Amorsaal Mülsen, Wäscherei Keilberg Lichtenstein, Freie Tankstelle Mülsen und auf www.siegelband.de. Abendkasse: 18 Euro.


Zehn Fragen an Steffen Siegel

Was ist Ihr Lieblingslied?

Das Augenlid ... Aber im Ernst: Ich habe viele, die meisten sind Kompositionen von Neil Young.

Können Sie Noten lesen?

Ja, vor allem Banknoten ... Ich habe vier Jahre am Konservatorium Gesang und Musiktheorie im Abendstudium absolviert, aber ich verlasse mich lieber auf meine Ohren und mein Gefühl.

Was war Ihr bisher schlimmstes Konzert?

Bis jetzt hatte jedes Konzert seinen Reiz, und ich könnte keines davon als schlimm bezeichnen.

Welche Musik können Sie überhaupt nicht ab?

Die gibt es nicht. Wenn es gut und ehrlich gemacht ist, ist jede Musik schön.

Welchen Musiker würden Sie gern wiederbeleben?

Meine Mama, sie hat mir als Kind manchmal etwas vorgesungen, und sie musste viel zu früh gehen.

Welches Instrument ist das schwierigste?

Ich glaube, das schwerste ist ein Flügel ... Am schwierigsten zu spielen sind Streichinstrumente und Blechblasinstrumente.

Wie lange hält bei Ihnen ein Ohrwurm?

Wenn es mich erwischt hat, kann es mehrere Wochen dauern.

Welches Lied würden Sie verbieten?

"Atemlos".

Singen Sie in der Dusche/Badewanne?

Nein, das kann ich nicht. Beim Duschen genieße ich die Ruhe und das gleichmäßige Plätschern.

Dirigieren Sie heimlich Konzerte vor der Stereoanlage?

Nein, nur Konzerte im Proberaum.upa

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