Gedanken - sichtbar gemacht

Mehr als 70 Gäste besuchten das Forschungsforum der Hochschule. Gemeinsam machen sie sich auf Richtung Zukunft.

Zwickau.

Es gibt auch positiven Stress. Der macht zum Beispiel, dass die Menschen rote Wangen bekommen und Lust aufs Arbeiten. Mehr als 70 solcher gestressten Menschen haben sich am Mittwoch in einen Raum gezwängt, um beim 6. Forschungsforum der Westsächsischen Hochschule (WHZ) keinen der fünf Vorträge zu verpassen. Denn dort ging es um die Zukunft: die der Wissenschaftler, der Hochschule, aber auch die Zukunft vieler Menschen, die dereinst von den Arbeiten der fünf Forschungsgruppen profitieren können.

Menschen zum Beispiel, die querschnittsgelähmt sind. Marcus Löffler gehörte nach den Vorträgen - wie die anderen jungen Forscher auch -zu den gefragten Gesprächspartnern. Seine Gruppe möchte es Gelähmten ermöglichen, sich wieder zu bewegen - indem eine Software die Bewegungsabsicht im Gehirn erkennt und diese an eine Hardware weiterleitet, die eine Bewegung möglich macht. "Inzwischen können wir den Gedanken an die Bewegung erkennen und links und rechts unterscheiden." Was banal klingt, ist ein großer Fortschritt. Auf dem Weg dorthin, so berichten Löffler und Biomedizintechnik-Professor Jens Füssler, habe man manchen Rückschlag einstecken müssen, sei aber auch auf viele neue Ideen gestoßen. "Zum Beispiel, um die Ergebnisse unserer Arbeit auf die Reha von Patienten anzuwenden."

Um diese und die anderen Gruppen herum entstand eine rege Unterhaltung. Studenten und Dozenten hatten Fragen, Vorschläge, Interesse. "Ohne interdisziplinäre Zusammenarbeit funktioniert heute gar nichts mehr", sagte Professorin Leonore Heiland. Kein Wunder also, dass die Zuhörer mit fortschreitender Dauer des Forschungsforums immer aufgeregter, nein: angeregter wurden. Das ist der positive Stress, den das Forum verbreiten sollte. Für Studenten sollte die Veranstaltung noch mehr: Zeigen, dass man auch nach seinem Abschluss gut an der WHZ aufgehoben ist. Beste Werbung dafür ist Marcus Löffler, der nun an der Hochschule angestellt ist. "Hier kann man kreativ sein. Ich würde diese Forschung gern weiterführen." Auch wenn das Projekt nur bis August 2019 finanziert wird.

Löffler blickt also in die Zukunft - Sebastian Weis blickte zunächst zurück: mehr als 60 Jahre, als in Zwickau das erste Auto mit einem Duroplast-Werkstoff hergestellt wurde. An diesen Kunststoffen forschen die Zwickauer nun weiter. Nicht mit Baumwolle, sondern mit anderen Ausgangsstoffen. Nicht aus der Not heraus, sondern mit dem Ziel, nachhaltige Materialien herzustellen. Noch so eine aufregende Sache. Kein Wunder, dass die Gäste an diesem Abend so aufgeregt sind: Es gibt so viel zu entdecken.

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