Geldstrafe nach tödlichem Unfall

Weil er einen Radfahrer überfuhr, muss ein Lkw-Fahrer 3000 Euro zahlen. Das Opfer war nach Auffassung des Gerichts nicht schuldlos. Auch der zweite tödliche Fahrradunfall 2018 ist aufgeklärt - ohne Gerichtsverfahren.

Zwickau.

Der Radfahrer hatte keine Chance. Als er am Vormittag des 29. Mai 2018 von der Friedrich-Engels-Straße nach links auf die Crimmitschauer Straße in Zwickau abbiegen wollte, erfasste ihn ein mit überhöhter Geschwindigkeit fahrender Lastwagen. Der 73-Jährige wurde mehrere Meter weit weggeschleudert. An der Schädelfraktur und Hirnblutungen verstarb er noch an der Unfallstelle.

Am Montag wurde der 63 Jahre alte Unfallfahrer wegen fahrlässiger Tötung am Amtsgericht zu einer Geldstrafe von 3000 Euro verurteilt. Zu dem Zusammenstoß war es gekommen, weil er sich auf der Crimmitschauer Straße eine Art Rennen mit einem anderen Lastwagen lieferte. Wie der aus Thüringen stammende Berufskraftfahrer sagte, habe ihn der andere zuvor touchiert und dabei seinen Außenspiegel beschädigte. "Dann hat da irgendetwas ausgesetzt", sagte er. Er habe den anderen Fahrer stoppen und zur Rede stellen wolle. Doch das ging gründlich schief. Als rücksichtlose Fahrweise bezeichnete es die Staatsanwältin in der Anklageschrift.


Mehr als 100 Meter vor der Einmündung der Friedrich-Engels-Straße hatte der Angeklagte zum Überholen angesetzt und war dabei zwangsläufig in die stadteinwärts führende Fahrspur gewechselt. Der Gutachter errechnete, dass er mit Tempo 68 unterwegs war. Erlaubt sind dort 50 Kilometer pro Stunde. Den Radfahrer sah er erst, als dieser, zunächst vom anderen Laster verdeckt, 20 Meter vor ihm auftauchte. Das insgesamt 47 Tonnen schwere, mit Schüttgut beladene Fahrzeug war nicht mehr zu stoppen. Laut Gutachten steht fest: Bei Tempo 50 wäre der Laster rechtzeitig zum Stehen gekommen.

Allerdings, so machte Richter Jürgen Dietel in seiner Urteilsbegründung deutlich, war der Radfahrer nicht schuldlos. "Die Crimmitschauer Straße ist eine Hauptstraße", sagte er. Demnach ist allen dort fahrenden Autos die Vorfahrt zu gewähren. Zumindest den anderen am Geschehen beteiligten Laster muss der Radler gesehen haben. War es Leichtsinn oder Übermut? Es wird für immer das Geheimnis des Opfers bleiben, warum es dennoch losfuhr. Dekra-Gutachter Dennis Schubert jedenfalls bezeichnete es als ein kleines Wunder, das er nicht schon vom ersten Lastwagen überrollt worden war. Mit dem Unfall-Lkw, der von seinem Brummi-Kollegen verdeckt war, hatte er nicht gerechnet. Ein tödlicher Irrtum. Auch hier trifft ihn laut Gericht eine Mitschuld. Weil ihm der Laster die Sicht auf die Straße versperrte, hätte er nicht fahren dürfen. Seinen Führerschein und damit seinen Job als Kraftfahrer darf der Angeklagte behalten. Bisher, so sein Anwalt Ralph Gläser, habe sein Mandant noch nie einen Punkt in Flensburg gehabt. Er sei auch so genug gestraft. "Jede Nacht kommen die Träume vom Unfall wieder", sagte der Fahrer unter Tränen.

Zum Gedenken an das Opfer wurde am Unfallort ein sogenanntes Geisterrad aufgestellt. Ein solches Rad steht mittlerweile auch an der Leipziger Straße nach einem weiteren tödlichen Unfall am Jahresende. In diesem Fall wurde das Ermittlungsverfahren gegen die beteiligte Transporterfahrerin mittlerweile eingestellt. Wie die Pressesprecherin der Staatsanwaltschaft Zwickau, Ines Leonhardt, sagte, konnte ihr eine fahrlässige Tötung nicht nachgewiesen werden. Vielmehr sei der Radler beim ordnungsgemäßen Überholen unerwartet in Richtung ihres Fahrzeuges ausgeschert. Dabei kam er zu Fall und wurde überrollt. Auslöser für den Sturz des 30-Jährigen war vermutlich ein epileptischer Anfall oder der Alkoholpegel von 2,41 Promille.

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