Gegen Rechtsruck: Tour startet in Zwickau

In Zwickau beginnt die Initiative "Wann wenn nicht jetzt" ihre Aktionsreihe vor den ostdeutschen Landtagswahlen. Die Veranstaltungen sollen vor einem Rechtsruck warnen.

Zwickau.

Vor den anstehenden Landtagswahlen in Sachsen, Brandenburg und Thüringen will das Bündnis "Wann wenn nicht jetzt" mit Marktplatz-Konzerten in insgesamt zwölf Städten ein Zeichen gegen einen drohenden Rechtsruck setzen. Man wolle die drei Bundesländer nicht "den Rechten überlassen", heißt es auf dem Webauftritt der Initiative. Sie sieht "soziale und politische Rechte in Ostdeutschland offen angegriffen" und warnt vor einem "Klima der Angst und des Hasses." Die Organisatoren kritisieren vor allem die AfD, der sie "menschenverachtende, rassistische und autoritäre Politik" vorwerfen, sowie die regierende CDU, die eine Mitverantwortung für das "Wiedererstarken der gesellschaftlichen Rechten auf der Straße" habe.

Der Auftakt zu der Reihe findet am Samstag in Zwickau auf dem Hauptmarkt statt. Laut einem Sprecher des Bündnisses gehe es darum, ein Gesprächsangebot für die Menschen vor Ort zu schaffen, sowie die Pluralität der Gesellschaft sichtbar zu machen. In Zwickau sind dazu ab 10 Uhr verschiedene Aktionen auf dem Hauptmarkt geplant, die am Abend in einem Konzert gipfeln.


In einem Workshop am Domhof geht es um den Umgang mit Leerstand, in einem anderen auf dem Hauptmarkt um Graffiti. Buchlesungen beschäftigen sich mit Erfahrungen im Konzentrationslager sowie mit der Hooliganszene. Die Bands zum abendlichen Konzert wechseln zwischen Hip-Hop und Punkrock. Man wolle gerade in kleineren Städten gesellschaftliche Diskurse anstoßen und dazu anregen, selbst aktiv zu werden, sagt der Zwickauer Linken-Stadtrat und Landtagskandidat René Hahn, der die Veranstaltung mitorganisiert. Ebenfalls Teil des Programms ist der achte United-Colours-Street-Soccer-Cup mit mehreren Mannschaften, die zwischen 10 und 16 Uhr auf dem Hauptmarkt Fußball spielen. Die jüngste Auflage vor einem Jahr war im Eklat geendet. Das Finale musste abgebrochen werden, nachdem Spieler beider Flüchtlingsteams aufeinander losgegangen waren.

Durch Crowdfunding hat die Initiative nach eigenen Angaben mehr als 60.000 Euro eingenommen. In Sachsen sind weitere Veranstaltungen in Bautzen, Plauen und Grimma geplant.

Bei der CDU will man die Kritik nicht auf sich sitzen lassen. "Die Veranstaltung ist natürlich legitim, aber uns Schuld für einen Rechtsruck zuzuschieben, ist hanebüchen", sagt der CDU-Landtagsabgeordnete Gerald Otto. "Stattdessen haben solche Veranstaltungen mit ihrer Art des Aktionismus eine Mitverantwortung am Hochfahren der politischen Ränder." Die AfD äußerte sich bis Redaktionsschluss nicht.


Das ist für Samstag geplant

10 bis 16 Uhr: Streetsoccer-Cup

10 Uhr: Gemeinderäume im Domhof, Workshop zu Leerstandsfrage

ab 11 Uhr: Workshops und Vorträge auf dem Hauptmarkt

15 Uhr: Lesung "Aus der Hölle zurück - Von der Willkür des Überlebens im Konzentrationslager" im Eiscafé Dolce Freddo. Anschließend Robert Claus: "Hooligans. Eine Welt zwischen Fußball, Gewalt und Politik".

18 Uhr: Konzert mit Klostein (Punkrock, Zwickau), Kobito (Hip Hop, Berlin), Matondo (Hip Hop, Berlin),

Shkoon (Oriental Slow House, Berlin)

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