Gemischte Gefühle zum Wahlausgang

Wahlen 2019 Die AfD schweigt, die Linken sind unzufrieden, und wie geht es weiter bei der SPD? Die Reaktionen im Überblick.

AfD: Die große Wahlgewinnerin heißt AfD, auch wenn sie anders als zur Bundes- und Europawahl landesweit diesmal nicht vor der CDU landen konnte. Ob sich die beiden über die Landesliste neugewählten Abgeordneten aus dem Landkreis Zwickau, die Zwickauer Stadträte Wolfram Keil und Christopher Hahn, über ihr Ergebnis freuen oder ob sie dem Umstand nachtrauern, das Direktmandat nicht gewonnen zu haben, bleibt unklar. Auf Anfragen der "Freien Presse" haben beide jedenfalls nicht reagiert. Auf der Facebook-Seite dankt der Kreisverband lediglich seinen Helfern und Wählern.

Die Linke: Kreischef Heiko Döhler, der in seinem eigenen Wahlkreis 13,5 Prozent geholt hat, ist bedient. "Wie soll ich den Ausgang schon bewerten? Schlecht eben", sagt er. Den Direktkandidaten macht er ein Kompliment, sie hätten ihr bestes gegeben und bessere Ergebnisse erzielt als die Partei in den Zweitstimmen bekommen hat. "Aber die Linke hat nicht das ausgesprochen, was die Wähler wollten. Wir müssen unsere Inhalte besser rüberbringen und vor allem in Berlin weniger streiten." Alexander Weiß aus dem Wahlkreis 9 (Zwickau 5), hat als Direktkandidat ebenfalls 13,5 Prozent der Stimmen geholt, ist damit aber zufrieden: "Damit liege ich über dem Landesdurchschnitt. Aber das Zweitstimmen-Resultat ist eine Katastrophe."

SPD: Die Sozialdemokraten verlieren ihre beiden bisherigen Landtagsabgeordneten. Das stand schon vor der Wahl fest. Iris Raether-Lordieck stand nur auf dem aussichtslosen Listenplatz 22, Mario Pecher hatte nach einer verlorenen Kampfabstimmung ganz auf einen Listenplatz verzichtet. Entsprechend gefasst reagiert Raether-Lordieck: "Enttäuschend, was unser Ergebnis bei den Zweitstimmen angeht. Aber nach den letzten Umfragen kam das ja nicht mehr überraschend. Mein Engagement gegen die Lärmbeeinträchtigungen am Sachsenring bleibt davon unbenommen." Wie die Zukunft von Mario Pecher nach 15 Jahren im Landtag aussieht, ist nicht ganz klar. Vor seiner Wahl 2004 war er bei der SPD angestellt und hat jetzt eigentlich das Recht, in seinen früheren Beruf zurückzukehren. Darauf angesprochen, sagt Pecher nur: "Ich bin Angestellter der SPD." Mehr gebe es nicht zu sagen.

Grüne: Insgeheim hatten die Grünen ein besseres Ergebnis bei der Landtagswahl erwartet, jammern will jedoch auch niemand. Man sei erschrocken über das AfD-Ergebnis, schreibt der Kreisverband auf Facebook, aber: "Wir sind glücklich über soooo viele Demokraten, die uns (und anderen humanen Parteien) ihre Stimme gaben." Der Zwickauer Wolfgang Wetzel, der im Wahlkreis 8, Zwickau 4 angetreten war, sagt mit gemischten Gefühlen: "Wenn die eigene Partei das beste Ergebnis einfährt, seit es sie in Sachsen gibt, dann kann man nicht klagen. In Sachen AfD sehe ich ohne etwas kleinreden zu wollen auch keine Tendenz zur Machtergreifung. Bei der Bundestagswahl 2017 bekam sie in Sachsen 669.000 Stimmen, diesmal waren es 613.000." Sein eigenes Ergebnis von 5,3 Prozent der Wählerstimmen sieht er gelassen: "Das klingt nicht nach viel. Aber ich habe sie im ländlichen Raum erreicht, in dem es nicht viel zu gewinnen gibt."

FDP: Viele Spitzen-Liberale aus dem Zwickauer Kreisverband sagten vor der Wahl, es werde immer schwerer, den Wählerzuspruch für die FDP vorherzusagen. Mit der Möglichkeit, an der Fünf-Prozent-Hürde zu scheitern, haben sich aber alle schon im Vorfeld beschäftigt. Entsprechend gefasst hat Kreischef Nico Tippelt das Ergebnis aufgenommen. "Wir haben einen Wahlkampf geführt, bis zum Schluss. Aber wir sind bei dem Elefantenrennen von CDU und AfD unter die Räder gekommen", sagt er. Dass Tippelt selbst nicht wieder in den Landtag einzogen ist, dem er zwischen 2009 und 2014 angehörte, sieht er gelassen. "Wir hätten acht Prozent gebraucht, damit ich mit Listenplatz 12 eingezogen wäre. Meine Direktkandidatur hatte zum Ziel, dass wir als Partei präsent sind. Ich hoffe, dass die Leute in Zukunft in unserem Land wieder mehr beteiligt werden."

Freie Wähler: Das Ergebnis ist leicht kurios. Überall dort, wo die Wählervereinigung Direktkandidaten aufgestellt hatte, haben diese ein deutlich besseres Ergebnis geholt als bei den Zweitstimmen. Aber ausgerechnet in der Stimmenhochburg (Wahlkreis 9, Zwickau 5 mit 5,2 Prozent) fehlte ein Direktkandidat. Das beste Erststimmenergebnis in der Region holte der Meeraner Matthias Ulbricht mit 7,8 Prozent. Er sei mit dem Gesamtergebnis zufrieden, sagt Ulbricht. "Dass wir landesweit keine fünf Prozent kriegen, war klar. Ich war vorher realistisch genug, um zu wissen, dass es mit dem Einzug in den Landtag nichts wird." Sein persönliches Ergebnis sei schön und gebe Auftrieb. Daher ist Ulbricht optimistisch: "Wir haben uns landesweit von 1,6 Prozent 2014 auf jetzt 3,4Prozent verbessert. Wenn das so weitergeht, klappt es ja beim nächsten Mal." (mit erki)

Zur Wahlpräsentation: Alle Daten aus den Gemeinden und Wahlkreisen

Bildstrecke: Das sind die Mitglieder des neuen Landtags


Wahlsplitter: Wo die AfD am besten abschnitt, und warum der Wahlkreis 6 unausgewogen ist

Die AfD-Hochburgen im Landkreis Zwickau sind Wildenfels (32,3 Prozent Liste/32,1 Direktkandidat), St. Egidien (30,0/33,2), Crinitzberg (30,7/31,3), Gersdorf (30,2/31,7), Langenweißbach (30,4/31,4), Zwickau-West (28,9/32,0) und Kirchberg (31,4/29,4). In Hartmannsdorf bei Kirchberg, wo die CDU-Landtagsabgeordnete Kerstin Nicolaus ehrenamtliche Bürgermeisterin ist, fuhr die AfD ihr schwächstes Ergebnis im Landkreis ein: 23,4 Prozent für die Partei, 16,8 für den Direktkandidaten.

Tiere schlagen Satire: In allen fünf Wahlkreisen im Landkreis hat die Tierschutzpartei das beste Zweitstimmenergebnis der "Sonstigen" erreicht - und war damit auch stets besser als die Satirepartei Die Partei, die im Wahlkampf mit der Meeraner Plakatabnehme-Affäre auf sich aufmerksam gemacht hatte. In Zwickau waren die Tierschützer, die dort zuletzt bei der Kommunalwahl auch einen Stadtratssitz errangen, sogar besser als die Freien Wähler.

Die Kluft zwischen Stadt und Land tritt vor allem im Wahlkreis 6, Zwickau 2 zutage. Dort sind durch den ungewöhnlichen Zuschnitt der westliche Teil der Stadt Zwickau sowie Werdau und Crimmitschau im selben Topf wie die ländlich geprägten Orte Neukirchen, Dennheritz, Langenbernsdorf und Fraureuth. In den Städten hat die CDU bei den Zweitstimmen je relativ schwach abgeschnitten (zwischen 33 und 36 Prozent), in den Dörfern bekam sie 40 Prozent. Umgekehrt waren die Linken in den Städten (11Prozent) viel stärker als auf dem Land (zwischen 7 und 9). Kuriosum am Rand: Die beiden schärfsten Kontrahenten um das Direktmandat im Wahlkreis 7 (Zwickau-Stadt) wohnen im Wahlkreis 6.

Die Grünen-Hochburgen sucht man im Landkreis Zwickau zwar vergeblich, ihr bestes Ergebnis haben die Grünen aber mit 6,2 Prozent im Wahlkreis 7 (Zwickau-Stadt) geholt. Nur knapp dahinter auf Rang zwei mit 6,1Prozent folgt ein Ort, den man gar nicht auf der Rechnung hat: Schönberg. Dort landen die Grünen sogar vor der SPD (5,9 Prozent). In absoluten Zahlen ist das ein Unterschied von einer einzigen Stimme - 31 zu 30. (sf/ael)


Die Kreisvertreter in Dresden

Kerstin Nicolaus (CDU): Die ehrenamtliche Bürgermeisterin von Hartmannsdorf hat ihren Wahlkreis wieder gewonnen. Die 58-Jährige ist seit 1994 Landtagsabgeordnete. Verheiratet ist sie mit Mario Pecher (SPD), der den Sprung in den Landtag nicht mehr geschafft hat.


Jan Löffler (CDU): Der Neukirchener ist zwar erst 38 Jahre alt, aber politisch schon ein alter Hase. Nach 2009 und 2014 wurde er zum dritten Mal als Direktkandidat gewählt. In seiner Heimatgemeinde ist er stellvertretender Bürgermeister.


Gerald Otto (CDU): Der 54-jährige Zwickauer ist seit zehn Jahren Abgeordneter im Landtag, auch wenn viele Wähler ihn auf seinen neuen Wahlplakaten nicht erkannt haben dürften. Bis vor einem Jahr hatte er 50 Kilo mehr auf den Rippen.


Ines Springer (CDU): Die 63-jährige Glauchauerin ist ebenfalls seit 2009 Mitglied des Landtags und hat nun ihr Direktmandat verteidigt. In Glauchau ist sie zudem erste Oberbürgermeister-Stellvertreterin.
 


Jan Hippold (CDU): Der 44-jährige Bauingenieur aus Limbach-Oberfrohna kam ebenfalls 2009 erstmals in den Landtag. In seiner Heimatstadt ist auch er erster Oberbürgermeister-Stellvertreter.
 


Wolfram Keil (AfD): Der 1971 geborene Zwickauer verpasste zwar knapp das Direktmandat, zieht aber über Listenplatz 13 in den Landtag ein. Der Unternehmer ist Kreisvorsitzender der AfD Zwickau.


Christopher Hahn (AfD): Auch für den 1984 geborenen Berufssoldaten aus Zwickau hat es über die Liste (Platz 23) zum Einzug in den Landtag gereicht. Hahn ist Stadtratsmitglied in der Kreisstadt.

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