Gedenkbaum: Schüler setzen in Zwickau Zeichen gegen Rechtsextremismus

Die Stadt kündigte unterdessen an, die Eiche für Enver Simsek zu ersetzen. Auch für die anderen neun Opfer des NSU sollen Anfang November Bäume gepflanzt werden.

Zwickau.

Rund 100 Zwickauer, darunter 80 Schüler des Peter-Breuer-Gymnasiums, haben am Montagmittag eine Schweigeminute für die Opfer rechter Gewalt abgehalten. Sie hatten dazu den Ort des beschädigten Gedenkbaumes für das NSU-Opfer Enver Simsek am Rande des Zwickauer Schwanenteichgeländes aufgesucht. Teilnehmende Schüler sprachen davon, dass sie ein Zeichen dagegen setzen wollten, wie Zwickau aufgrund der Vorfälle öffentlich wahrgenommen werde. "Wir wollen keine Nazi-Stadt sein", sagte einer der Initiatoren. Dabei wurde bekannt gegeben, dass für Freitagabend eine größere Gedenkaktion geplant sei.

Der Gedenkbaum war in der vergangenen Woche abgesägt worden, in der Nacht zum Sonntag wurde zudem eine kurzfristig aufgestellte Gedenkbank schwer beschädigt. Die Stadt Zwickau hat inzwischen angekündigt, den Baum zu ersetzen. Zudem werden, wie es bereits geplant gewesen sei, die Gedenkbäume für die neun weiteren Opfer des NSU gepflanzt. Eingerichtet wurde zudem ein Spendenkonto. Die Pflanzungen sollen laut Stadtverwaltung Anfang November im nördlichen Bereich des Schwanenteichparkes stattfinden, wo auch der Baum für Enver Simsek stand. "Wir lassen uns nicht unterkriegen", betonte Oberbürgermeisterin Pia Findeiß (SPD). "Gerade jetzt ist es wichtig, an die Opfer des Rechtsterrorismus zu erinnern und ein deutliches Zeichen gegen Intoleranz und für unser demokratisches Gemeinwesen zu setzen."

Bestärkt werde Zwickau durch die vielfältigen Reaktionen, die die Stadtverwaltung seit dem 3. Oktober erreichten. Unternehmen und Institutionen, vor allem aber Privatpersonen aus Zwickau und ganz Deutschland brachten ihr Entsetzen über die Tat, aber auch ihre Solidarität mit den NSU-Opfern zum Ausdruck. Viele forderten und wünschten, dass man die Fällung nicht einfach hinnimmt, sondern entsprechender Ersatz geschaffen wird. Auch mehrere Spendenaufrufe oder -angebote gab es in den vergangenen Tagen. "Ich bin positiv überrascht, dass viele Menschen deutlich Stellung beziehen und uns unterstützen wollen", so Zwickaus Oberbürgermeisterin.

Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) hat sich am Montag entsetzt über die wiederholte Schändung von Mahnmalen in Zwickau geäußert. "Das ist eine schwer erträgliche und schäbige Provokation an einem Ort des Nachdenkens und Erinnerns", sagte Kretschmer der "Freien Presse". Er hoffe, dass es gelingt, den oder die Täter rasch zu ermitteln. Auch Integrationsministerin Petra Köpping (SPD) verurteilte die Taten: Die "schändlichen Attacken" zeigten, "dass menschenverachtendes und gewaltverherrlichendes Gedankengut nach wie vor in den Köpfen einiger Menschen existiert."

Das Internationale Auschwitz Komitee verurteilt die wiederholte Schändung des Mahnmals am Montag ebenfalls. Auschwitz-Überlebende seien tief besorgt über die zunehmende gezielte Zerstörungswut der rechtsextremen Szene in Deutschland, die immer wieder versuche, Erinnerungsorte für Opfer rechtsextremen Hasses aus dem öffentlichen Raum zu entfernen, teilte das Komitee in Berlin mit.(ael/sf/kok/dpa)

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