Geländewagen verwüsten Felder bei illegalen Touren im Schnee

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Schneebedeckte Äcker haben es einigen SUV-Besitzern angetan. Dass ihre Geländefahrzeuge bei illegalen Querfeldeintouren Schaden anrichten, nehmen sie billigend in Kauf. Zum Ärger der Landwirte.

Reinsdorf/Zwickau.

Der Anblick macht wütend: Eine lange Schneise der Verwüstung im Feld. Ein Unbekannter hat mit seinem Fahrzeug großflächig eine landwirtschaftlich genutzte Fläche nahe der Friedrichsgrüner Straße in Reinsdorf durchpflügt und hinterließ tiefe Spuren. "Die Flächen werden von uns bewirtschaftet. Sie sind zum Teil Eigentum und zum Teil Pachtflächen. Auf dem Ackerland wird Getreide wie Winterweizen, Wintergerste und Triticale angebaut", erklärt Landwirtin Stefanie Köhler.

Die lokal weit verbreiteten Agrarkulturen Winterweizen, -raps und -gerste werden im Spätherbst ausgesät und verbleiben über die Wintermonate auf den Feldern, bis sie ab einer Temperatur von etwa 5 Grad Celsius zu keimen beginnen. Durch Ausnutzung der Winterfeuchtigkeit erbringen diese Kulturen höhere Erträge als die Sommergetreide. Beschädigungen auf den Feldern bedeuten damit Einbußen für die Bauern. "Den echten Schaden werden wir erst sehen, wenn der Schnee weg ist", sagt Köhler. "Aber ich vermute ein paar Hundert Euro werden das." Die Polizei ermittelt. Einen ähnlichen Fall schilderte die Agrargenossenschaft Langenchursdorf auf ihrer Facebook-Seite. Ein SUV-Fahrer wollte in Falken die Umleitung einsparen, bog aufs Feld ein und blieb stecken. Der ADAC-Abschleppdienst musste ihn aus seiner misslichen Lage befreien. Die Kommentare im sozialen Netzwerk reichten von "Mich würde mal interessieren, wie diese Menschen reagieren, wenn man bei denen durch den Garten fährt" bis "Die Leute sollte man den Schaden selber mit der Hand beseitigen lassen".

Es sind keine Einzelfälle, aber nicht alle werden zur Anzeige gebracht. "Ich vermute, die Dunkelziffer liegt höher", meint Polizeisprecher Christian Schünemann. Selten, dass jemand erwischt wird, wie jüngst ein 25-jähriger tschechischer Tatverdächtiger. Laut Jürgen Pfeiffer, Sprecher der Staatsanwaltschaft Zwickau, hängt es vom strafrechtlichen Vorleben des Beschuldigten ab, ob Anklageerhebung erforderlich ist oder ob das Verfahren möglicherweise gegen eine Geldauflage eingestellt werden kann. Während auf den Äckern so mancher Geländefahrer sein Auto driften lässt, sind die Wälder von solchem Tun verschont geblieben. "Unsere Revierleiter haben im Wald dazu bisher noch nichts feststellen können", erklärt Forstbezirksleiter Bert Schmieder.

Schwerer als der Sachschaden wiegt für die Betroffenen der ideelle Verlust. Die Landwirte geben sich Mühe, ihre Felder zu bestellen, und dann wird der Aufwand mit solch einer Aktion zunichte gemacht. "Es ist einfach schade", bedauert Stefanie Köhler. "Da fehlt jeglicher Respekt gegenüber der Landwirtschaft und vor dem Eigentum anderer. Es geht nur um den Spaß." Zudem würden andere angespornt, die Spuren zu nutzen. In ihrem Fall gab es allerdings ein versöhnliches Ende: Der Fahrer, ein junger Mann, hat sich gemeldet und entschuldigt. Es tue ihm leid. Ihm war nicht klar, dass in den Wintermonaten unter dem Schnee überhaupt etwas wächst. Für den Schaden will er aufkommen.

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