Fußgängerinsel: Erst klemmt's beim Geld, dann fehlen Firmen

Passanten sollten schon seit Ende 2016 sicher über die Reichenbacher Straße gehen können. Doch der Plan existiert bis heute nur in der Theorie.

Zwickau.

Die vier Fahrspuren der Reichenbacher Straße in Zwickau sicher zu überwinden, ist für Fußgänger zumindest in Höhe Stiftstraße/Parkstraße immer wieder eine Herausforderung. Man sieht nur einen kleinen Teil der Fahrbahn aus Richtung Westen, und viele Autos sind dort zügig unterwegs. Obwohl je nach Gehrichtung in 180 beziehungsweise 250 Metern Entfernung Ampeln das sichere Überqueren möglich machen, scheuen die meisten Fußgänger zwischen Schwanenteichpark und Bahnhofsvorstadt den Umweg. "Für Fußgänger gelten schon Umwege von mehr als 50 Meter als problematisch", sagt Heike Reinke von der Pressestelle des Rathauses. Obwohl die Polizei die Stelle nicht als Unfallschwerpunkt betrachtet, sieht die Stadt Zwickau Handlungsbedarf.

"Vor allem in der Zeit zwischen 6 und 18 Uhr überquert eine erhebliche Anzahl an Fußgängern und Radfahrern die Reichenbacher Straße ungesichert", sagt Heike Reinke. Das Vorhaben, östlich der Einmündung Stiftstraße eine Fahrbahninsel einzubauen, kommt dennoch nicht voran. Seit fast drei Jahren existiert dieses Projekt, das Fußgänger zu einem sicheren Überqueren der Fahrbahn verhelfen soll, nur in der Theorie. Praktisch umgesetzt worden ist es bis heute nicht, obwohl zunächst eine Fertigstellung bis Ende 2016 angekündigt worden war.

Eine Chronologie: Im Dezember 2015 wurde das Vorhaben beschlossen. Anschließend dauerte es mehr als sieben Monate, genau bis zum 29.Juli 2016, bis die Stadtverwaltung überhaupt einen Antrag auf Fördermittel einreichte. Ob Unterlagen fehlten oder die Sächsische Aufbaubank (SAB) sehr kleinlich reagierte, dazu will sich niemand äußern. Auf jeden Fall mussten mehrfach Schriftstücke nachgereicht werden. Die SAB brauchte dann bis zum 25. Oktober 2017, also weitere 15 Monate, um Fördermittel in Höhe von 56.000 Euro zu bewilligen. Die Stadt muss einen Eigenanteil von 14.000 Euro aufbringen. Besonders eilig hatte man es im Tiefbauamt aber offenbar auch nicht. Mit der Ausschreibung ließ man sich Zeit. Die ersten Ergebnisse lagen im April dieses Jahres vor. Genau genommen keine Ergebnisse, denn keine einzige Firma hatte ein Angebot eingereicht. Jetzt begann das Amt selbst, im Rahmen einer freihändigen Vergabe Firmen anzuschreiben. Wie Heike Reinke sagte, konnte inzwischen ein Zwickauer Unternehmen für den Auftrag verpflichtet werden. Jetzt hofft man in der Verwaltung, spätestens Ende September mit dem Bau des Überweges beginnen zu können. Vorausgesetzt, die Baufirma hat dann freie Kapazitäten.

Alternativvorschläge für das sichere Überqueren der Straße mussten übrigens wieder verworfen werden. Zebrastreifen über vierspurige Fahrbahnen sind unzulässig. Und eine Geschwindigkeitsbeschränkung auf 30 Kilometer pro Stunde ist auf Bundesstraßen nicht möglich.


Kommentar: Trägheit und Glück

Idee gut, Umsetzung schwach. So kann das bisherige Geschehen um das Vorhaben Fahrbahnmittelinsel auf der Reichenbacher Straße mit vier Worten zusammengefasst werden. Freilich gibt es für Fußgänger Alternativen, um sicher auf die andere Straßenseite zu gelangen. Das allerdings darf nicht als Grund dafür gelten, das beschlossene Vorhaben auf die lange Bank zu schieben - egal von welcher durch den Steuerzahler finanzierten Behörde. Dass es sieben Monate dauert, bis ein Antrag auf Fördermittel ausgefüllt ist, und dann nach fast drei Jahren von der Mittelinsel noch immer nichts zu sehen ist, dafür hat Otto Normalverbrauchen kein Verständnis. In diesem konkreten Fall geht es auch um den Schutz von Gesundheit oder gar Leben von Menschen. Dass es an dieser Stelle bisher nicht zu schwereren Unfällen gekommen war, ist Glück. Da kann man nur hoffen, dass der Schutzengel den Autofahrern und Fußgängern treu bleibt.

Bewertung des Artikels: Noch keine Bewertungen abgegeben
0Kommentare
Um zu kommentieren, müssen Sie angemeldet und Inhaber eines Abonnements sein.



    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
    Mehr erfahren Sie hier...