Gedenkstätte für NSU-Opfer wird am 3. November eingeweiht

Auf der Ziegelwiese entsteht ein nicht zu übersehendes Mahnmal aus Bäumen - im Gedenken an alle zehn NSU-Opfer.

Zwickau.

Die zehn angekündigten Gedenkbäume für die Opfer des Nationalsozialistischen Untergrunds (NSU) werden ab nächster Woche auf der Ziegelwiese im Schwanenteichpark gepflanzt. Das wurde von der Pressestelle der Zwickauer Stadtverwaltung bestätigt. Pflanzstellen wurden bereits vorbereitet. Insgesamt sind derzeit elf Löcher zu sehen, eines davon dient einem anderen Zweck. Für 3. November, 10 Uhr, ist die Einweihung des Gedenkortes geplant. Auch Gedenkplatten werden für die Ermordeten eingesetzt - so wie es bereits eine für das erste NSU-Opfer, Enver Simsek, gibt.

Eine junge Eiche, die am 8. September auf der Ziegelwiese für Simsek gepflanzt wurde, war Anfang Oktober von bisher Unbekannten abgesägt worden. Oberbürgermeisterin Pia Findeiß (SPD) warf den Tätern daraufhin "Intoleranz, mangelndes Demokratieverständnis und Verachtung gegenüber Terroropfern und deren Angehörigen" vor. Die Tat zeige, dass manche nicht begriffen hätten, welch menschenverachtende Taten die Terroristen des NSU begangen haben. Wenige Tage nach der Zerstörung des Baumes wurde auch eine kurzfristig an der Stelle aufgestellte Gedenkbank nachts beschädigt. Sie war bereits 2016 Teil einer Installation zum Thema NSU - an dieser hatten sich ebenfalls Unbekannte vergangen.

Nach der Schändung der Gedenkstätte auf der Ziegelwiese war es zu mehreren Protestaktionen gegen Rechtsextremismus gekommen; auf Spendenkonten wurde Geld für neue Bäume gesammelt. Nach zusätzlichen Sicherheitsmaßnahmen für die Gedenkbäume gefragt, sagte Findeiß, man wolle prüfen, ob man Lampen installieren kann. Die völlige Dunkelheit an der Stelle lade Täter ansonsten geradezu ein. "Wir müssen als Stadtgesellschaft dafür sorgen, dass keiner unsere Mahnmale kaputt macht", sagte Findeiß. Die Polizei will außerdem bei nächtlichen Streifen häufiger an der Stelle vorbeifahren. Polizeipräsident Conny Stiehl betonte, bei der abgesägten Eiche gehe es nicht um Sachbeschädigung, sondern "um einen Angriff auf uns alle".

Die NSU-Mitglieder Uwe Mundlos, Uwe Böhnhardt und Beate Zschäpe sind für neun Morde an Migranten und die Tötung einer deutschen Polizistin in unterschiedlichen Städten Deutschlands verantwortlich - alle während ihrer Zwickau-Jahre begangen. Die beiden Männer brachten sich am 4. November 2011 nach einem Banküberfall in Eisenach während des Anrückens der Polizei in ihrem Wohnmobil um. Zschäpe steckte daraufhin die gemeinsame Wohnung in Zwickau-Weißenborn in Brand. 2018 wurde sie nach einem fünfjährigen Prozess zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe verurteilt.

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